Das Ziel muss sein, das städtische Ausländeramt zu einem attraktiven Arbeitsplatz in der Stadtverwaltung zu machen. Ein schönes Schaufenster Welcome Center jedenfalls reicht allein nicht aus.
Stuttgart - Im Stuttgarter Rathaus ist man stolz darauf, eine Einwanderungsstadt zu sein. Es ist deshalb nur folgerichtig, dass OB Fritz Kuhn mit dem Gemeinderat ein Welcome Center auf den Weg gebracht hat. Dort werden seit noch nicht einmal einem Jahr alle Neuankömmlinge willkommen geheißen. Wer als Migrant neu nach Stuttgart kommt, kann sich dort erste Orientierung holen. Das Ambiente ist chic. Die Mitarbeiter sind motiviert. Das Angebot wird so gut angenommen, dass die Stellen schon jetzt nicht mehr ausreichen. Das Welcome Center ist zweifellos eine gute Sache. Die Botschaft lautet: Zuwanderung ist eine Bereicherung für die Stadtgesellschaft.
Was zu dem Bild einer weltoffnen Stadt aber gar nicht passt, ist die Situation im Ausländeramt. Dort kommt es wegen stundenlanger Wartezeiten zu Rangeleien. Und die Mitarbeiter haben keine Zeit, die Migranten ausführlich zu beraten. Inzwischen ist nicht einmal mehr klar, ob die Terminvergabe auf Dauer zu halten sein wird. Das sind unhaltbare Zustände. Der Krankenstand im Amt liegt weit über dem städtischen Durchschnitt, die Fluktuation der Mitarbeiter auch. Alarmierend ist es zudem, wenn die Verantwortlichen sagen, dass auch das Ausländeramt die Migranten sehr gerne besser willkommen heißen würde, man sich aber personell dazu nicht in der Lage sehe. Der Eindruck, der bleibt, dass ein Zuwanderer zwar im Welcome Center gut beraten, im Ausländeramt dann aber nur abgefertigt wird, ist bestenfalls widersprüchlich.
OB Kuhn und der Gemeinderat jedenfalls sind nicht nur aufgerufen, zusätzliche Stellen schnell zu genehmigen. Es muss gefragt werden, ob die Bezahlung der Mitarbeiter angesichts der Belastungen angemessen ist, ob die räumliche Situation belassen werden kann und ob Weiterbildungen nötig sind, um die Mitarbeiter besser mit Stresssituationen umgehen zu lassen. Das Ziel muss sein, das Ausländeramt zu einem attraktiven Arbeitsplatz in der Stadtverwaltung zu machen. Ein schönes Schaufenster Welcome Center jedenfalls reicht nicht aus, wenn an anderer zentraler Stelle alles beim Alten bleibt. Solange nichts passiert, gilt das schöne Sprichwort: mehr Schein als Sein.