Aussichtspunkte in Stuttgart und Region Urlaubsambiente an der Grabkapelle auf dem Württemberg

Von Caroline Holowiecki 

An der Grabkapelle auf dem Württemberg, von wo aus die Besucher einen traumhaften Ausblick haben, lohnt es sich, seiner Liebsten ein Lied zu trällern, erklärt Chorleiter Arnd Pohlmann.

Kantor Arnd Pohlmann blickt von der Grabkapelle auf dem Württemberg  auf Stuttgart. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt 6 Bilder
Kantor Arnd Pohlmann blickt von der Grabkapelle auf dem Württemberg auf Stuttgart. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Stuttgart - Also schritt sie hinauf, sich schon des Herbstes erfreuend und des festlichen Tags, an dem die Gegend im Jubel Trauben lieset und tritt und den Most in die Fässer versammelt. Feuerwerke des Abends von allen Orten und Enden leuchten und knallen und so der Ernten schönste geehrt wird.“ Arnd Pohlmann und Jelena Gartstein-Pohlmann schreiten tatsächlich freudig durch die Weinberge, immer weiter zur Grabkapelle auf dem Württemberg. Im Rucksack trägt er Goethes Text aus „Hermann und Dorothea“, von seiner Frau als Chorsatz komponiert. Gesang. Für die beiden Berufsmusiker gehört er auf dem höchsten Punkt Rotenbergs dazu. Alles hier oben klingt und schwingt.

Unter der weißen Kuppel, zwischen den Kolossalstatuen der vier Evangelisten, ist der Klang klar und voll, unten, in der von Kerzen erleuchteten Krypta, bricht jeder Ton in einem schaurig schönen Flatterecho. Ein akustisches Schauspiel, das immer wieder Besucher zum spontanen Singen animiert. Arnd Pohlmann kann’s ihnen nicht verdenken. „Es ist schon etwas ganz Besonderes.“ Den dritten Sommer in Folge ist er mit einem Projektchor des Vereins Musikwerk Stuttgart bei „Chorklang in der Kuppel“ aufgetreten. Die Teilnahme an der Konzertserie im klassizistischen Bauwerk ist begehrt und bedarf einer Bewerbung. „Es hat sich ein Fankreis entwickelt von Leuten, die mitmachen wollen“, erklärt er. Wegen der tollen Akustik, des tollen Gebäudes, des tollen Aufmarschs durch die Weinberge und wegen des tollen Ausblicks über die flimmernde Stadt.

Das Ehepaar ist auch beruflich miteinander verbunden

Seit fast 20 Jahren, seit dem Studium an der Musikhochschule, sind der 1,98-Meter-Mann und die 1,55-Meter-Frau ein Paar, privat und beruflich. Er, der Kantor – aktuell noch in Neckarsulm und bald in Kornwestheim – und Leiter diverser Chöre, sie, ebenfalls Chorleiterin, Klavierlehrerin und Organistin. Dass die Grabkapelle der Russin Katharina Pawlowna gewidmet ist und hier bis heute russisch-orthodoxe Gottesdienste stattfinden, hat für die Heslacher einen Aha-Effekt. Jelena Gartstein-Pohlmann, gebürtig aus Estland, hat russische Wurzeln, „und als sich mein erstes Engagement hier oben ergeben hat, habe ich gerade Russisch gelernt“, erklärt Arnd Pohlmann. Klar, dass seine Konzertpremiere in der Grabkapelle vor zehn Jahren, damals noch als Kantor in Untertürkheim, eine mit russisch-deutscher Vokalmusik aus der Romantik sein musste.

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Die Romantik ist es auch, die den Württemberg zum touristischen Highlight macht. Mehr als 40 000 Menschen besuchten das monumentale Mausoleum mit dem phänomenalen Rundblick 2018 und ließen sich von der Liebe König Wilhelms I. zu seiner so jung gestorbenen Gattin inspirieren. Für sie ließ er die Kapelle ab 1820 erbauen. „Die Liebe höret nimmer auf“ steht über dem Tor, das Königspaar und eine Tochter sind in der Krypta in Marmorsarkophagen bestattet. Für viele gilt die Kapelle daher als romantischster Ort Stuttgarts – obwohl sich hartnäckig das Gerücht hält, dass die Zarentochter nur gestorben sei, weil sie im Winter im dünnen Kleid ihrem untreuen Mann nachgefahren sei. Laut Christiane Grau aus der Kapellen-Verwaltung gehört die Todesursache – im Gegensatz zu den Affären – jedoch in den Bereich der Legendenbildung.

Legendärer Ausblick von der Kapelle aus

Legendär ist auch der traumhafte Blick von der Kapelle. Von der Freitreppe, über die in der Sommerhitze Eidechsen flitzen, schaut man über satte Weinberge, das Neckartal und den Kessel, hinauf zu den Halbhöhenlagen und weit darüber hinaus. Arnd Pohlmann spricht von einem Urlaubsambiente. Kein Wunder: Die Grabkapelle erinnert ans Pantheon in Rom, das Priesterhaus daneben, in dem das Besucherzentrum ist, ist im Stil einer toskanischen Villa erbaut. „Wenn man rauskommt und das Panorama sieht, das ist schon ein erhabenes Gefühl“, sagt der 45-Jährige und lässt den Blick von der Insel über die grün-grauen Wellen der Stadt schweifen, deren Bewegung zwar in Sicht-, aber außer Hörweite ist. Hier oben, wo nur Liebe ist. Und ganz viel Musik.

Die Anfahrt mit dem VVS:

Die Aussichtspunkte präsentieren wir Ihnen in Zusammenarbeit mit dem VVS und der Regio Stuttgart Marketing- und Tourismus Gesellschaft.

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