Ausstellung im Sindelfinger s’Café Sportliche Kunst von Rainer Simon erleben
Der Dagersheimer Künstler Rainer Simon präsentiert eine Auswahl seiner Arbeiten in der Sindelfinger Kultkneipe. Die Motive sind vom Sport inspiriert.
Der Dagersheimer Künstler Rainer Simon präsentiert eine Auswahl seiner Arbeiten in der Sindelfinger Kultkneipe. Die Motive sind vom Sport inspiriert.
Rainer Simon hat ein feines Auge für Bewegung und den Zauber des Augenblicks. Seine Bilder sind fein beobachtete Momentaufnahmen – stets ausdrucksstark, mal mit augenzwinkerndem Humor, mal nachdenklich, oft auch kraftvoll und dynamisch. Das gilt vor allem, wenn es um Sport geht. Zu diesem Thema hat der Dagersheimer Künstler eine Vielzahl an Arbeiten geschaffen. Eine Auswahl davon präsentiert er in der Sindelfinger Kultkneipe s’Café in der Turmgasse 7.
Der 79-jährige Rainer Simon war in seinem Berufsleben als selbstständiger Grafik-Designer, Illustrator, Cartoonist, Karikaturist und Kunstmaler tätig. Seine Cartoons erschienen unter anderem im „Handelsblatt“, der „Stuttgarter Zeitung“, den „Stuttgarter Nachrichten“, dem „Playboy“ oder dem Schweizer Satiremagazin „Nebelspalter“. Als Buchgestalter und Illustrator hat er mit namhaften Autoren wie Michael Ende, Gerhard Konzelmann oder Peter Berling zusammen gearbeitet. Auch für Industrie- und Medienunternehmen war er tätig, hat Messestände gestaltet oder Plakate entworfen.
Simon ist ein unendlich kreatives, dabei aber angenehm geerdetes schwäbisches Multitalent. Er selbst bleibt gern im Hintergrund, schaut bei Konzerten im Blauen Haus, beim Kabarett im Alten Amtsgericht oder anderen Kulturveranstaltung ganz genau hin. Die von ihm beobachteten Szenen zeichnet er das in sein Skizzenbuch, das er fast immer bei sich hat.
Ein solches Bild einer präzise beobachteten Momentaufnahme findet sich auch in der aktuellen Ausstellung. Es zeigt ein Pärchen in einem Café oder in einer Bar. Er liest in einer Zeitung, vor sich ein volles Bierglas. Die Frau schaut zu ihm herüber. Will sie mitlesen oder lieber seine Aufmerksamkeit erregen? Eine Kaffeetasse im Vordergrund vermittelt den Eindruck, als würde der Maler sich als heimlicher Beobachter dahinter verstecken.
Das Bild fällt bei der 14-teiligen Auswahl an Arbeiten im s’Café eher aus dem Rahmen, denn ansonsten gibt es hier vor allem eine gemalte und gezeichnete Sportschau zu sehen: bewegungsdynamische Szenen von Radrennen und Fechtkämpfen, das Muskelspiel von Leichtathleten, die Eleganz eines Hochspringers. Dazwischen blitzt immer wieder Simons bissiger Humor auf – etwa bei der Karikatur eines Radrennfahrers, dem anstelle eines Sattels eine Dopingspritze in den Hintern ragt. Bei einem anderen Motiv klemmt ein Schiedsrichterkopf samt Pfeife im Mund unter dem Arm, während anstelle eines Kopfs ein Fußball auf dem Hals sitzt – quasi ein menschgewordener Kopfball.
Für Rainer Simon bietet die Ausstellung in seinem Sindelfinger Lieblingslokal die Möglichkeit, wieder einmal einige seine Bilder zu präsentieren, nachdem er zuletzt mit seinem Fundus ein ungewolltes Nomadendasein führen musste. Bis Ende letzten Jahres hatte er seine Sammlung in den Räumen der Böblinger Baugesellschaft auf dem Galgenberg untergebracht, seitdem sind seine Arbeiten in einer Halle in Sindelfingen eingelagert. „Was mir fehlt, ist ein Atelier, wo ich meine Bilder ständig präsentieren kann“, sagt der Künstler.
Bis es vielleicht eines Tages so weit ist, gibt es zumindest bis Ende Juni die Möglichkeit, eine Auswahl von Rainer Simons Kunst im s’Café zu betrachten. Wer ihn gerne persönlich treffen möchte, hat dazu jeweils samstags von 15 bis 18 Uhr sowie zusätzlich am Straßenfestsonntag im selben Zeitraum die Gelegenheit.