Ausschreitungen in Stuttgart Demonstranten stürmen Kirchengelände

Um gegen eine Tagung der islamkritischen Bürgerbewegung Pax Europa zu protestieren, haben Demonstranten das Gelände der Kirche St. Maria Himmelfahrt – sie ist der Sitz der Stuttgarter Piusbrüder – gestürmt. Foto: dpa
Um gegen eine Tagung der islamkritischen Bürgerbewegung Pax Europa zu protestieren, haben Demonstranten das Gelände der Kirche St. Maria Himmelfahrt – sie ist der Sitz der Stuttgarter Piusbrüder – gestürmt. Foto: dpa

Linke Demonstranten haben am Wochenende das Gelände der Kirche St. Maria Himmelfahrt gestürmt. Doch deren Treffen fand anderswo statt.

Lokales: Christine Bilger (ceb)
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Stuttgart  - Zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen etwa 30 linken Demonstranten und der Polizei ist es am Samstag in der Stuttgarter Straße in Feuerbach gekommen. Die Demonstranten hatten das Gelände der Kirche St. Maria Himmelfahrt - sie ist der Sitz der Stuttgarter Piusbrüder - gestürmt, weil sie dort gegen eine Tagung der islamkritischen Bürgerbewegung Pax Europa protestieren wollten. Doch die Demonstranten, die dem linken politischen Spektrum zugerechnet werden, liefen mit ihrer Aktion ins Leere: Pax Europa war längst in ein Hotel in Weilimdorf ausgewichen und hielt dort ganz ohne Störungen sein Seminarprogramm mit rund 40 Teilnehmern ab.

Damit war Pax Europa auf den dritten möglichen Veranstaltungsort ausgewichen. Zunächst hatte die Vereinigung die Räume im Bürgerzentrum in der Stuttgarter Straße gebucht. "Aber eine solche Veranstaltung wollten wir hier nicht haben", sagte der grüne Stadtrat Andreas Winter. Zusammen mit der Bezirksverwaltung suchten die Lokalpolitiker des Bezirksbeirats und der Trägerverein des Bürgerzentrums deshalb nach einer Lösung, um den Islamkritikern kein Forum in ihrem Haus bieten zu müssen. Sie fanden diese in der Satzung. Zwar müsse das Haus für öffentliche Veranstaltungen Vereinen zur Verfügung gestellt werden, erläuterte die Bezirksvorsteherin Andrea Klöber. Vorrang hätten jedoch eigene Veranstaltungen für die Feuerbacher Bürger, zumal wenn der Verein, der die Räume haben will, nicht im Stadtteil verwurzelt sei. Also zogen die Verwaltung diesen Trumpf und veranstalteten eine eigene Diskussionsveranstaltung mit Vertretern dreier christlicher Kirchen und der Feuerbacher muslimischen Gemeinde mit dem Titel: "Vielfalt als Reichtum".

Der Innenhof wurde abgeriegelt

Die Veranstaltung von Pax Europa in Feuerbach zu verhindern, das ist durch diesen geschickten Schachzug also gelungen. Doch ruhig war der Samstag dennoch nicht. Die linke Demonstration gegen Pax Europa hatte um 10 Uhr mit Reden und Musikbeiträgen vor dem Bürgerzentrum begonnen, etwa 50 Personen nahmen daran teil. Gegen 11.30 Uhr stürmten rund 30 von ihnen auf das Gelände der schräg gegenüberliegenden Kirche. Nach mehrfachen vergeblichen Aufforderungen der Hausherren, das Grundstück zu verlassen, wurde die Polizei eingeschaltet. Die Beamten versuchten zunächst, die Demonstranten vom Innenhof zu drängen. Da dies scheiterte, wurde der Innenhof abgeriegelt, meldete die Polizei. 32 Personen wurden in Gewahrsam genommen und nach dem Feststellen ihrer Personalien wieder auf freien Fuß gesetzt. Bei der Rangelei mit den Demonstranten wurden zwei Polizisten durch Schläge und Kratzer leicht verletzt. Die Polizei sprach 32 Personen einen Platzverweis für das Kirchengelände aus.

Die Demonstration am Samstag war die zweite gegen Pax Europa, bei der die Polizei einschritt. Am Donnerstag hatten Gegner von Pax Europa eine Veranstaltung auf dem Schlossplatz gestört. Auch am Sonntag erhob sich wieder der Protest des linken Lagers gegen eine Veranstaltung in Bad Cannstatt. Bei einer Versammlung der Partei "Die Freiheit" trat ein Redner auf, der auch schon bei Pax Europa gesprochen hatte.




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