Ausgezeichnete Gesellin aus Gerlingen Ölschmiere an den Händen gehört einfach dazu

Tanja Basel hat „keine Angst, dass das Auto verschwindet“. Foto: factum/Simon Granville
Tanja Basel hat „keine Angst, dass das Auto verschwindet“. Foto: factum/Simon Granville

Tanja Basel ist die beste Auto-Mechatronikerin unter den neuen Gesellen im Landkreis Ludwigsburg. Sie glaubt an die Zukunft des Individualverkehrs.

Ludwigsburg: Klaus Wagner (kwa)
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Gerlingen - Sie hat keine Angst vor Dreck am Arbeitsoverall oder Ölschmiere an den Händen. Das gehört dazu, wenn man mit Autos zu tun hat. Tanja Basel arbeitet als Kfz-Mechatronikern im Autohaus Jutz in Gerlingen – und sie hat ihre Abschlussprüfung mit Bravour bewältigt. Ihr dafür zu gratulieren, macht die 23-Jährige aber verlegen. Von 73 Auszubildenden im Kreis war sie die beste der Gesellenprüfung der KFZ-Innung Region Stuttgart. Da kann man stolz sein.

In den anderen vier Landkreisen der Region und Stuttgart haben dies zwei weitere Kolleginnen geschafft. Ihr Chef Frank Jutz schätzt sie: Sie sei die erste erfolgreiche technische Auszubildende in seinem Betrieb – und gleich die beste im Landkreis. Im Betrieb sei sie geschätzt, „sie tut dem Team gut“.

Dreieinhalb Jahre dauerte die Ausbildung, erzählt Tanja Basel – und da hatte die Abiturientin einiges an Neuem zu bewältigen. Angefangen bei der hiesigen Sprache. Dass sie aus Karlsruhe kommt, hört man der jungen Frau nicht an. Mit dem Schwäbisch, vor allem dem eines Lehrers an der Berufsschule, hatte sie ab und an ihre Probleme – und mit so manchen Worten. Welche Bedeutung aber das „Gsälz“ in der Berufsschule der Automechatroniker hatte, bleibt ihr Geheimnis.

Ein Jahr freiwillig in Italien

Andere Sprachen jedenfalls sind ihr nicht fremd: Zwischen Abi 2015 und Ausbildungsbeginn war sie ein Jahr lang in einem italienischen Dorf im Freiwilligen-Einsatz – bei einem Ziegenbauer ebenso wie im Jugendhaus oder als Helferin der örtlichen Heilsarmee. Das brachte sie aber nicht von ihrem Entschluss ab, sich beruflich dem Auto zu widmen, sich mit Achsen, Reifen und Getrieben zu befassen. Und Elektronik. Und sie blieb dem Wasser, dem Sport und der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft verbunden – Wachdienste als Rettungsschwimmerin zusammen mit anderen jungen Leuten, sommers an der Ostsee wie an Baggerseen rings um Karlsruhe.

Tanja Basel hat einen typischen Männerberuf ergriffen. Das wurde bei der Lossprechungsfeier klar, jeden Tag ist es im Autohaus nicht zu übersehen. „Eigentlich ist das gar nicht komisch“, meint die 23-Jährige, sie lacht und ihr Pferdeschwanz tänzelt um die linke Schulter. „Ich komme mit den Kollegen gut klar, sie respektieren mich.“ Wenn sie sich mal von anderen als ihren beiden Brüdern einen dummen Spruch habe anhören müssen, habe sie den „ignoriert oder zurückgegeben“.

Jedenfalls bekam sie im Betrieb immer mehr Verantwortung übertragen. „Am Anfang hatte ich noch Angst. Da kontrollierte ein Kollege, ob ich die Schrauben fest angezogen habe. Dann irgendwann nicht mehr. Es ist ein gutes Gefühl, wenn dir vertraut wird.“

Sieben Stationen Praxisprüfung

Für die Prüfung habe sie viel lernen müssen – das Praktische dauerte einen Tag: „Sechs Stationen mit je 40 Minuten, zum Beispiel mit einer Achsenvermessung, davor eine Station mit einer Stunde.“ Als ihr der Meister drei Wochen später sagte, sie sei die Beste im Landkreis, „da habe ich gedacht, der veräppelt mich“. An die Zukunft des Autos jedenfalls glaube sie. „Den Individualverkehr wird es immer geben. Es ist bequem, mit dem Auto ist man unabhängig.“ Das Stromauto gehöre dazu, die Zusatzqualifikation für die Mechatroniker dauere nur wenige Tage. Und es gibt noch den Meister. Beziehungsweise die Meisterin. „Ich würde gerne in der Werkstatt bleiben.“




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