Ausstellung im Schauwerk Sindelfingen Von Coca-Cola bis Hollywood

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Im Schauwerk Sindelfingen ist die Ausstellung „I love America“ zu sehen. Es ist die erste Schau nach dem Tod des Museumsstifters, des Unternehmers Peter Schaufler.

Jonathan Seliger: „George“, 2000 Foto: Jonathan Seliger/Katalog
Jonathan Seliger: „George“, 2000 Foto: Jonathan Seliger/Katalog

Sindelfingen - Er hätte gestaunt, so, wie er es jedes Mal tat, wenn er eine neue Ausstellung in seinem Museum besuchte. Peter Schaufler kannte die Werke seiner Kunstsammlung natürlich bestens. Aber er ließ sich immer wieder gern überraschen, in welche Kontexte die Museumsdirektorin Barbara Bergmann seine Arbeiten stellte. „Wenn er jetzt Robert Longo und John Angus Chamberlain zusammen gesehen hätte, hätte es ihn sicher gefreut“, meint Bergmann. Jetzt musste die neue Ausstellung im Schauwerk Sindelfingen ohne Peter Schaufler eröffnet werden: Der Unternehmer, Sammler und leidenschaftliche Kunstliebhaber ist im August mit 74 Jahren gestorben.

„I like America“ nennt sich die Ausstellung, wobei der Titel durchaus ironisch gemeint ist. Denn Peter Schaufler und seine Frau Christiane Schaufler-Münch haben zwar einen großen Bestand an US-amerikanischer Kunst, besondere Liebhaber Amerikas waren sie aber nie – sowenig wie Joseph Beuys, der der Ausstellung den Titel gab. Neben den rund einhundert Bildern, Installationen und Objekten amerikanischer Provenienz wurde eine Leihgabe des deutschen Künstlers ergänzt: Das Video zeigt, wie Beuys 1974 nach Amerika reist, sich in Filz gewickelt in einer Galerie einschließt und mehrere Tage mit einem Kojoten verbringt. Damit wollte er dokumentieren, dass er von Amerika nicht mehr sehen mochte als das Tier.

Die neue Ausstellung führt eindrucksvoll vor, dass die Schauflers nach der Eröffnung des großzügigen Schauwerks immer häufiger zu sehr großen Formaten griffen, die nun imposant in den riesigen, offenen Ausstellungsräumen verteilt sind – wie die komplexe Wandinstallation „Measurement of the Whale’s Skeleton“ (1988) von Frank Stella, ein komplexes, abstraktes Wandobjekt, das jede Bildtradition sprengt mit seinen unterschiedlich bemalten Elementen, die so verwirrend arrangiert sind, dass sich das Auge nicht festhaken und die verschiedenen Ebenen und Dimensionen kaum überblicken kann.

Auch die berühmte Burger-Kette ist vertreten

Auch diesmal präsentiert sich die Sammlung Schaufler wieder als eine hervorragende Kollektion. Es finden sich bekannte, museale Positionen – wie das Wandobjekt aus verschiedenfarbigen Aluminiumkästen von Donald Judd, die an ein Regal erinnern. Aber es werden auch interessante, weniger bekannte Künstler gezeigt wie Fabián Marcaccio, der verschiedene Techniken auf der Leinwand kombiniert und ein gedrucktes Stoffgewebe mit Ölfarbe und Silikon weiter malt zu einem unterhaltsamen Trompe-l’œil.

Über Amerika an sich sagt das freilich wenig aus, auch ist es ein eher loser Streifzug durch die Kunst von den sechziger Jahren bis in die Gegenwart. Immer wieder tauchen aber die vertrauten amerikanischen Symbole und Mythen auf wie Coca-Cola oder die US-Flagge. Tom Sachs, der gleich mehrfach in der Schau vertreten ist, hat die „Golden Arches“, den Schriftzug von McDonald’s mit deutlicher Handschrift gemalt, Robert Longo hat dagegen mit Grafit und Kohle auf vier riesigen Hochformaten den legendären, millionenfach fotografierten Hollywood-Schriftzug gezeichnet – ebenfalls von Hand. Vincent Szarek dagegen hat einen „Hitching Post“ aufgebaut. Doch der Holzbalken, an dem die Cowboys vor dem Saloon ihre Pferde einst angebunden haben, ist bei Szarek aus Fiberglas gefertigt und mit edel glänzendem Autolack überzogen.

Der Sammler hat seine Stiftung gut gesichert

Einige Arbeiten haben die Schauflers noch eigens für die Amerika-Ausstellung erworben, wie die amerikanische Flagge, die Tom Sachs mit weißer Synthetikfarbe auf Sperrholz gemalt hat, als sei die Farbe abgeblättert und von der stolzen Nation nur ein blasser Rest übrig geblieben. Peter Schaufler hat die Hängung der Werke sogar noch im Modell gesehen. Barbara Bergmann ist sicher, dass ihm die Ausstellung gefallen hätte, er sei ohnehin niemand gewesen, der bei einer Präsentation gesagt hätte, dass das so nicht geht. „Das hätte er nie gemacht“, so Bergmann.

Die Schauflers haben schon vor mehreren Jahren dafür gesorgt, dass ihre Sammlung auch langfristig gepflegt und gezeigt werden kann und 2005 hierfür eine Stiftung gegründet. Deshalb wird der Ausstellungsbetrieb im Schauwerk Sindelfingen auch nach Peter Schauflers Tod wie bisher weiterlaufen, Barbara Bergmann ist auch überzeugt, dass Christiane Schaufler-Münch die Sammeltätigkeit wie bisher fortsetzen wird. „Sie haben im Lauf der Jahre einen gemeinsamen Geschmack und Kenntnisse entwickelt“, sagt Bergmann. Deshalb seien sie sich bei Ankäufen auch immer einig gewesen. Das Profil der Sammlung Schaufler wird wohl auch in der Zukunft erhalten bleiben.




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