Ausstand bei SB-Warenhauskette Mehr als 500 Streikende bei Real im Südwesten

Die Warenhauskette Real will neu eingestellte Beschäftigte deutlich schlechter entlohnen. Die Gewerkschaft Verdi sieht darin einen „Generalangriff auf die Arbeitsbedingungen“ und ruft erstmals zum Streik auf. Bundesweit beteiligen sich Tausende Mitarbeiter.

Viele Real-Beschäftigte (wie hier in Berlin) wollen eine Spaltung der Belegschaften durch unterschiedliche Entlohnungen verhindern und beteiligen sich an ersten Streiks. Foto: dpa
Viele Real-Beschäftigte (wie hier in Berlin) wollen eine Spaltung der Belegschaften durch unterschiedliche Entlohnungen verhindern und beteiligen sich an ersten Streiks. Foto: dpa

Stuttgart - Mehr als 500 Beschäftigte aus 24 baden-württembergischen Real-Märkten sind am Freitag nach Verdi-Angaben dem Streikaufruf der Gewerkschaft gefolgt. Viele von ihnen haben sich zu Kundgebungen in Ettlingen und Böb­lingen-Hulb vor den Real-Standorten versammelt. Die Folge seien teils unbesetzte Fachabteilungen gewesen. Völlige Blockaden des Geschäfts seien trotz des im Handel relativ hohen Organisationsgrades bis zu 50 Prozent nicht möglich, hieß es.

„Spaltung der Belegschaft wird nicht gelingen“

An diesem Samstag soll der Ausstand in einzelnen Märkten weitergehen. Anlass ist der Ausstieg der Metro-Tochter aus den von Verdi abgeschlossenen Flächentarifverträgen des Einzelhandels. Neu eingestellte Mitarbeiter entlohnt sie nur noch nach den Tarifverträgen, die mit der Gewerkschaft DHV vereinbart wurden. Daraus resultieren laut Verdi Einkommenskürzungen um durchschnittlich 23 Prozent, längere Arbeitszeiten und weitere Verschlechterungen. „Die Spaltung der Belegschaft wird dem Konzern nicht gelingen“, sagte Verdi-Landesbezirkschef Martin Gross. Bundesweit beteiligten sich „mehrere tausend“ der insgesamt 34 000 Beschäftigten. Bereits am Vormittag hätten sie in rund 140 der 281 Märkte die Arbeit niedergelegt. In Düsseldorf seien 1200 Mitarbeiter vor die Metro-Zentrale gezogen.

„Auf Ausnahmesituationen dieser Art vorbereitet“

Das Unternehmen hatte mitgeteilt, dass „alle Real-Märkte wie gewohnt uneingeschränkt geöffnet“ seien. „Das Unternehmen ist auf Ausnahmesituationen dieser Art vorbereitet.“ Es seien rechtzeitig geeignete Maßnahmen eingeleitet worden, sodass es „zur minimalen Beeinträchtigung kommt“. Mit Wirkung zum 8. Juni war das gesamte Geschäft der Real SB-Warenhaus GmbH inklusive aller Betriebe und Arbeitnehmer auf die neue Real GmbH übertragen worden, die nun die günstigeren Tarifverträge anwendet. So sollen die Personalkosten „mittel- bis langfristig wettbewerbsfähig gestaltet werden“. Den bereits vor der Abspaltung bei Real Beschäftigten wurde die „statische Fortgeltung der Verdi-Flächentarifverträge“ zugesichert.