Schüler des Friedrich-Schiller-Gymnasiums und der Elly-Knapp-Realschule haben sich mit dem Thema sexuelle Gewalt auseinandergesetzt. Die Kunstwerke werden im Frauenhaus ausgestellt.

Volontäre: Julian Meier (mej)

Wer derzeit den ersten Stock des Frauenhauses in Ludwigsburg aufsucht, wird von allen Seiten mit Schlagwörtern wie „No!“ oder „Stop!“ überflutet. In den Räumen des Vereins Frauen für Frauen e.V. ist derzeit eine Ausstellung zum Thema „Sexuelle Gewalt hat keinen Platz“ aufgebaut. Zu sehen sind Kunstwerke von Schülerinnen und Schülern, die sich mit dem Thema im Unterricht auseinandergesetzt haben.

 

Vorausgegangen war ein Kunstwettbewerb, an dem das Friedrich-Schiller-Gymnasium und die Elly-Knapp-Realschule teilgenommen haben. „Wir wollten jungen Menschen die Möglichkeit bieten, sich mit diesem schwierigen Thema auseinanderzusetzen. Die Ausstellung zeigt, wie reflektiert sie mit dem Thema umgehen“, sagt Mandy Bronner vom Landratsamt Ludwigsburg, die sich um das Projekt gekümmert hat. Das liegt auch daran, dass sich die Schülerinnen und Schüler intensiv Gedanken zu dem Thema machen – und teilweise auch schon von Fällen in ihrem Umfeld mitbekommen haben.

Freundinnen waren betroffen

Der Kunstwettbewerb war Teil der Informationskampagne, welche das Gesundheitsdezernat des Kreises initiiert hatte, um auf das Projekt „Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung“ im RKH Klinikum Ludwigsburg aufmerksam zu machen. Vor gut einem Jahr wurden die kreativsten Schülerinnen und Schüler ausgezeichnet, jetzt bekommen ihre Werke nochmal eine Plattform.

Die Gedanken der Schülerinnen und Schüler zum Thema sexuelle Gewalt bekommen im Frauenhaus in Ludwigsburg einen Ort der Sichtbarkeit. Foto: essigfoto.de

Platz eins ging damals an Miriam Tuchel, Absolventin der Elly-Knapp-Realschule. Auf ihrem Kunstwerk ist eine Frau zu sehen, deren Bild wie ein Spiegel in Einzelteile zerbrochen ist, die aber falsch wieder zusammengesetzt wurden. Darunter steht: „Wir helfen DIR! Jede Vergewaltigung ist ein Notfall. Geh in die Klinik!“

„Ich wollte darstellen, dass man sich danach ziemlich beängstigt fühlt, als ob einem der Kopf platzt“, erklärt die 17-Jährige. Sie war froh, dass sie sich mit dem Thema auf diese Weise auseinandersetzen konnte. Freundinnen von ihr waren bereits betroffen. Trotzdem sei sexuelle Gewalt „nicht wirklich“ ein Thema in ihren alltäglichen Gesprächen.

Thema wird in der Regel nicht angesprochen

Auch Sayra Buse Gürbüz hat im Rahmen des Kunstunterrichts an dem Projekt teilgenommen. „Es ist ein sehr wichtiges Thema, das oft nicht angesprochen wird“, sagt die 16-Jährige. „Schäme dich nicht, hab keine Angst, denn jede Vergewaltigung ist ein medizinischer Notfall. Wir helfen dir!!!“, hat sie über ein Mosaik in verschiedenen Rottönen geschrieben.

Sexuelle Gewalt spielt für sie durchaus eine Rolle. „Gott sei Dank ist mir so etwas noch nicht passiert“, sagt Gürbüz. Sie schaue sich aber hin und wieder Dokumentationen darüber an – da sehe man, „wie schnell so etwas passieren kann“. In der Schule sei das Thema aber außerhalb des Kunstwettbewerbs gar nicht angesprochen worden.

Die beiden Kunstwerke der ehemaligen Schülerinnen Miriam Tuchel (links) und Sayra Buse Gürbüz. Foto: essigfoto.de

Bürgermeisterin Schmetz fordert größere Auseinandersetzung

Arezoo Shoaleh, pädagogische Leitung bei Frauen für Frauen e.V., war bei der Preisverleihung vor einem Jahr dabei und kannte die Werke bereits. „Ich war tief berührt von der Tiefe und Sensibilität, mit der sich die Schülerinnen und Schüler mit diesem schwierigen Thema auseinandergesetzt haben“, sagt sie. Die Ausstellung zeige, dass „junge Menschen auch den Mut haben, über Tabuthemen zu sprechen“.

Die Erste Bürgermeisterin Renate Schmetz fordert, dass die Gesellschaft sich mit dem Thema sexueller Gewalt verstärkt auseinandersetzen müsse. Mittlerweile gebe es immerhin eine größere Sensibilität dafür. „Wir nehmen es mehr wahr, aber es nehmen auch die Fallzahlen zu“, sagt Schmetz. Das liege vielleicht auch daran, dass der Respekt voreinander abnehme. „Wenn wir alle die Grenzen des anderen achten würden, gäbe es gar keine Opfer.“

Die Ausstellung im Frauenhaus ist noch bis zum 28. November öffentlich zugänglich. Der Eintritt ist frei.