Aussichtspunkte in Stuttgart und der Region Auf dem Michaelsberg in Cleebronn

Von Luitgard Schaber 

Unten im nahen Erlebnispark pulsiert das Leben, oben suchen Menschen nach spiritueller Orientierung – der Michaelsberg bei Cleebronn ist ein Ort der Kontraste. Genau das macht für den Jugendhaus-Leiter Tobias Albrecht den Reiz seiner Arbeitsstelle aus.

Der Leiter des Jugendhauses in Michaelsberg, Tobias Albrecht, genießt die Aussicht an seinem Arbeitsplatz. Foto: factum/Andreas Weise 5 Bilder
Der Leiter des Jugendhauses in Michaelsberg, Tobias Albrecht, genießt die Aussicht an seinem Arbeitsplatz. Foto: factum/Andreas Weise

Cleebronn - Schon von Weitem ist der Turm der Michaelskirche oben auf dem Berg zu sehen, wie er trutzig gen Himmel ragt. Die Bezeichnung Wächter des Zabergäus, die der Heimatdichter Hans Reyhing dem Michaelsberg bei Cleebronn (Landkreis Heilbronn) gab, ist bei diesem Anblick ziemlich treffend. Oben angekommen erwartet die Besucher indes ein gastlicher Ort. Das ehemalige Kapuzinerkloster, das sich hinter der Kirche anschließt, beherbergt heute das Jugendhaus Michaelsberg, eine Tagungsstätte sowie das Jugendspirituelle Zentrum Der Berg, eine Einrichtung des Bischöflichen Jugendamts der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Sobald man den Trubel des Erlebnisparks Tripsdrill am Fuße des Michaelsbergs hinter sich lässt, umgibt einen hier oben sofort ein Gefühl der Ruhe und Besinnung: Während unten Achterbahnen rasant um Kurven rauschen, Karussells sich drehen und das Jauchzen und Kreischen der Parkbesucher heraufschallt, zirpen oben die Grillen, ein leichter Sommerwind lässt das Laub der Bäume rascheln, und Schmetterlinge gaukeln durch die Luft. Derweil kann man eine fantastische Rundumsicht genießen: im Süden bis nach Ludwigsburg und an klaren Tagen sogar bis zum Stuttgarter Fernsehturm, im Norden erhebt sich der Katzenbuckel, im Osten ragt die Burg Lichtenstein auf und im Westen der Spitzberg in Zaberfeld.

Zu den Besuchern zählen Familien mit Kindern, Hochzeitsgäste, Radtouristen

„Die Ruhe ist relativ“, sagt Tobias Al­brecht, der Leiter des Jugendhauses Michaelsberg, denn derzeit werde das Haus von Jugendlichen bevölkert, die an einer von der Stiftung KBF (Körperbehindertenförderung) aus Mössingen organisierten Freizeit teilnehmen. Dafür habe man eigens in mehreren Zimmern die Betten abgebaut, damit für die jungen Gäste Pflegebetten hingestellt werden können. Sobald diese von ihrem Tagesausflug zurück seien, gehe es wieder lebhafter zu. Doch seien sie nur ein Teil eines breiten Spektrums an Gästen. Neben kirchlichen Gruppen und Freiwilligendiensten würden auch Familien mit Kindern, Hochzeitsgäste, Radtouristen und andere Urlauber im Jugendhaus mit seinen 20 Zimmern und 60 Betten Quartier beziehen. Schulklassen machten vielfach bei Angeboten des Jugendspirituelle Zentrums mit.

Häufig kommen junge Erwachsene auf der Suche nach sich selbst

Aber auch andere Gäste nutzen das Jugendhaus mit der benachbarten Kirche als Ort der Besinnung. „Wir haben sogar ein extra Auszeitzimmer“, sagt Albrecht. Abgeschieden von den übrigen Übernachtungsräumen liegt es unter dem Dach auf einer dem Erlebnispark abgewandten Seite des Gebäudes. Wer checkt dort ein? „Meist sind es junge Erwachsene, die auf der Suche nach sich selbst sind oder auf der Durchreise bei einem Trip durch Deutschland und Europa“, antwortet Al­brecht, der selbst auch schon viel herumgekommen ist, bevor er vor knapp einem Jahr seine jetzige Arbeitsstelle antrat. Nachdem er seinen Zivildienst in einer Schule in Ghana abgeleistet hat, studierte der gebürtige Rottenburger Hotelfachmann und -betriebswirt. Von seinem Ausbildungsbetrieb, dem Schlosshotel Monrepos in Ludwigsburg, ging er für ein Jahr an das Grand Hotel Bayrischer Hof in München, dann mit einer halbjährigen Zwischenstation in Bremen für fünf Jahre nach Hamburg, bevor er 2016 zunächst die Leitung des Tagungshauses Schönenberg in Ellwangen der Diözese Rottenburg-Stuttgart übernahm.

Die Menschen machen den Michaelsberg aus

Was macht für ihn, der schon an so vielen Orten gearbeitet hat, den Michaelsberg besonders? „Ich war imponiert von dem weiten Blick und der Natur, die man rundherum hat“, beschreibt der 32-Jährige seinen Eindruck, als er erstmals auf den Michaelsberg kam. Zudem könne man durch die Rebhänge direkt am Berg den Wein, den man hier oben trinkt, ganz anders spüren. Doch vor allem machen für Albrecht die vielen unterschiedlichen Menschen, die das Jugendhaus und die Kirche besuchen, den Michaelsberg und den Reiz seiner jetzigen Arbeitsstelle aus. 13 000 Übernachtungen zähle man pro Jahr, und in Zusammenarbeit mit der katholischen Kirchengemeinde St. Michael mehr als 200 Belegungen der Kirche, darunter 20 bis 25 Hochzeiten. Zwar liege der Fokus des vor 60 Jahren gegründeten Jugendhauses nach wie vor auf dem kirchlichen Bereich, doch habe man sich mittlerweile geöffnet, mache etwa in Kooperation mit Tripsdrill spezielle Angebote für Familien.

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Dabei bieten sich demjenigen, der sich nach dem Besuch des Michaelsbergs noch in das Getümmel des Erlebnisparks stürzen möchte, von dessen bis zu 30 Meter hohen Achterbahnen sicherlich auch weite Ausblicke – sofern man noch Augen dafür hat, wenn es mit Karacho durch Kurven und Überschläge geht.

Die Anfahrt:

Diese Aussichtspunkte präsentieren wir Ihnen in Zusammenarbeit mit dem VVS und der Regio Stuttgart Marketing- und Tourismus Gesellschaft.