Aussichtspunkte in Stuttgart und der Region Hochgehen zum Runterkommen

Von Philipp Braitinger 

Auf dem Hohenstaufen bei Göppingen genießen Wanderer und Radfahrer grandiose Aussichten in einer geschichtsträchtigen Umgebung. Den Gastrochef Andreas Schweikert begeistert, dass man an klaren Tagen sogar die Zugspitze sieht.

Die Region im Blick: Gastro-Chef Andreas Schweickert steigt fast täglich zum Arbeiten hinauf auf den Hohenstaufen. Foto: Ines Rudel 10 Bilder
Die Region im Blick: Gastro-Chef Andreas Schweickert steigt fast täglich zum Arbeiten hinauf auf den Hohenstaufen. Foto: Ines Rudel

Göppingen - Es gibt nur wenige Orte in der Region Stuttgart, die solch einen Weitblick ermöglichen. Einer, der seit sieben Jahren nahezu täglich auf den Hohenstaufen kommt, ist Andreas Schweickert. Der 59-Jährige hat seit 2012 das Gipfelrestaurant Himmel und Erde gepachtet. „Es ist nicht irgendein Berg“, sagt er voller Begeisterung. Auf diesem Berg könnte der Stauferkaiser Barbarossa im 12. Jahrhundert einen Teil seiner Jugend­ verbracht haben. Und die Löwen der Staufer zieren noch heute die Landesflagge Baden-Württembergs. „Der Hohenstaufen ist der Mittelpunkt des Stauferlands“, sagt Andreas Schweickert.

Wer den Hohenstaufen mit seinen 684 Meter Höhe besucht, den beeindruckt die Aussicht. In westlicher Richtung reicht der Blick auch an diesigen Tagen bis zum Stuttgarter Fernsehturm. Richtung Süden erstreckt sich der Albtrauf und das Albvorland. An klaren Tagen sehe man sogar die Zugspitze, erzählt Schweickert. Richtung Osten sieht man die beiden anderen Kaiserberge, den Rechberg (707 Meter) und den Stuifen (757 Meter). Im Norden reicht der Blick über das Wäscherschloss in die Senke des Remstals und zum Welzheimer Wald. Die drei Kaiserberge sind sogenannte Zeugenberge, sprich: Sie entstanden, als die Erosion in Millionen von Jahren das Gestein um sie herum allmählich abtrug.

In 17 Minuten hinauf

Der Aufstieg zum Hohenstaufen gelingt vom gleichnamigen Ort, der seit 1971 zu Göppingen gehört. In wenigen Gehminuten gelangt man über unterschiedliche Routen hinauf. Vom Bahnhof in Göppingen fährt der Bus Nummer 13 in 17 Minuten nach Hohenstaufen. Der kürzeste Weg führt am Rande der Ortschaft vorbei an der alten Barbarossakirche, die im 15. Jahrhundert gebaut wurde. Vor der Kirche befindet sich ein Museum, in dem man sich über die Geschichte der Staufer informieren kann. Übernachtungsmöglichkeiten bietet die erst jüngst sanierte Jugendherberge in Hohenstaufen.

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Auf dem Gipfel angelangt, empfangen den Besucher alt anmutende Mauerreste. Diese wurden jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg als Hinweis auf die einstige Stauferburg angelegt. Wer sich nach dem Aufstieg stärken will, geht in das Restaurant Himmel und Erde. Auf 40 Innen- und 80 Außenplätzen serviert hier Andreas Schweickert vor allem Speisen aus der schwäbischen Küche.

Bänke, zum Teil auch Liegebänke, laden auf dem Gipfel des Bergs dazu ein, den Ausblick zu genießen. Das Motto des Bergs und der Gaststätte passen da wunderbar: „Hochgehen zum Runterkommen“.

Wo Barbarossa hauste und seine Jugend verbrachte

Immer wieder gibt es Veranstaltungen. „Der Berg hat Potenzial, man muss etwas daraus machen“, sagt Schweickert und verweist auf das reiche Kulturprogramm. So findet am Donnerstag, 15. August, ein Abend mit dem Titel „Frankreich und die Staufer“ statt. Die Stadtführerin Margit Haas erzählt von Traditionen, deren Wurzeln bis heute reichen. Kulinarisch begleitet wird der Abend ganz stilecht mit einem klassischen Coq au Vin. Nur zwei Tage später, am Samstag, 17. August, wird die Liedermacherin Claudia Pohel unter freiem Himmel Chansons singen und Geschichten erzählen. Das komplette Veranstaltungsprogramm findet sich im Internet unter der Adresse www.berg-hohenstaufen.de.

Selbst hinter dem Honig steckt Geschichte

Der Hohenstaufen lebt von Natur und Geschichte, das wird schnell deutlich. Der berühmteste Besucher war wohl der angesprochene Kaiser Barbarossa im 12. Jahrhundert: Im Jahr 1181 soll er in der Burg Hohenstaufen, die um das Jahr 1070 vom Stauferherzog Friedrich I. von Schwaben gebaut wurde, vorbeigekommen sein. Ob Barbarossa aber in seiner Jugend länger auf dem Bergplateau lebte, ist unsicher. Klar ist jedoch: Einige Jahrhunderte später wurde die Burg zerstört – im Bauernkrieg im Jahr 1525.

Hier oben kommt auch die Natur nicht zu kurz. Man erlebt sie etwa im Irenengold, einem Honig, den Andreas Schweickert erntet. Die Brücke zur Geschichte ist an dieser Stelle schnell geschlagen. „Irene von Byzanz war eine Schwiegertochter von Barbarossa. Im Jahr 1208 starb sie auf der Burg während der Geburt einer Tochter“, erzählt er. Auf sie gehe der Name des Honigs zurück. Aber der Honig ist nicht der einzige Hinweis auf die Königin. Es gibt auch die Bronzefigur einer Frau, die ein Buch in der Hand hält und ihren Blick von einer Sitzbank aus über das Albvorland schweifen lässt – auch diese Figur soll Irene darstellen. „Sie ist das beliebteste Fotomotiv“, sagt Schweickert.

Die Anfahrt mit dem VVS:

Die Aussichtspunkte präsentieren wir Ihnen in Zusammenarbeit mit dem VVS und der Regio Stuttgart Marketing- und Tourismus Gesellschaft.