Sie hoffen auf den großen Preis: Das Stuttgarter Kunstmuseum stellt die Künstlerinnen und Künstler aus, die für den Sparda-Kunstpreis nominiert sind. Am 24. Juli fällt die Entscheidung.

Kultur: Adrienne Braun (adr)

Stuttgart - Man kann klatschen, stampfen oder schnalzen. Manchmal empfiehlt es sich auch, mit den Armen zu wedeln oder laut zu sprechen. Dann beginnt es zu klappern und klopfen, zu rasseln und rauschen. Hier wird eine Saite gezupft, dort haut ein Schlegel aufs Blech – und plötzlich schweben Töne und Klänge durch die Räume, pulsieren fröhliche Rhythmen und entwickeln sich zarte Melodien. Das Museum als großer Konzertsaal.

Materialisierte Partituren nennt der Künstler Peter Vogel seine Arbeit, die das Kunstmuseum Stuttgart nun vorstellt und die ihre Wirkung erst entfalten, wenn die Besucher aktiv werden und zum Beispiel vor Vogels Installation „Schwerelos“ kräftig in die Hände klatschen. Plötzlich flattern die Metallobjekte mit ihren Flügeln, und es rauscht sinnlich. Stampft man dagegen nur faul auf Boden, wackeln die Flügel nur müde, bevor sie auch schon wieder stumm erstarren.

In den kommenden Wochen könnte es laut werden im Kunstmuseum Stuttgart, das die Künstler vorstellt, die für den Sparda-Kunstpreis nominiert sind: Neben Peter Vogel sind das Nevin Aladag sowie Cristina Gomez Barrio und Wolfgang Mayer, die unter dem Namen Discoteca Flaming Star firmieren. Der Preis wurde 2013 vom Kunstmuseum und der Sparda-Bank Baden-Württemberg ins Leben gerufen, ist mit 20 000 Euro dotiert und richtet sich an Künstler, die Stuttgart verbunden sind. Am 24. Juli wird er bekannt gegeben.

Publikum vergibt Preis über 5000 Euro

Neu ist, dass auch das Publikum diesmal einen Preis über 5000 Euro vergeben kann – und Peter Vogel könnte dabei gute Chancen haben. Der 1937 geborene Senior der Ausstellung lebt in Freiburg und hat zunächst Physik studiert und als Ingenieur gearbeitet. Die Liebe zu Technik, Präzision und Konstruktion sieht man seinen Arbeiten an: Er baut Skulpturen aus Metallstücken und elektrischen Bauteilen. Seine große Installation „Schattenorchester III“ aus dem Jahr 1998 besteht aus allerhand selbst konstruierten Instrumenten, Blechen mit Besenschlegel und Tamburins mit Klöppel, die die Besucher über ein Steuerpult zu eigenen Kompositionen in Bewegung setzen können. Hier werden über den Schatten der Hand Technosounds generiert, dort kleine Melodien. Eine höchst vergnügliche Einführung in die Physik ist auch Vogels Arbeit „Kugelpercussion“, bei der ein Tischtennisball auf der Membran eines Lautsprechers tanzt und mal höher, mal weniger hoch hüpft – aber nie gleichmäßig springt, wie ein von Vogel sorgfältig gezeichnetes Sonogramm verdeutlicht.

Das Kunstmuseum feiert in diesem Jahr seinen zehnten Geburtstag und hat sich für das Jubiläumsjahr das Thema Kunst und Musik vorgenommen – und entsprechend auch Künstler nominiert, die sich mit Musik beschäftigen. Nevin Aladag arbeitet ebenfalls mit Instrumenten und Klängen, besser gesagt: sie lässt Steine auf Trommeln prasseln und den Wind Triangeln zum Klingen bringen. Eine auf ein Karussell montierte Geige fährt an einem Bogen vorbei, während die Luft eines Ballons durch eine Mundharmonika entweicht.

Afrikanische Instrumente durch die Wüste gerollt

Für die Ausstellung im Kunstmuseum hat Nevin Aladag eine Videoarbeit in Stuttgart erstellt und dazu ein Akkordeon an eine Straßenlaterne gehängt oder auch einem Schaukelpferd einen Schellenkranz über die Ohren gezogen, die nun wippend munter klingeln. Aladag ist 1972 in der Türkei geboren und in Stuttgart aufgewachsen und interessiert sich für den Zusammenhang zwischen Kultur und Musik. So ist sie auch ins Emirat Sharjah gereist und hat dort indische und afrikanische Schlagin­strumente durch die Wüste gerollt oder von Wellen bespielen lassen. Auf drei Leinwänden sieht man nun die Videos dieser beiläufig erzeugten Klänge, diesen Streifzug durch fremde Städte und Landschaften, unterlegt mit einem subtilen Klangteppich.

Deutlich sperriger und kryptischer ist dagegen der Beitrag von Discoteca Flaming Star. Cristina Gomez Barrio und Wolfgang Mayer leben in Stuttgart und Madrid und teilen sich seit 2011 die Professur für Intermediales Gestalten an der Stuttgarter Kunstakademie. Im Kunstmuseum haben sie die Wände verhängt mit riesigen Stoffbahnen, auf die sie farbige Kreise und Punkte gemalt haben – und auf die bunten Stäbe des ewig pilgernden Künstlers André Cadere anspielen wollen. Sie zeigen Fotografien von einem ehemaligen Militärgelände in der Nähe von Madrid. Und auch wenn sie sich mal auf Pier Paolo Pasolini beziehen mögen und mal Filmausschnitte von Jules Dassin zeigen (mit griechischen Untertiteln), hätte man sich etwas mehr eigene und griffigere Gedanken gewünscht.

Informationen
Die Ausstellung ist bis 13. September zu sehen. Geöffnet dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr, freitags 10 bis 21 Uhr. Der Preis wird am 24. Juli bekannt gegeben.

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