Aussichtspunkt in Stuttgart-Heumaden Kippt das Vorzeigeprojekt Apfelkernturm?

Von Caroline Holowiecki 

Erst war der Apfelkernturm für Stuttgart-Heumaden nur eine Schnapsidee, dann wurde er zum konkreten Projekt. Doch nun stockt die geplante Attraktion des Kommunalen Arbeitskreises Filder überraschend. Was ist da los?

Bereits 2016 wurden im Sillenbucher Bezirksbeirat Pläne für die zwölf Meter hohe und mit einer Plattform versehene Holzkonstruktion gezeigt. Foto: Planstatt Senner
Bereits 2016 wurden im Sillenbucher Bezirksbeirat Pläne für die zwölf Meter hohe und mit einer Plattform versehene Holzkonstruktion gezeigt. Foto: Planstatt Senner

Heumaden - Vorn Neckartal und Grabkapelle, hinten Filder und Schwäbische Alb. Wer sich am oberen Rand der Schwende umschaut, an der Landschaftsschneise zwischen Heumaden und Ruit, dem liegt die Region zu Füßen. Erlebbar machen soll das der Apfelkernturm. Seit Jahren wird über den aparten Ausguck, tropfenartig geformt wie ein Kern, diskutiert. Bereits 2016 wurden im Sillenbucher Bezirksbeirat Pläne für die zwölf Meter hohe und auf einer Höhe von sechs Metern mit einer Plattform versehene Holzkonstruktion gezeigt. „Das kann ein markantes Merkmal für Sillenbuch beziehungsweise Heumaden werden“, hatte ein Stadtplaner in der Sitzung verkündet.

Die Stadt Stuttgart hat das Grundstück dafür erworben

Vorangetrieben wird die Idee vom Kommunalen Arbeitskreis Filder (KAF). 2011 hat er mit einem Rahmenplan für den Landschaftsraum Filder begonnen, um die Erholungsqualität des Naturraums zu fördern. Zu den Maßnahmen zählen markante Aussichtspunkte. 2017 wurde von der Stadt das entsprechende Grundstück neben den Stadtbahn-Gleisen gekauft – und im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung symbolträchtig grünes Licht für die Detailplanung gegeben. Danach war es aber verdächtig still geworden.

Eva Noller, Erste Bürgermeisterin von Leinfelden-Echterdingen, ist KAF-Geschäftsführerin und nach wie vor voll des Lobes. Den Apfelkernturm sieht sie „wie ein kleines Statement für die Filder“. Die Holzkonstruktion mit der gedrehten Treppe in der Mitte bezeichnet sie als „sehr schöne Sache“. Dann folgt das Aber. Das Projekt sei nicht so günstig, wie erwartet. Hatte es Mitte 2017 bei einem Vor-Ort-Termin geheißen, dass für den Bau des Turms 168 000 Euro zur Verfügung stünden und das Geld allein vom KAF und dem Verband Region Stuttgart kommen werde, nennt sie nun Mehrkosten. „Wir haben ausgemacht, dass die Stadt Stuttgart diese trägt“, sagt sie. Mittlerweile sei das Projekt ins Stocken geraten. „Offensichtlich gibt es Schwierigkeiten“, sagt Eva Noller. Sie verweist nach Stuttgart.

Im Jahr 2020 hätte der Bau in Stuttgart-Heumaden beginnen sollen

Dort jedoch hält man sich auffällig bedeckt. „Dazu laufen aktuell noch interne Abstimmungsprozesse bei der Stuttgarter Stadtverwaltung. Das Thema wird auch bei der Tagung des KAF Ende Januar auf der Agenda stehen“, teilt der Pressesprecher Martin Thronberens für die Verwaltung mit, nach der Tagung wisse man möglicherweise mehr. Nur so viel sagt er aktuell: Es gebe Probleme bei der Realisierung des Projekts. Zur Art der Probleme erfährt man indes nichts. Dabei hätte es laut der einstigen Planung in diesem Jahr an den Bau gehen sollen.

Kippt der Turm, bevor er überhaupt steht? Manche Stuttgarter sähen es gern. Im Bürgerhaushalt 2019 war der Vorschlag 50470 mit dem Titel „Nein zum Aussichtsturm (Apfelkernturm) zwischen Heumaden und Ruit“ mit Platz 2423 zwar weit abgeschlagen, online wurde der Turm jedoch als „kropfunnötig“ und „absolute Geldverschwendung“ kritisiert. Auch Eckhard Philipsen weiß von Widerstand. Er ist der Sprecher der Lokalen Agenda im Bezirk Sillenbuch, die grundsätzlich die Fahne für einen Turmbau zu Heumaden hochhält, denn „das ist ein ganz wichtiger Punkt, wo man runter- und rüberschauen kann“. Vom Apfelkern-Look ist er indes überhaupt nicht begeistert. Er glaubt, dass eine Holzkonstruktion zu pflegebedürftig sei. „Den Aufwand halten wir für zu hoch.“

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