Norbert und Wolfgang Becke stellen im Theaterhaus am Pragsattel ihre Arbeiten aus. Zu sehen sind Fotografien und Druckgrafiken.

Feuerbach - So wie es aussieht, reisen wir auch dieses Jahr wieder nur mit dem Herzen. Da ist es gut, dass die aktuelle Ausstellung im Stuttgarter Theaterhaus die Besucherinnen und Besucher in zwei sehr unterschiedliche Welten mit nimmt: Norbert Becke begibt sich auf die Spuren von Giraffe, Pelikan, Silberrücken & Co. auf eine fast unglaubliche Fotosafari. Sein Bruder Wolfgang Becke beschreitet dagegen den Weg nach innen, präsentiert Druckgrafik, die nicht nur technisch ihresgleichen sucht.

Zwei Brüder, zwei komplett unterschiedliche künstlerische Welten – aber über beiden Ausstellungsbereichen schwebt die Frage: Wie machen die das nur? Schon die Druckgrafiken von Wolfgang Becke tänzeln leicht zwischen gedämpft und farbstark, sind malerisch und grafisch zugleich. Er ist der Ältere der beiden und bringt in seinen Blättern das Kunststück fertig, Hoch- und Tiefdruck in einem Druckstock miteinander zu verbinden. Und dazu noch mit einem einzigen Farbauftrag eine kleine Auflage von fünf bis 20 Blättern zu drucken – traditionellen Druckern wird an dieser Stelle der Angstschweiß auf die Stirn treten. „Die Technik ist eigentlich aus einem Zufall heraus entstanden“, so der Künstler. Und dann ist da in Druckgrafiken noch etwas anderes, ein Spiel mit der Wahrnehmung, das sich vielleicht am besten an dem humorvollen Blatt „Verdruss als Chance“ erklären lässt: In ihm sucht ein unscheinbarer Vogel Schutz unter einem Schirm. Der Regen um ihn herum leuchtet allerdings in unzähligen Farbtönen. Zufall, Geduld, Können und das berühmte Quäntchen Glück spielen aber auch auch bei seinem Bruder, dem Fotografen Norbert Becke, eine wichtige Rolle.

Nach der Werkschau „Face to Face“ ist er nun bereits zum zweiten Mal im Theaterhaus zu Gast: Damals hatte er Menschen fotografiert, jetzt zeigt er Tierporträts. Schwer zu sagen, welche von beiden intensiver sind – aber wenn Löwe, Gorilla und Leopard einem mit ungeahnter Intensität in die Augen blicken, dann geht das unter die Haut. Norbert Becke erzählt von seiner engen Verbindung zu Afrika, wo er auch Fotosafaris organisiert. 20 bis 30 Mal sei er schon dort gewesen. Die nun gezeigten Aufnahmen seien das Beste aus vielen tausend Aufnahmen, die bei den unterschiedlichen Streifzügen durch die Nationalparks entstanden sind. „Die schiere Menge macht es. Und manchmal entdecke ich die besonderen Details erst später, wenn ich wieder zuhause bin.“ Wie in „Angriff“, in dem eine vorwitzige Biene einen Schrei-Seeadler angeht und dessen Gesichtsausdruck Bände spricht. Andere Aufnahmen erzählen von der Fragilität der Natur: Die fast menschlichen Hände eines Silberrückens oder der verletzliche Blick eines kleinen Hutäffchens.

Es geht nicht nur ums Sehen, sondern ums Wahrnehmen

Beim Rundgang geht es einem hier wie zuvor im Ausstellungsbereich seines Bruders: Fotos wie Drucke verführen dazu, die Dinge wahrzunehmen und nicht nur zu sehen. Da erstaunt es ein wenig, wenn Wolfgang Becke sagt: „Es ist ein Novum, eine absolute Premiere, dass wir beide zusammen ausstellen – wir haben immer angenommen, unsere Arbeiten seien zu unterschiedlich.“ Aber der Kontrast verstärkt die Wirkung und macht Lust auf mehr.

Info: Die Ausstellung ist bis 16. Februar im Theaterhaus auf dem Pragsattel, Siemensstraße 11, zu sehen. Geöffnet ist montags bis freitags von 10 bis 21 Uhr, an den Wochenenden von 13 bis 21 Uhr. Es gilt die 2G-Plus-Regel. Weitere Informationen gibt es auch unter: www.theaterhaus.com und auch über die Künstler unter: www.norbertbecke.com und www.wolfbecke-druckgrafik.com.