Ausstellung im Esslinger Justizgebäude Das Amtsgericht als Kunstgalerie

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Im Esslinger Amtsgericht an der Ritterstraße werden von Montag an Porträts gezeigt, die straffällige Menschen geschaffen haben. Die Wanderausstellung, die in Esslingen startet, ist ein Projekt der gemeinnützigen Initiative Prävent Sozial.

Sabine Kubinski (links) und Celine-Marie Wehrstein von Prävent Sozial präsentieren vorab zwei Porträts aus der Ausstellung vor dem Esslinger Amtsgericht. Foto:  
Sabine Kubinski (links) und Celine-Marie Wehrstein von Prävent Sozial präsentieren vorab zwei Porträts aus der Ausstellung vor dem Esslinger Amtsgericht. Foto:  

Esslingen - Gerichte sind gemeinhin nicht dafür bekannt, ein Hort der Kunst zu sein. Doch beim Amtsgericht Esslingen ist das von Montag, 27. Mai, an anders. Dort zeigt die gemeinnützige Initiative Prävent Sozial rund vier Wochen lang Werke, die von straffälligen und von Straffälligkeit bedrohten Menschen geschaffen wurden. In einem Workshop sind rund 20 beeindruckend ausdrucksstarke Porträts entstanden, die die hellen, aber auch dunklen Seiten jener Menschen zeigen, die sie gemalt haben. Daraus ist die einzigartige Wanderausstellung „Me-Myself“ erwachsen, die in Esslingen startet.

Acht Projekt-Teilnehmer

Prävent Sozial ist eine gemeinnützige, justiznahe Einrichtung, die sich der Integration straffällig gewordener Menschen, aber auch der Kriminalprävention und der psychosozialen Prozessbegleitung von Opferzeugen annimmt. Dass der Esslinger Amtsgerichtsdirektor Andreas Arndt stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Vereins Bewährungshilfe Stuttgart ist, hat sicherlich dazu beigetragen, dass die Kunstausstellung am Montag ihre erste Station im Großraum Stuttgart im historischen Gerichtsgebäude an der Esslinger Ritterstraße mit einer Vernissage feiert. Denn der Verein ist der Alleingesellschafter von Prävent Sozial.

Entstanden sind die Werke aus einem Projekt, in dem acht straffällige und von Straffälligkeit bedrohte Menschen – drei Frauen und fünf Männer – den Fragen „Wer bin ich?“ und „Was steckt in mir?“ mittels eines Kunst-Workshops auf den Grund gingen. Ihre künstlerische Ader sei ihnen davor nicht bekannt gewesen, sagt Sabine Kubinski, die Sprecherin von Prävent Sozial. Doch aus der oft gehörten Bemerkung „ich kann doch gar nicht malen“ sei nach der zweitägigen kreativen Betätigung die Erkenntnis gewachsen: „Dafür sind aber sehr gute Werke herausgekommen“, sagt Sabine Kubinski.

Thema Wohnungsnot

Freilich sei den Teilnehmern durch die gemeinnützige Initiative Arthelps – Künstler und Kreative, die Menschen aus sozial benachteiligten Verhältnissen auf besondere Art helfen – eine professionelle Anleitung zuteil geworden. Aber im Stuttgarter Werkhaus, das Prävent Sozial mietfrei zur Verfügung gestellt worden war, hätten die Probanden im Alter zwischen Mitte 20 bis 70 allesamt selbstständig ihre Gefühle mit Pinsel und Farbe auf die Leinwand gebracht. Die Materialkosten in Höhe von 4000 Euro habe die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft beigesteuert, mit der Prävent Sozial im Bereich betreutes Wohnen eng zusammenarbeite.

Denn aus der 40-Jahr-Feier des von Prävent Sozial initiierten Bereichs betreutes Wohnen für Straffällige sei die Idee für das Projekt letztlich entstanden, sagt Sabine Kubinski. Deshalb solle die Ausstellung unter anderem ins Bewusstsein rufen, dass die zurzeit viel diskutierte Wohnungsnot diese Menschen besonders treffe. Es komme nicht von ungefähr, dass die Bilderschau unter dem Motto „Kriminalität – Kreativität – zweite Chance“ stehe.

Justizministerium bekundet Interesse

Nach vier bis sechs Wochen, in denen die Porträts zu den üblichen Öffnungszeiten des Amtsgerichts Esslingen zu sehen sind, wird die Ausstellung weiterziehen – wohin ist noch nicht bekannt. Unter anderem habe auch das Justizministerium in Stuttgart bereits Interesse an „Me-Myself“ angemeldet, sagt Sabine Kubinski.

Sie sei jetzt „gespannt auf die Resonanz“. Die Zeichen stehen gut. Laut dem Amtsgerichtsdirektor Andreas Arndt hat ein Anwalt schon sein Kaufinteresse an einem der Kunstwerke bekundet.