SPD+Linke im Böblinger Gemeinderat wollen, dass im Sommer Gäste freitags bis sonntags bis 24 Uhr im Freien bewirtet werden dürfen. Die Fraktion beantragt eine Modellphase.
An heißen Sommerabenden länger draußen verweilen und das Flair der Innenstadt genießen. Was in vielen Städten längst gelebte Praxis sei, soll nach dem Willen der Gemeinderatsfraktion SPD+Linke nun auch in Böblingen möglich werden. Die Fraktion hat einen Antrag eingereicht, die Bewirtschaftungszeiten für die Außengastronomie in den Sommermonaten probeweise bis 24 Uhr auszuweiten.
Der Antrag sieht vor, für die Monate Mai bis September 2026 eine Modellphase einzuführen. An Freitagen, Samstagen und vor Feiertagen sollen Gastronomiebetriebe ihre Gäste bis Mitternacht im Freien bewirten dürfen.
Modellphase in Böblingen für den Sommer 2026
„Die starre Regelung, die Bewirtung bereits um 22 Uhr zu beenden, entspricht nicht mehr dem Lebensgefühl der Menschen und den klimatischen Realitäten“, erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Lukas Häberle. „Wenn es tagsüber heiß ist, verlagert sich das soziale Leben automatisch in die kühleren Abendstunden. Hierauf muss die Stadt mit flexibleren Rahmenbedingungen reagieren“.
Böblingen soll Lerneffekte aus Ulm und Stuttgart nutzen
Böblingen stehe mit diesem Vorstoß nicht allein. In Städten wie Ulm habe man die Sperrzeit für den Außenbereich am Wochenende bereits erfolgreich auf 24 Uhr verschoben, was zu einer Steigerung der Aufenthaltsqualität geführt habe. Die Erfahrungen aus Karlsruhe und Stuttgart zeigten laut der Fraktion SPD+Linke zudem einen Nebeneffekt für den Lärmschutz: Geordnete gastronomische Strukturen erwiesen sich oft als vorteilhafter für die Nachtruhe als ungesteuerte Ansammlungen auf öffentlichen Plätzen, die häufig entstehen würden, wenn Terrassen zu früh schließen müssen.
Wettbewerbsfähigkeit und städtischer Haushalt in Böblingen
Neben dem Gewinn an Lebensqualität verfolgt die Fraktion auch wirtschaftliche Ziele. „Wir wollen die Wettbewerbsfähigkeit unserer lokalen Betriebe stärken und verhindern, dass Gäste am späten Abend in Nachbarkommunen abwandern“, so Häberle weiter. Ein positiver Nebeneffekt für alle Bürgerinnen und Bürger: Die Belebung sorge für zusätzliche Steuer- und Gebühreneinnahmen, die direkt dem städtischen Haushalt zugutekommen.
Modellphase in Böblingen soll in ein dauerhaftes Konzept münden
Die vorgeschlagene Modellphase solle als Testlauf dienen, um praktische Erfahrungen im Stadtgebiet zu sammeln. Auf dieser Basis solle die Stadtverwaltung im Anschluss ein dauerhaftes Konzept erarbeiten, das einen fairen Ausgleich zwischen den wirtschaftlichen Interessen der Wirte, dem Wunsch nach Urbanität und dem Ruhebedürfnis der Anwohner schafft.
Der Fraktion SPD+Linke zufolge sind der Schutz der Nachtruhe und eine lebendige Innenstadt keine unvereinbaren Gegensätze. Vielmehr gehe es darum, durch klare Regeln und gegenseitige Rücksichtnahme einen Rahmen zu schaffen, von dem alle Seiten profitierten. Lukas Häberle: „Unser Ziel ist ein Böblingen, das nach Feierabend zum Verweilen einlädt, ohne die Nachbarschaft aus dem Blick zu verlieren. Ein geordnetes Miteinander bis Mitternacht ist für die Lebensqualität in unserer Stadt ein Gewinn, kein Verlust.“