Ausgezeichneter Weihnachtsstollen aus Remseck Sogar der Justizminister bestellt persönlich

Ausgezeichnet: Georg Strohmaier und sein ziemlich berühmter Königsstollen. Rund 1000 Stück produziert der Bäckermeister pro Jahr. Wie das funktioniert: Klicken Sie sich durch die Bilderstrecke. Foto: factum/Granville 7 Bilder
Ausgezeichnet: Georg Strohmaier und sein ziemlich berühmter Königsstollen. Rund 1000 Stück produziert der Bäckermeister pro Jahr. Wie das funktioniert: Klicken Sie sich durch die Bilderstrecke. Foto: factum/Granville

Georg Strohmaier aus Remseck macht einen sehr guten Stollen, sagen Experten. Vielleicht sogar den besten in Süddeutschland. Zum zehnten Mal in Folge ist das Weihnachtsgebäck nun ausgezeichnet worden – und hat mittlerweile sogar berühmte Liebhaber gefunden.

Remseck - Brütende Hitze, drangvolle Enge und lautes Geschrei: All das, was man in einer Backstube mitten in der Vorweihnachtszeit erwartet, gibt es in der Cannstatter Straße in Remseck nicht. In einer geräumigen Halle stehen vier Männer mit weißen Hosen, weißen Shirts und weißen Mützen um einen großen Tisch. Konzentriert, zügig und ruhig stechen sie Teigportionen ab, walzen die Kugeln zu einem Fladen und streichen die dunkelrote Füllung auf den Teig. Wenn der Chef mal dirigiert, tut er das mit ruhiger Stimme. Dann wackelt sein beeindruckender Schnauzbart, und die goldene Brezel, die er um den Hals trägt, hüpft auf und ab. Keine Frage: Wenn es um seinen Köngigsstollen geht, ist Georg Strohmaier voll bei der Sache.

Zehn Jahre in Folge die Goldmedaille gewonnen

Der Königsstollen ist seine Erfindung und, da würde der 67-Jährige wohl selbst nicht widersprechen, sein ganzer Stolz. Zum zehnten Mal in Folge ist er dafür nun ausgezeichnet worden, auch in diesem Jahr hat er vom Deutschen Brotinstitut die Goldmedaille und 100 von 100 möglichen Punkten bekommen. Ob er damit den besten Stollen in Süddeutschland macht, ist schwer zu sagen. Unwahrscheinlich aber, dass es viele andere Bäcker gibt, die eine ähnliche Erfolgsquote vorweisen können.

Strohmaier und sein Stollen waren deshalb schon im SWR-Fernsehen und sind kleine Berühmtheiten, weit über Remsecks Grenzen hinaus. Wenn man in der Vorweihnachtszeit in der Strohmaier’schen Backstube steht, kann es daher durchaus passieren, dass dem Chef das Telefon ans Ohr gereicht wird, während er mit beiden Händen gleichzeitig den Teig knetet. Am anderen Ende der Leitung ist Guido Wolf. Fünf Stollen bestellt der Justizminister. Früher, als der CDU-Politiker noch Landtagspräsident war, waren es noch mehr.

Rund 1000 Stollen backt Strohmaier pro Jahr

Die Idee zu dem Stollen, der, soviel sei verraten, mit einer Mischung aus Rotwein, Sauerkirschen und Mandeln gefüllt ist, kam Georg Strohmaier vor einigen Jahren. Mit dem weltberühmten Dresdner Christstollen konnte der schwäbische Bäckermeister nicht so viel anfangen, im Laden verkaufte er sich auch nicht besonders. Sein Gebäck sollte saftiger sein, ganz anders aussehen und „niemand sollte auf Citronat- oder Orangeat-Stückle beißen“, erklärt der Erfinder. So entwickelte er ein eigenes Rezept, nicht so süß und mit besonders vielen Rosinen aus Australien. Die legt er, genau wie die Mandeln, bereits Tage vor dem Backen in gehörig viel Rum ein.

Überhaupt ist das Stollenbacken im Hause Strohmaier eine Angelegenheit, die viel Geduld braucht. Denn nachdem der Stollen aus dem Ofen kommt, muss er noch eine ganze Woche ziehen. Erst dann kommt er in den Verkauf. Preislich kann der Königsstollen, den eine Krone aus Zuckerguss ziert, mit den Verwandten aus dem Supermarkt nicht konkurrieren: Rund 22 Euro kostet ein Exemplar.

Rund 1000 Stück entstehen pro Jahr, die meisten Kunden sind aus der Region, doch einige Stollen werden bundesweit verschickt. Meist fängt Strohmaier schon im Oktober mit der Weihnachtsbäckerei an. Doch weil der Sommer dieses Jahr so lang war, war er „sauspät dran“: Erst Anfang November begann die Produktion.

Seit 1979 gibt es die Bäckerei Strohmaier in Remseck

Damals, als die Reportage über den „schwäbischen Stollenkönig“ im Fernsehen lief, flatterten über Nacht 300 Bestellungen ins Haus. Tagelang musste Strohmaier beinahe im Akkord den Teig kneten, „das war heftig“. Er scheint froh zu sein, dass es seither wieder ruhiger geworden ist.

1979 hat er die Bäckerei gegründet, heute steht er noch an einzelnen Tagen in der Backstube – außer, es ist Stollenzeit. Die nächste Generation hat das Ruder übernommen: Tochter Anja führt mit ihrem Mann Aaron die Geschäfte mit den fünf Filialen und etwa 40 Mitarbeitern. Kennengelernt hat sich das Paar in Australien, da kommt Aaron Wedge her. Seine Spezialität ist das komplette Gegenteil zum süßen Stollen: englische Pasteten.




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