Es sollte ein Versuch sein. Außenminister Frank-Walter Steinmeier stellte sich einem Twitter-Interview. Das ging allerdings ziemlich daneben. Die Weltpolitik ist zu kompliziert, um sie auf 140 Zeichen zusammenzufassen.

Korrespondenten: Knut Krohn (kkr)

Stuttgart - Es sollte ein Experiment sein. Antworten auf den Krieg in der Ukraine oder die Ebola-Seuche auf 140 Zeichen – geht das? Frank-Walter Steinmeier (SPD) wollte es versuchen. Als erster Minister der großen Koalition gab der SPD-Politiker ein Twitter-Interview. Dazu konnten unter dem Hashtag #FragSteinmeier Fragen gestellt werden. Die Antworten gab Steinmeier am Donnerstag über den Account des Auswärtigen Amts.

Das Positive der Aktion: Steinmeier versuchte sich bei der Internet-Gemeinde nicht anzubiedern. Eine Handvoll Fragen wurden von ihm beantwortet. Aber es zeigte sich die Grenze des Mediums – außer bekannten Plattitüden war nichts zu lesen.

Die letzen Meter sind die schwersten

So etwa die Antwort auf die Frage nach dem Stand der Atomverhandlungen mit dem Iran. Man arbeite an einer Lösung. Doch: „Die letzten Meter sind die schwersten“, twitterte der Außenminister.

Ähnlichen Tiefgang hat der Tweet zur Frage, wo Deutschland bei den aktuellen Krisen etwas bewirken kann.

Nur einmal erlaubte sich Steinmeier einen kleinen Witz, als er auf die – offensichtlich Ernst gemeinte – Frage nach dem Stand der Kontaktaufnahme mit Außerirdischen antwortete. Man arbeite schon am Beamer, so der Chefdiplomat.

Interviews mit Politikern im Internet-Kurznachrichtendienst Twitter gibt es schon länger. Bereits im Juli 2011 war US-Präsident Barack Obama dabei. Er uns seine Frau Michelle beherrschen die Kunst, ihre Botschaften über die sozialen Kanäle im Internet zu verbreiten - und vor allem von jungen Menschen wahrgenommen zu werden - meisterhaft.

Die Grenzen von Twitter

Im Fall des deutschen Außenministers aber haben sich die Grenzen des Mediums deutlich gezeigt. Entsprechend verhalten waren die Reaktionen im Netz. Die Twitter-Userin Emmanuelle jedenfalls war nicht zufrieden.

Steinmeier selbst twitterte am Ende der 30 Minuten dauernden Aktion, er sei „beeindruckt“ gewesen von den vielen Fragen. Sein Kommentar: „Hat Spaß gemacht – bis zum nächsten Mal!“ Der Tenor in der Netzgemeinde: Hoffentlich nicht!