Auslosung der Fußball-WM in Moskau Entscheidung im Kremlpalast

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In Moskau werden an diesem Freitag (16 Uhr MEZ) die Gruppen für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland ausgelost. Die deutsche Mannschaft wartet auf ihre Gegner und Spielorte, wovon beim Titelverteidiger auch die Wahl des passenden Quartiers abhängt.

WM-Maskottchen Zabivaka hält vor dem Kremlpalast den Ball hoch. Foto: Getty
WM-Maskottchen Zabivaka hält vor dem Kremlpalast den Ball hoch. Foto: Getty

Moskau/Stuttgart - Es sind nicht die möglichen WM-Gegner, vor denen die Fußballfreunde im Iran am meisten zittern. Sondern die Kleider von Maria Komandnaja. Bitte nicht so sexy wie sonst, so lautet die Bitte an die russische Sportmoderatorin, weil das iranische Staatsfernsehen das Programm ansonsten wieder jäh unterbricht. Die brasilianischen Sambatänzerinnen bekam das Publikum vor vier Jahren ebenso wenig zu sehen wie das tief ausgeschnittene blaue Kleid von Heidi Klumbei der feierlichen Auslosung der WM 2006 in Leipzig.

Zusammen mit der englischen Fußball-Legende Gary Linekerwird Maria Komandnaja an diesem Freitag in Moskau (16 Uhr MEZ/ZDF) die Auslosungszeremonie der WM-Endrunde 2018 moderieren. Rekordtorschütze Miroslav Klose darf den WM-Pokal in den Prunksaal des Kreml tragen, in dem auch der russische Präsident Wladimir Putin sitzen wird; frühere Weltmeister wie Diego Maradona, Gordon Banks und Fabio Cannavaro ziehen die Lose aus den Töpfen.

Bundestrainer Joachim Löw lässt sich nicht aus der Ruhe bringen

Und dann stehen sie endlich fest, die Gruppen, der Spielplan, der Weg ins Finale am 15. Juli 2018 im Moskauer Luschnikistadion. Bei der Einteilung der vier Lostöpfe haben sich die Veranstalter streng an die Fifa-Weltrangliste gehalten, in der die deutsche Mannschaft vor Brasilien an der Spitze steht. Bedeutet: schon in der Vorrunde könnte es für den Titelverteidiger zu einem Duell mit den früheren Weltmeistern Spanien oder England kommen, die sich nur in Lostopf zwei befinden. „Egal wie es kommt, nervös werden wir deshalb nicht“, sagt Joachim Löw, der die Auslosung vor Ort miterleben wird. Er steht vor seinem sechsten großen Turnier als Bundestrainer und hat es zu einer gewissen Perfektion darin gebracht, sich von nichts und niemandem mehr aus der Ruhe bringen zu lassen. Den „besonderen Reiz“ der Auslosung sieht Löw vor allem im „Wiedersehen mit meinen Trainerkollegen aus aller Welt“.

Ansonsten interessiert sich Löw bei seiner Mission, den Titel zu verteidigen, vor allem für die Orte, an denen die deutschen Spiele ausgetragen werden. Denn davon hängt ab, wo der Weltmeister sein WM-Basisquartier aufschlägt – in Sotschi am Schwarzen Meer, aufgrund des milden Klimas von Löw bevorzugt, oder im Großraum Moskau, aus logistischen Gründen der Favorit von Oliver Bierhoff, dem Teammanager und Quartiermeister.

Quartierwahl: Wohlfühlfaktor in Sotschi oder kurze Wege in der Nähe von Moskau?

Gerne erinnert sich Löw an den „Wohlfühlfaktor“ in Sotschi, wo die DFB-Auswahl bei ihrem Confed-Cup-Sieg im vergangenen Sommer logiert hat. Bierhoff hingegen verweist auf „eklatante Unterschiede in den Reisezeiten“ und nennt Sotschi „die Stadt der langen Wege“. Von dort aus müsste der deutsche Tross bis zum Finale im Extremfall mehr als 10 000 Flugkilometer mehr hinter sich bringen als von Moskau. Einen Strand mit Schönwettergarantie gäbe es im Fichtenwald von Ramenskoje, einem möglichen Standort 45 Kilometer südöstlich der russischen Hauptstadt gelegen, zwar nicht – dafür aber zwei WM-Stadien und einen internationalen Flughafen in unmittelbarer Nähe. Die Entscheidung wird zeitnah fallen – allerdings „nicht ad hoc in der Nacht“, wie Löw sagt.

Und schließlich hängt von der Auslosung auch ab, wann die deutsche Auswahl mit ihrem WM-Trainingslager in Südtirol startet, wer die beiden letzten Testspielgegner sein werden und an welchem Tag der Weltmeister nach Russland reist. Es sind also sehr viele Fragen, die im Kremlpalast beantwortet werden.

Nur eine Entscheidung ist offenbar schon gefallen: Maria Komandnaja hat angekündigt in „dezenter Garderobe“ aufzutreten. Zumindest für die Fußballfreunde im Iran ist das eine gute Nachricht.




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