Sarah Archut-Zeimpekoglou und Petra Renz verstehen sich super, beschreiben sich als „irgendwie seelenverwandt“. Foto:
Lokale DJs bringen im Juni Elektro-Beats auf die Echterdinger Spielwiese. Das außergewöhnliche Event hat sich der Kunstverein „Monokel Off Space Kunstraum“ ausgedacht.
Freunde elektronischer Musik können sich den 20. Juni schon mal dick in ihrem Kalender anstreichen. Denn an diesem Tag wird ihre Lieblingsmusik im Echterdinger Wald zu hören sein. Lokale DJs werden von 13 bis 22 Uhr an der Waldhütte auf der Echterdinger Spielwiese auflegen. Und zwar beim ersten Off-Space-Festival in Leinfelden-Echterdingen. Ausgedacht hat sich das Event der neue Kunstverein Monokel Off Space Kunstraum.
Die Veranstaltung „soll zunächst noch klein und familiär gehalten werden“, sagt Sarah Archut-Zeimpekoglou. Petra Renz rechnet mit etwa 150 Leuten. Mit im Boot sitzt der Förderverein des Ochsen. Von dort kommt das zur Musik passende Essen – auch vegetarisches. Es soll zudem Angebote für Familien geben.
Elektronische Musik mitten im Wald – geht das überhaupt? „Dafür waren ganz viel Genehmigungen nötig“, sagt die 41-Jährige, die gemeinsam mit ihrem Mann Terry Zeimpekoglou das beliebte Café Monokel in Echterdingen betreibt. Mittlerweile aber haben die Stadt und das Forstamt grünes Licht gegeben, wie Petra Renz betont. Die Café-Betreiber hatten zum Krautfest auch schon elektronische Musik angeboten. „Diese Veranstaltung ist aus allen Nähten geplatzt“, sagt Sarah Archut-Zeimpekoglou. Mit der großen Lust auf elektronische Musik, die es offensichtlich in Leinfelden-Echterdingen gibt, wollte der Verein arbeiten.
Wie kam es zur Gründung des neuen Kunstvereins?
Den Kunstverein gibt es seit etwas mehr als vier Monaten, wenn auch Sarah Archut-Zeimpekoglou an dessen Gründung bereits vor einem Jahr gebastelt hat. Der Anstoß dazu kam von einer Künstlerin. Die hatte in der Galerie des Cafés ausgestellt und von dem Honorar für Künstlerinnen und Künstler erzählt, das die Stadt Stuttgart und mittlerweile auch die Stadt Leinfelden-Echterdingen bezahlt. „Beantragen können das aber nur Vereine“, sagt Sarah Archut-Zeimpekoglou
Mit ihrem Mann Terry, Kevin Goldberg, Max Lange, ihrer Mutter Sonja Archut sowie Petra Renz teilt sie sich jetzt die Arbeit, die für die Organisation der Ausstellungen im Untergeschoss des Cafés anfällt. Der Verein will Künstlerinnen und Künstler einen Raum geben, der wandelbar ist. „Bei uns spielen Likes keine Rolle, vielmehr die künstlerische Arbeit und das Menschliche“, sagt Sarah Archut-Zeimpekoglou. Für zwei der Ausstellenden war es die erste Einzelausstellung überhaupt in ihrem KünsterInnen-Dasein.
Im Untergeschoss des Monokels gibt es regelmäßig Kunst zu bestaunen. Foto: privat
Der neue Kunstverein bietet nicht nur Ausstellungen an, sondern auch Lesungen. Er will auch in diesem Jahr kurz vor Weihnachten wieder eine Drag-Show auf die Bühne bringen. „Dieses Jahr ist schon durchgeplant“, sagt Petra Renz. Die 68-Jährige ist für die Finanzen des Vereins zuständig. „Wenn wir mit wilden Ideen daherkommen, sagt sie: ‚Leute, das kostet auch Geld’“, erklärt Sarah Archut-Zeimpekoglou. „Das Café Monokel sponsort nicht den Verein. Er muss sich selbst tragen“, sagt Petra Renz. Dafür müssen Sponsoren und Förderinnen gesucht werden.
Wie aus einer Café-Bar das heutige Monokel in Echterdingen wurde
Im Übrigen ist es Petra Renz und ihrem Mann Karl zu verdanken, dass es das Monokel in all seiner Besonderheit in Echterdingen gibt. Aus dem ersten Domizil ihrer Café-Bar an der Hauptstraße 57 mussten Sarah Archut-Zeimpekoglou und ihr Mann Terry nämlich schnell wieder raus. Das junge Ehepaar fand neue Räume an der Gartenstraße.
Zunächst als Job im Job: Das Paar teilte sich die Ladenfläche mit Petra und Karl Renz von Charles’ Vinothek. Später haben die beiden dann die gesamte Fläche der Echterdinger Weinhandlung übernommen. Die vier verstehen sich super, sind „irgendwie seelenverwandt“. „So wie der Terry verrückt ist mit Kaffee, ist mein Mann verrückt mit Wein“, sagt Petra Renz. Deshalb bietet Karl Renz nun auch wieder eine Weinberatung im Monokel an.
Die Gesichter hinter dem neuem Kunstverein; Terry Zeimpekoglou, Kevin Goldberg, Petra Renz, Max Lange, Sonja Archut, Sarah Archut-Zeimpekoglou (von links) Foto: privat
Das Konzept des Monokels ist mit den neuen Räumen gewachsen. Studierende können in einem Hinterzimmer ihre Vorlesungen hören, Büromenschen über neuen Konzepten grübeln. Dort wo 40 Jahre lang edle Weine in Regalen ruhten, wollten die Café-Betreiber eigentlich eine Kaffeerösterei unterbringen. Dieser Plan ging nicht auf. Die Absage hat die Chance mit sich gebracht, dort den Ausstellungsort Monokel Art zu eröffnen.
„Vielen Leuten ist es nicht bewusst, wie wichtig gerade jetzt Kunst ist – als Ort der Begegnung und wo man auch auf Sachen trifft, die man nicht gleich versteht.“ Dass es im Monokel zum Kaffee Kunst gibt – oder auch andersherum – hat sich mittlerweile herumgesprochen. Jeder, der möchte, kann einfach reinspazieren in den Kunstraum. Der Eintritt ist frei.
Kunst zum Mitnehmen
Der Verein Aus dem beliebten Monokel-Café in Echterdingen ist der neue Kunstverein Monokel Off Space Kunstraum hervorgegangenen. Im Netz informiert er unter www.monokeloffspace.de über seine Veranstaltungen. Er hat mittlerweile 40 Mitglieder zwischen 19 bis 75 Jahren und sucht weitere. In Leinfelden-Echterdingen gibt es noch den Musberger Kunstverein Galerie Altes Rathaus. „Dieser Verein ist ganz anders aufgestellt“, sagt Petra Renz. „Wir ergänzen uns prima.“
Die DJs Beim Off-Space-Festival im Juni werden mit Analog Crystal, Broskoyt, Smow, Terry Who, Staatsanzeiger und Quaxixi FM lokale DJs auflegen.