Auslieferung in Holzgerlingen Tote Hose im Tesla-Zentrum

Tesla-Auslieferung in Holzgerlingen: Der Kundenparkplatz ist leer gefegt. Foto: Jan-Philipp Schlecht

Standen die Tesla-Käufer nach Eröffnung des europaweit größten Auslieferungszentrums in Holzgerlingen Schlange, fährt es jetzt im Leerlauf: Die Verkaufszahlen brechen ein. Doch die Marke hat noch immer glühende Fans.

Böblingen: Jan-Philipp Schlecht (jps)

Gähnende Leere auf dem Kundenparkplatz von Tesla in Holzgerlingen. Der US-Autobauer Tesla betreibt seit Dezember 2022 im Gewerbegebiet Buch/Sol sein europaweit größtes Auslieferungszentrum, Adresse: Daimlerstraße, Ecke Carl-Benz-Straße. Unter der Adresse der beiden Auto-Pioniere aus dem Südwesten residiert der E-Auto-Pionier aus Kalifornien. Nachdem der Konzern ohne jegliche Mitteilung an die Öffentlichkeit damals dort startete, standen Neubesitzer von Nürnberg bis Freiburg Schlange, um ihr neues Stromauto in Empfang zu nehmen.

 

Doch an diesem Tag im April herrscht hier vor allem eines: tote Hose. Gut drei Jahre später stehen in der Halle, die einst dem Anlagenbauer Eisenmann gehörte, noch immer einige Karossen zur Auslieferung bereit. Was fehlt, sind die Kunden. Der einzige Mitarbeiter mit Kundenkontakt ist sehr zuvorkommend, bietet alle Modelle zur sofortigen Probefahrt an. Rabatte gebe es allerdings keine, bis auf eine 1,9-Prozent-Finanzierung für das jüngste Model. Die politischen Verwerfungen in den USA, die Tesla-Gründer und Donald-Trump-Intimfreund Elon Musk auslöste, sie sind auch in Holzgerlingen spürbar.

Anti-Tesla-Demonstrationen wie jüngst bei dem sogenannten Tesla-Takedown vor einem Showroom in Weinstadt blieben in Holzgerlingen zwar aus. Auch Schmierereien oder sonstige Anwürfe sind nicht überliefert. Doch der Kundenparkplatz zeigt sich an drei Tagen hintereinander: leer gefegt. Während man bei anderen Herstellern bis zu einem halben Jahr auf seinen Neuwagen warten muss, sind bei Tesla aufgrund der geringen Modellvielfalt manche Modelle sofort verfügbar.

Verkäufe brechen drastisch ein

In Holzgerlingen füllen die nagelneuen Model 3, Y, X und S die Halle nicht einmal mehr zur Hälfte. Der Vor-Ort-Eindruck bestätigt sich auch beim Blick in die offiziellen Zahlen. Laut Kraftfahrtbundesamt oszillieren die Auslieferungen der Kalifornier in Deutschland seit Jahren nur in eine Richtung: nach unten. Lagen die Verkäufe im ersten Quartal 2024 hierzulande noch bei 13 078 Einheiten, wechselten im gleichen Zeitraum 2025 nur noch 4935 Teslas den Besitzer. Ein sattes Minus von 62 Prozent.

Die Autos wurden durch ihren erratischen Konzern-Chef zum Politikum. Auf dem ein oder anderen Tesla prangt neuerdings ein Aufkleber am Heck: „I bought this, before Elon went crazy“, ich habe den gekauft, bevor Elon verrückt wurde. Als müsse man sich für das Auto entschuldigen. Dem Vernehmen nach haben etliche Firmenkunden ihr Leasing abgebrochen, nachdem Musk mit einer silbernen Kettensäge auf der politischen Bühne der USA durchdrehte, eine Wahlempfehlung für die AfD abgab und eine seltsame Armbewegung machte, die in Deutschland streng verboten ist.

Auf dem Gebrauchtwagenmarkt verlieren die Modelle ebenfalls schneller an Wert, als andere E-Autos. Doch was ist mit der Tesla-Fangemeinde? Die Nachfrage bei einem der Tesla-Vereine, in dem sich Fans der Marken organisieren, fällt schmallippig aus. „Wir kümmern uns im Club um die Technik des Automobils, die Entwicklung der E-Mobilität im In- und Ausland und machen beispielsweise auch mal ein ADAC Sicherheitstraining für E-Autos“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Tesla Club Germany, Karl-Heinz Büchel. Die Politik bleibe für ihn außen vor: „Es ist eine saubere Trennung zwischen unserem Club und anderen Themen rund um Herrn Musk.“

„Macher ecken eben oft an“

Ein Tesla-Fahrer der frühen Stunde aus Böblingen äußert sich zwar deutlich ausführlicher, will seinen Namen aber lieber nicht in der Zeitung lesen. „Elon Musk ist ein Macher und Macher ecken eben oft an. Aber wer sagt, was er tut und dies dann auch durchzieht, ist meistens erfolgreich.“

Die politischen Aktivitäten von Elon Musk seien ihm ziemlich egal: „Politik und Geschäft gehören strikt getrennt. Im Übrigen gibt es auch in Deutschland enge Drähte von Lobbyverbänden in die Politik, nur wird das in der Öffentlichkeit nicht so wahrgenommen.“

Von seinem Tesla sei er nach wie vor begeistert: „Ich bin bereits über 300 000 Kilometer mit dem Auto gefahren, die Batterie hat noch immer über 96 Prozent ihrer Kapazität. Ich hatte nie ein besseres Auto.“ Einen der besagten Aufkleber drauf zu pappen, käme für ihn nicht infrage. Doch dass das Auto mittlerweile politisch aufgeladen ist, spürt er schon: „Natürlich werde ich mittlerweile mit dem Auto etwas anders angeschaut, manch einer zeigt mit dem Finger drauf.“

In einem Tesla-Forum im Internet wird gemunkelt, dass der Standort in Holzgerlingen trotz der Absatzflaute bald sogar noch aufgewertet werden soll. Dort soll ein neuer Tesla-Showroom entstehen, in dem die Karossen ausgiebig beäugt werden können. Schließlich gibt es für die Übergabe der Fahrzeugschlüssel bisher nur einen vergleichsweise überschaubaren Empfangsraum. Ob und wann diese Gerüchte Realität aber werden, dazu schweigt der Musk-Konzern. Eine Anfrage unserer Redaktion bleibt unbeantwortet.

Tesla-Zentrum in Holzgerlingen

Im Dezember 2022
eröffnete Tesla sein europaweit größtes „Auslieferungs-Hub“, wie der Konzern nennt. Eine Information an die Öffentlichkeit oder gar eine festliche Eröffnung blieben aus.

Tesla-Käufer
aus ganz Süddeutschland kommen hierher, um ihr neues Auto in Empfang zu nehmen. Zuvor betrieb die Marke noch einen Standort in Renningen.

Die Halle
war bis zur Insolvenz des Böblinger Anlagenbauers Eisenmann in dessen Besitz, diente als Präsentationsfläche für Kunden und Mitarbeiter.

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