Ausstellung auf Gelände der Messe Stuttgart Mit 111 Pfostenmützen zu einem Weltrekord

Von Jacqueline Fritsch 

Bunte Häkeleien verschönern von Donnerstag an die Messe-Piazza in Leinfelden-Echterdingen. Die Schlümpfe, Sesamstraße-Figuren und Minions werden am Sonntag versteigert. Was steckt hinter der auffälligen Aktion?

Elke Hahn hat in einem halben Jahr 111 Pfostenmützen gehäkelt. Foto: Jacqueline Fritsch 9 Bilder
Elke Hahn hat in einem halben Jahr 111 Pfostenmützen gehäkelt. Foto: Jacqueline Fritsch

Echterdingen - Asterix, Obelix, Papa Schlumpf, Yoda, Ernie, Bert und 105 andere Figuren schmücken bald das Messegelände. Sie werden aber nicht lebensgroß mit den Besuchern durch die Hallen laufen wie in Disneyland. Sie sind viel kleiner und sollen pünktlich zur Kreativ-Messe am Donnerstag über 111 Pfosten auf der Messe-Piazza gestülpt werden. „Guerilla Häkeln“ nennt sich die Kunst, Gegenstände im öffentlichen Raum mit Gehäkeltem zu verändern. Sollten es tatsächlich 111 Figürchen werden, wäre das ein neuer Weltrekord.

Zwei Figuren fehlen noch zum Weltrekord

Elke Hahn wohnt in Echterdingen und ist Verwaltungsangestellte bei der Stadt Filderstadt. In ihrer Freizeit häkelt sie – nahezu jeden Tag. „Ein Leben ohne Häkeln kann ich mir nicht mehr vorstellen“, sagt die 55-Jährige. Im Mai hat sie angefangen, sogenannte Pfostenmützen in Form der Blues Brothers oder des Äffle und Pferdle zu machen. 109 sind inzwischen zusammengekommen. Zwei Figuren muss Hahn noch fertigstellen, um den Weltrekord für Deutschlands größte Open-Air-Ausstellung gehäkelter Pfostenmützen aufzustellen. „Derzeit arbeite ich an Heino, man kann ihn aber noch nicht erkennen“, sagt sie. Wer die Nummer 111 wird, das weiß Hahn selbst noch nicht so genau: „Es gibt zwei Möglichkeiten, aber die verrate ich nicht.“ Eine Lieblingsfigur hat die Hobby-Künstlerin aber: „Der Gestiefelte Kater ist mein Liebling, danach kommen die Blues Brothers.“

Hahn beobachtete die Reaktion der Leute aus einem Versteck heraus

Wenn gerade kein Weltrekord ansteht, häkelt Elke Hahn gerne Decken, Lesezeichen oder kleine Dinge für ihre Enkelkinder. „Nächstes Jahr werde ich zum vierten Mal Oma, da häkele ich dann wieder viele Babysachen“, sagt sie, „die sind einfach, weil sie so schön klein sind“. Auf die Idee, Pfostenmützen zu häkeln, ist die Echterdingerin vor einigen Jahren gekommen. „Ich hab mal ein paar Figuren eingepackt und bin nach Dresden gegangen, um zu sehen, wie das ankommt“, erzählt sie. Dort habe Hahn die Kunstwerke auf ein paar Pfosten an einer Straßenbahnstation angebracht. „Dann habe ich mich in einem Hauseingang versteckt und beobachtet, wie die Leute darauf reagieren“, sagt sie und lacht. Zwar nicht alle, aber die meisten Leute hätten gelächelt. „Kinder haben es auch angefasst, und es war faszinierend, wie die Menschen im Alltag einen Moment innegehalten haben“, sagt Hahn. Daraufhin habe sie bei der Messe angefragt, ob sie die Pfosten auf dem Gelände verschönern darf. Im vergangenen Jahr hat sie das Projekt zum ersten Mal mit etwas kleineren Figuren umgesetzt, am Donnerstag geht sie in die zweite Runde – mit 111 neuen Figuren und vermutlich einem Weltrekord.

Elf Kilogramm Wolle verarbeitet

Das Besondere an Elke Hahns Figuren: „Ich mache das ohne Vorlage. Ich schaue mir ein Foto an, und dann geht es los“, sagt sie. Für eine aufwendige Figur braucht sie bis zu sieben Stunden. Einfachere Motive seien in vier Stunden machbar, meint sie. Für die Ausstellung hat sich die Verwaltungsangestellte extra Urlaub genommen, damit alle Figuren rechtzeitig fertig werden. „Die vergangenen Wochenenden habe ich immer durchgehäkelt“, sagt sie. Insgesamt hat sie für das Projekt 222 Knäuel Wolle verarbeitet, das sind etwa elf Kilogramm mit einer Gesamtlänge von mehr als 30 Kilometern. „Ich wollte die Figuren so groß machen, dass man auch etwas damit anfangen kann“, sagt Hahn.

Alle 111 Pfostenmützen werden am letzten Tag der Kreativ-Messe, am Sonntag, 26. November, versteigert. Der Erlös kommt der Deutschen Duchenne Stiftung zugute. Diese kümmert sich mit sozialen Projekten um Kinder und Jugendliche, die an der zu Muskelschwund führenden Erbkrankheit leiden. Außerdem forscht die Stiftung an Heilmitteln für die Krankheit. Heino und die Überraschungsfigur Nummer 111 müssen dafür und für den Weltrekord aber noch fertig werden.