ExklusivAusländer in Baden-Württemberg Wo Flüchtlinge unterkommen

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Die Zahl der Syrer und Gambier in Baden-Württemberg hat sich 2015 vervierfacht. Unsere Auswertung zeigt: Zuwanderer aus Krisenländern verteilen sich ganz unterschiedlich im Land.

Wir haben detailliert ausgewertet, wo 2015 besonders viele Flüchtlinge aus einzelnen Ländern hinzugekommen sind. Foto: Screenshot StZN
Wir haben detailliert ausgewertet, wo 2015 besonders viele Flüchtlinge aus einzelnen Ländern hinzugekommen sind. Foto: Screenshot StZN

Stuttgart - In Baden-Württemberg hat sich die Zahl der Syrer und Gambier im Laufe des Jahres 2015 vervierfacht; die Zahl der Bürger aus anderen Krisenländern hat sich teils verdoppelt. Das geht aus dem Ausländerzentralregister des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hervor. Demnach lebten 2015 zudem erstmals mehr als anderthalb Millionen Ausländer in Baden-Württemberg

Das Statistische Landesamt hat die BAMF-Daten regional ausgewertet und uns überlassen; wir haben sie mit Blick auf solche Krisenländer analysiert. Mit Ausnahme des Kreises Pforzheim bilden Syrer durchweg die größte Einwanderergruppe. Interessant ist der Blick auf die zweitstärkste Gruppe. In weiten Teilen Badens sowie nördlich von Stuttgart führen Kosovaren die Migrationsstatistik an; der Kosovo war erst im Laufe des Jahres 2015 zum sicheren Herkunftsland erklärt worden. Von Oberschwaben bis in den Schwarzwald sind besonders viele Menschen aus dem Bürgerkriegsland Gambia eingewandert. Zwischen Freiburg und Ortenau, rund um Stuttgart sowie im Nordosten des Landes sind verhältnismäßig viele Iraker untergekommen.

Die folgende Karte zeigt, aus welchen Krisenländern 2015 die Zahl der in den baden-württembergischen Landkreisen gemeldeten Bürger am stärksten und zweitstärksten zugenommen hat. 

 

2015 kam es zu teils dramatisch hoher Zuwanderung aus Krisenländern. Die Zahl der Syrer und Gambier im Land hat sich im Laufe des Jahres vervierfacht, die der Afghanen und Iraker fast verdoppelt. Tendenziell gilt dabei: wo schon viele Bürger aus einem Land gelebt haben, da ziehen auch verhältnismäßig viele weitere Bürger aus diesen Ländern hin.

Der Rhein-Neckar-Kreis, wo Ende 2014 die zweitmeisten Syrer im Land gemeldet waren, nahm 2015 beispielsweise fast doppelt so viele Syrer zusätzlich auf wie der durchschnittliche Landkreis. Ähnliches gilt für den Kreis Esslingen, wo viele Afghanen leben, oder den Kreis Breisgau-Hochschwarzwald mit vielen Gambiern.

Wie sich die Zunahme der Bürger aus einzelnen Ländern auf die baden-württembergische Landkreise verteilt (in absoluten Zahlen), zeigen die folgenden Karten. Je roter die Einfärbung, desto stärker die Zunahme von Bürgern aus dem jeweiligen Land. Oben rechts können Sie die Nationalität auswählen und sich so durch die Karten klicken. Mit einem Klick auf den gewünschten Landkreis erhalten Sie weitere Informationen.

 

Zugezogene aus den genannten Krisenländern dürften in der Regel nach Baden-Württemberg geflohen sein. Genau weiß man das allerdings nicht, das Ausländerzentralregister erfasst die Fluchtursachen nicht. Auch sind die Zahlen der Zugezogenen aus diesen Ländern mit Vorsicht zu genießen. "Die Zahl der Schutzsuchenden wird im Ausländerzentralregister grundsätzlich berücksichtigt, momentan dürfte es jedoch eine Untererfassung dieser Personengruppe geben, die nicht quantifiziert werden kann", schreibt das Statistische Landesamt.

Das heißt, dass die offiziell verfügbaren Zahlen zu niedrig sind - wie viel zu niedrig, können die Statistiker nicht sagen. Man habe es mit einer Zuwanderung in bisher nicht gekanntem Ausmaß und mit einer beispiellosen Dynamik zu tun, sagt eine Expertin im Statistischen Landesamt.

Immerhin kennen die Statistiker den Grund für diese "Untererfassung": 2015 wurden Flüchtlinge auf die Kommunen verteilt, ehe sie in Erstaufnahmeeinrichtungen, vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge oder der Bundespolizei erfasst wurden.