Außenbahnspieler des VfB Stuttgart Warum Borna Sosa nicht mehr für Kroatien spielen möchte

Bislang kam Borna Sosa nur für die kroatische U21 und nicht für das A-Team zum Einsatz. Das ermöglicht ihm nun einen Nationenwechsel. Foto: imago//Roland Krivec

In einem Interview geht VfB-Profi Borna Sosa mit dem kroatischen Fußballverband hart ins Gericht – und erklärt, warum er künftig viel lieber für Deutschland auflaufen will.

Sport: Gregor Preiß (gp)

Stuttgart - Es gehörte in der Vergangenheit zu den festen Gepflogenheiten von Borna Sosa, auf Länderspielreisen mit der kroatischen U21 in Interviews seine Sicht der Dinge zum Besten zu geben. Da wurde meist Klartext gesprochen und gerne auch auf die mitunter missliche Situation bei seinem Verein, dem VfB Stuttgart, verwiesen. Jetzt hat der 23-Jährige wieder gesprochen – als Reaktion auf die „Bombe, welche die kroatische und die deutsche Sportwelt erschütterte“, wie es in der „Jutarnji List“ vom Sonntag heißt.

 

Es geht um Sosas Einbürgerung und dessen Entscheidung, das rot-weiß karierte Trikot der kroatischen gegen das mit dem Bundesadler zu tauschen. Denn Sosas Entschluss steht fest: „Ich möchte künftig für Deutschland spielen.“ Gegenüber der kroatischen Zeitung geht der Linksverteidiger näher auf seine Beweggründe ein – und mit dem Fußballverband seiner Heimat hart ins Gericht. „Ich habe auf den März gewartet und darauf, ob ich zur A-Nationalmannschaft eingeladen werde. Aber es ist nichts passiert. Dieser Moment hat alles kaputt gemacht“, berichtet Sosa.

So äußerte sich Sosa nach dem Augsburg-Spiel

Er kritisiert eine lang anhaltende Hinhaltetaktik seitens Nationaltrainer Zlatko Dalic. Dieser habe ihn stets als Perspektivspieler gesehen und behandelt und ihm nie eine reelle Chance auf Einsätze im A-Team und bei der kommenden Europameisterschaft in Aussicht gestellt. Darauf entgegnet Sosa: „Ich bin keine 17 mehr sondern bald 24. Seit drei Jahren spiele ich in der Bundesliga und aktuell den besten Fußball meines Lebens. Wenn das nicht reicht, dann weiß ich auch nicht.“ Klare Worte, die einen lange gehegten Groll offenbaren. Welcher wiederum Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff nicht verborgen geblieben war. Bereits vor Monaten war dieser auf den derzeit stark aufspielenden Linksfuß zugegangen, um die Möglichkeit einer Einbürgerung zu erörtern. Die Annahme der deutschen Staatsbürgerschaft war auf Grund seiner in Berlin geborenen Mutter keine große Hürde. Nun scheint auch der Weg zum Fußball-Deutschen frei.

Sosa, der sechs Sprachen spricht, spielt in den Plänen von Bundestrainer Joachim Löw mit Blick auf die EM tatsächlich eine Rolle. Die Position auf der linken Abwehrseite markiert schon länger eine Schwachstelle, was auch Sosa so sieht: „Deutschland hat seit einer halben Ewigkeit Probleme dort. Der DFB weiß, wie gut ich zu ihnen passen würde.“

Mislintat: „Sosa hat sich in der Defensive enorm verbessert“

Sven Mislintat will sich aus der Verbandsdiskussion lieber heraushalten. Allgemein sagt der VfB-Sportchef: „Linksverteidiger seiner Kategorie gibt es nicht oft“. Über Sosas linken Fuß und dessen Flankenqualitäten müsse man nichts mehr sagen. „Er hat sich aber auch in der Defensive enorm verbessert“, findet Mislintat.

Marcel Halstenberg und und Robin Gosens hießen im DFB-Team zuletzt die Kandidaten für die linke defensive Außenbahn. Als Linksverteidiger in der Viererkette – anders als VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo spielen lässt – kam bei den zurückliegenden Auftritten Emre Can zum Einsatz. Gut möglich, dass Bundestrainer Löw seine Gedanken mit der Option Sosa noch einmal neu sortiert. „Wir schauen bei unserer Beurteilung natürlich auch über die EM hinaus“, erklärt Bierhoff.

Sosa wird es gerne hören – und alles daran setzen, noch auf die Schnelle den Sprung zum Löw-Team zu schaffen. „Meine Entscheidung war eine rein geschäftsmäßige, keine emotionale“, bekennt er. Sein Herz schlage weiter für Kroatien.

In unserer Bildergalerie blicken wir noch einmal auf das VfB-Spiel gegen Augsburg zurück. Viel Spaß beim Durchklicken!

Weitere Themen