Ausstellung im Göppinger Christophsbad Aus der Kunst der Psychotherapie entsteht Kunst

Von Philipp Braitinger 

Die Ausstellung „Persönliche Metamorphosen“ im Göppinger Christophsbad zeigt, wie persönliche Veränderungen zu grafischen Arbeiten werden. Diagnose-Tools der Psychotherapie werden dabei zu Kunstobjekten.

Aus Diagnosediagrammen und anderen grafischen Aufzeichnungen von Patienten werden „Persönliche Metamorphosen“, die als Kunstwerke zu sehen sind. Foto: Christophsbad
Aus Diagnosediagrammen und anderen grafischen Aufzeichnungen von Patienten werden „Persönliche Metamorphosen“, die als Kunstwerke zu sehen sind. Foto: Christophsbad

Göppingen - Es sind bunte Wellen und Linien, wirre Pixel in fast allen Farben des Regenbogens oder Stränge, die in einem ungeplanten Zusammenspiel zu einem Gesamtwerk finden. „Es ist eine besondere Ausstellung“, sagte Isa Sammet, die Chefärztin der Psychosomatik im Göppinger Christophsbad, während der Vernissage am vergangenen Dienstag. Die Schau mit dem Titel „Persönliche Metamorphosen“ zeigt in der Galerie beim Café am Park Bilder, die eigentlich Diagnosehilfen sind.

„Es sind Abbildungen von Verwandlungen, die Patienten durchmachen, wenn sie sich in den therapeutischen Prozess begeben“, erklärte Sammet während ihrer Begrüßung. Die Verläufe könnten nie vorhergesagt werden. Es seien ganz individuelle Wege, die die Patienten während ihrer Therapie gingen, hob sie hervor. „Unser Leben ist ein Anpassungsprozess“, erklärte Sammet. Menschen hätten unterschiedliche Voraussetzungen, ihre jeweiligen Lebenskrisen, etwa Verlust oder den Alterungsprozess, zu bewältigen. „Die Patienten gehen individuelle Wege, das passt gut zu der Ausstellung“, fügte sie hinzu.

Schiepek: Die Bilder sind ein Nebenprodukt. Man kann aus Daten Kunst machen

Die Schau ist eine Gemeinschaftsarbeit von Günter Schiepek und Helmut Schöller, beide vom Institut für Synergetik und Psychotherapieforschung an der Paracelsus Medical University in Salzburg, sowie der Kunsttherapeutin Nina de Lenardis. „Die Bilder sind ein Nebenprodukt. Man kann aus Daten Kunst machen“, stellte Schiepek während der Vernissage klar. „Es ist sehr naturwissenschaftlich und gleichzeitig sehr menschlich“, fasst er die Art der Werke zusammen. Im Grunde seien die Exponate Darstellungen menschlicher Entwicklungsprozessen.

In der Psychotherapie wird versucht, anhand standardisierter Verfahren Diagnoseverläufe festzuhalten. Dadurch können Erkenntnisse darüber gewonnen werden, wie eine Therapie wirkt. Ein Weg dahin ist die Selbstauskunft der Patienten. Diese liegt einigen der gezeigten Bilder zugrunde. Über viele Tage hinweg beantworteten Patienten dabei immer dieselben Fragen. Zur Auswertung wurden die Antworten im grafischen Zeitstrahl mit Farben versehen. So werden Veränderungen eindrucksvoller und klarer dargestellt als etwa anhand einer Tabelle. Der Therapieverlauf eines depressiven Patienten zeigt beispielsweise, wie sich das links noch grüne, gelbe und blaue Bild im Verlauf teilweise sprunghaft nach rechts zu Rot und Orange verändert. „Das ist faszinierend“, findet Schiepek.

Die Ausstellung „Persönliche Metamorphosen“ geht bis zum 26. September

Ein weiteres Beispiel der im Christophsbad gezeigten Werke sind Gehirnströme, die gemessen wurden. Sie werden bunt und ohne das Gewebe, das die Ströme umgibt, gezeigt. Zu sehen sind wirre Linien, die sich doch zu einem großen Ganzen fügen. „Die Natur produziert ganz oft ganz wunderbare Strukturen“, sagt Günter Schiepek.

Während die genauen Hintergründe vieler Bilder für die meisten Betrachter ein Geheimnis bleiben, sind andere Exponate auch für Laien rasch verständlich. So zeigen einige Bilder Kurven, wie sie viele Menschen von Aktienverläufen kennen. Im diesem Fall handelt es sich aber um Veränderungen während einer Therapie. „Der Verlauf ist nie vorhersehbar“, erklärt Schiepek. Die Kurven seien alle unterschiedlich, zeigten aber trotzdem, wohin die Entwicklung der Patienten gehe.