Aussichtspunkte in Stuttgart und der Region Der Blick zur „Blauen Mauer“

Von Thomas Krämer 

Einen 360-Grad-Rundumblick hat der Uhlbergturm in Plattenhardt zwar nicht zu bieten, dafür liefert er eine gute Sicht auf die B-27-Brücke und den Albtrauf. Wolfgang Kirchner kennt den Turm schon lange – schon in seiner Jugend war er ein Treffpunkt.

Wolfgang Kirchner aus Plattenhardt genießt die Aussicht vom Uhlbergturm. Foto: Thomas Krämer 6 Bilder
Wolfgang Kirchner aus Plattenhardt genießt die Aussicht vom Uhlbergturm. Foto: Thomas Krämer

Plattenhardt - Am Uhlbergturm geht Wolfgang Kirchner immer im Viereck. 127 Stufen sind es, die im Inneren der Betonkonstruktion nach oben führen. Wer dabei einmal verschnaufen muss, blickt auf Bilder – vom Turm selbst, der schon mal als Fantasieschloss dargestellt wird, vom Wald und den Tieren, die hier leben. „Gemalt von Kindern der Filderstädter Kunstschule“, freut sich der Vorsitzende der Ortsgruppe Plattenhardt des Schwäbischen Albvereins, der der Turm gehört.

Mindestens einmal in der Woche sei er hier, sagt Kirchner. Manchmal auch öfter. Heutzutage in offizieller Mission, früher in der Freizeit. „Der Turm war ein Treffpunkt der Jugend“, sagt er rückblickend und lächelt ein wenig verschmitzt. Für ihn gehört dieser Platz immer noch zu den schönsten weit und breit. „Besonders im Mai, wenn die Bäume in frisches Grün gehüllt sind“, sagt Kirchner.

Der Turm ragt 25 Meter in den Himmel

Es ist schon etliche Jahre her, dass man einen 360-Grad-Rundblick hatte. Heute sind dem Turm im Norden die Bäume über das von Antennen bestückte Haupt gewachsen. Im Norden, wo Fernsehturm und Flughafen zu sehen wären, verfängt sich der Blick im Geäst der Bäume. Und das, obwohl der Turm immerhin 25 Meter hoch ist und damit deutlich höher in den Himmel am südlichen Rand der Filder ragt als seine Vorgänger.

„Bereits 1890 gab es an der Stelle des heutigen Turms ein Gerüst aus Holz“, sagt Kirchner. Schon das muss recht beliebt gewesen sein, denn bereits 13 Jahre später wurde es durch einen Holzturm ersetzt. „Der war mehr als 17 Meter hoch“, sagt Kirchner. Ein richtiger Aussichtsturm – der nicht nur von den Menschen aus der näheren Umgebung besucht wurde, sondern auch Ziel der Städter aus Stuttgart wurde. Ein idealer Platz genau dort, wo sich die flache Filderebene nach oben wölbt wie der Rand eines Krautkuchens. „Der Uhlbergturm hat den Fremdenverkehr auf den Fildern begründet“, erklärt der Ortsgruppenvorsitzende. Denn auf den Höhenzug am Rand des Fildergrabens kam man bequemer denn je mit der Filderbahn, die 1897 in Betrieb ging und Vaihingen, das einen Bahnanschluss nach Stuttgart hatte, mit Neuhausen verband. Die Sommerfrischler wanderten zum Uhlbergturm und machten auf dem Rückweg gerne einen Schlenker in eine der vielen Gastwirtschaften, die es damals in Plattenhardt gab.

Plattenhardt ist mit S-Bahn und Bus gut zu erreichen

Seitdem hat sich manches geändert. Die Zahl der Gaststätten ist drastisch zurückgegangen, Plattenhardt als Ausgangspunkt der knapp zwei Kilometer langen Wanderung zum Uhlbergturm ist heute mit S-Bahn und Bus bequem zu erreichen. Und auch der Turm ist ein anderer. „Der alte Aussichtsturm musste 1961 abgerissen werden, da Schädlinge das Holz zerfressen hatten“, sagt Kirchner.

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Der Puls hat sich nach den 127 Stufen wieder beruhigt, Kirchner ist auf der Spitze des 1963 gebauten Turmes angelangt, blickt von der überdachten Aussichtsplattform in die Umgebung. Unterhalb des Turmes breitet sich eine Wiese aus, von einem Grill steigt Rauch auf. Menschen sitzen auf Bänken, Kinder spielen Fußball, ein paar Radler stellen ihre Pedelecs an einen Baum. Dahinter die Uhlberghalde, an deren Südhang Kleingärten ein buntes Mosaik bilden. „Da wurde bis Anfang des 20. Jahrhunderts Wein angebaut“, weiß Kirchner. Davon ist auch in alten Chroniken zu lesen. 4000 Liter Rebensaft sollen es gewesen sein, die 1750 in der 1718 gebauten, noch heute bestehenden Kelter aus den Trauben gepresst wurden.

Der Trauf der Schwäbischen Alb wirkt an manchen Tagen wie eine blaue Mauer

Dann das Aichtal, über das sich mit einem kühnen Schwung die B-27-Brücke schiebt, ein lang gezogener Bergrücken, dann nochmals eine Senke – in der sich der Neckar mitsamt Tübingen und Reutlingen ein wenig schüchtern versteckt. Und schließlich der Trauf der Schwäbischen Alb, die an manchen Tagen wirkt wie eine blaue Mauer. Hat zumindest Eduard Mörike in seinem Stuttgarter Hutzelmännlein so geschrieben. „Vielleicht bekam er die Inspiration dazu genau hier, schließlich hat Mörike ja eine Zeit lang als Pfarrvikar in Plattenhardt gelebt“, sagt Kirchner und blickt nach Süden, zeigt auf eine Burg, die als Silhouette zu erkennen ist. „Der Hohenneuffen“, sagt er, „dort hinten die Kaiserberge, die Teck, Hohenzollern.“

Im „Erdgeschoss“ des Uhlbergturms ist heute ein Kiosk untergebracht, in dem an Wochenenden Getränke und Würstle verkauft werden, die man an der benachbarten Feuerstelle selbst grillt. Meist gibt es auch Kuchen und im Winter Glühwein. Und wenn der Turm mal nicht geöffnet ist, klärt eine 2017 eröffnete Tafelfoto darüber auf, welche Berge und Burgen zu sehen sind.

Die Anfahrt mit dem VVS:

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