Die Stadt plant für 2043 die Bundesgartenschau im kommunalen Verbund – doch die Machbarkeitsstudie bereitet einigen Stadträten Sorgen. Welche Chancen sieht Ludwigsburg in der Buga?
Ludwigsburg erinnert an einen Bewerber, der drei Mal eine Abfuhr bekommen hat, den Job aber unbedingt will. So oft hat sich die Stadt für die Ausrichtung der Landesgartenschau beworben und dabei von einer Untertunnelung der B 27 sowie einem grünen Ring zwischen den Stadtparks geträumt. Wenn es damit nicht klappt, dann vielleicht eine Nummer größer – im kommunalen Verbund? Ludwigsburg, Esslingen, Stuttgart und der Verband Region Stuttgart wollen 2043 gemeinsam die Bundesgartenschau (Buga) ausrichten.
Für das Vergabeverfahren muss im Voraus eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden, an der sich jede Kommune mit jeweils 65 747,50 Euro beteiligt. In Zeiten, in denen jeder Cent in der Stadtkasse zwei Mal umgedreht werden muss, eine ordentliche Summe. Was verspricht sich die Stadt von der Buga – und überzeugt das die Stadträte, mitten in Verhandlungen des zweiten Sparpakets 18 Jahre in die Zukunft zu denken?
Chancen der Bundesgartenschau 2043: Zukunft für Ludwigsburg?
„Die Bundesgartenschau ist eine immense Chance, mit einem gestalterischen Schub in die Zukunft zu denken“, sagt Ulrike Schmidtgen, Leiterin des Fachbereichs Tiefbau und Grünflächen. Die Bewerbung sei ein Signal an die Bevölkerung, dass man für die Bürger Attraktivität schaffen wolle. Der Stadt geht es dabei um mehrere Punkte: interkommunal zusammenarbeiten, Bürgern in Krisenzeiten eine Perspektive bieten und Impulse für die Naherholung, die Wirtschaft und den Tourismus in der Stadt gewinnen. Im Mittelpunkt steht aber der Neckar, der sich vom rein industriell genutzten Fluss zu einem vitalen Landschaftserlebnisgebiet wandeln soll. „Das braucht Vorlauf. Dafür finde ich 2043 genau den richtigen Zeitpunkt“, sagt Oberbürgermeister Matthias Knecht.
Die Buga findet alle zwei Jahre statt. Besonders attraktiv: Projekte, die daraus entstanden, bleiben häufig bestehen, beispielsweise die Stadtquartiere in Koblenz und Heilbronn. Darauf beharren auch die Stadträte. „Es muss mehr sein, als zwei Brücken zu bauen“, sagt Stadtrat Claus-Dieter Meyer (CDU). Stattdessen müsse die Buga einen langfristigen Nutzen haben. Jochen Zeltwanger von den Freien Wählern fordert, nicht nur die Neckarufer und Steillagen mitzudenken, sondern auch die Wasserqualität. „Im Neckar muss man baden können“, sagt er.
„Sorge, das der Öffentlichkeit kommuniziert zu bekommen“
Das Potenzial hinter der Gartenschau scheint einzuleuchten, schließlich „darf man bei einer Buga schon lang nicht mehr an Blümchen schauen denken, sondern an wertvolle Impulse zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung“, sagt Michael Vierling (Grüne). Gleichzeitig lässt sich die finanzielle Situation der Stadt nicht ganz beiseiteschieben. „Ich habe Sorge, dass wir das der Öffentlichkeit schwer kommuniziert bekommen“, sagt Daniel O’Sullivan von der SPD. „Eine Entscheidung mit so viel Vorlauf zu treffen, finde ich sehr schwierig“, sagt Carina Kuhnke (AfD). Man wisse nicht, ob eine Buga in ein paar Jahren noch den Bedürfnissen entspreche. Auf die Frage von Sebastian Haag (FDP), ob es eine gemeinsame Vorstellung der drei Städte gebe, die den Neckar bekanntermaßen ganz unterschiedlich nutzen, antwortete OB Matthias Knecht: „Wir wollen größer denken, als ein paar Boote fahren zu lassen. Aber man muss uns noch ein wenig Zeit lassen, um einen Spirit zu finden.“
Sollte die Machbarkeitsstudie beschlossen werden und positiv ausfallen, stehen die Chancen, dass Ludwigsburg dieses Mal tatsächlich eine Zusage bekommt, gut. Stadtentwickler Martin Kurt versucht mit Blick auf die Finanzen zu beruhigen: „Die Statistik gibt den Mutigen recht: Da kam häufig eine Schwarze Null oder ein Plus raus.“ Es gelinge nicht häufig, sämtliche Fördertöpfe auf eine – oder in dem Fall drei Städte – zu konzentrieren. Der Wirtschaftsausschuss hat am Dienstagabend eine Empfehlung beschlossen, der Studie zuzustimmen. Bereits festgelegt sind zwei weitere Landesgartenschauen im Kreis Ludwigsburg: Vaihingen an der Enz 2029 und Benningen/Marbach am Neckar 2033. Die Stadt Bretten im Kreis Karlsruhe wiederum plante sechs Jahre lang die Gartenschau 2031. Nun haben sich die Gemeinderäte laut SWR dafür entschieden, den Zuschlag zurückzugeben. Grund dafür ist unter anderem die angespannte Haushaltslage.