Ausstellung in der Villa Merkel in Esslingen Gute Plätze für gute Gemeinschaften

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In der Ausstellung „Good Space – Communities, oder das Versprechen von Glück“ zeigt die Villa Merkel künstlerische Positionen zum Thema Zusammenleben. Ein Besuch lohnt sich, auch weil die Eisenbahnwerkstätten dafür geöffnet werden.

Die 430-Kilogramm schwere Skulptur neben Galerieleiter Andreas Baur im Merkelpark ist eine der  künstlerischen Auseinandersetzungen in  „Good Space“. Foto: Ines Rudel 9 Bilder
Die 430-Kilogramm schwere Skulptur neben Galerieleiter Andreas Baur im Merkelpark ist eine der künstlerischen Auseinandersetzungen in „Good Space“. Foto: Ines Rudel

Esslingen - Die Villa Merkel in Esslingen zeigt einmal mehr, dass sie die Stadt und das hiesige Kunstangebot mit viel Esprit, Dynamik und Weltoffenheit erheblich bereichert. Für die Ausstellung „Good Space – Communities, oder das Versprechen von Glück“ hat der Galerieleiter Andreas Baur zusammen mit den Kuratoren Julia Herrmann, Johannes Kaufmann und Anka Wenzel Skulpturen, Videos, Architekturmodelle, Wandgemälde, Installationen und Fotos von insgesamt 17 internationalen Künstlern zusammengestellt.

Gezeigt werden die Arbeiten zum Thema „Gemeinschaft“ in der Galerie der Stadt Esslingen, im Merkelpark und in den ehemaligen Eisenbahnwerkstätten in der Rennstraße. In den historischen Hallen mit angesagtem Industrie-Charme haben die zeitgenössischen künstlerischen Positionen zu aktuellen Themen wie Migration, Digitalisierung, Wohnungsnot und Klimaveränderung viel Raum. „Die ehemaligen Eisenbahnwerkstätten waren lange nicht zugänglich. Dass sie nun für die Kunst und die Öffentlichkeit geöffnet werden ist großartig“, so Baur.

Zeitgenössische Kunst zu Migration, Digitalisierung und Klimawandel

Die Schau, die insgesamt mit einer Summe von rund 150 000 Euro von einer Vielzahl von Förderern unterstützt wird, ist voller aktueller Bezüge aus dem Alltag und der Politik.

So zeigt die Künstlerin Fatma Bucak Arbeiten zum Thema Migration: Aus Teilen von Kleidungsstücken, die in einem Grenzzaun zwischen den USA und Mexiko hängen geblieben sind, hat sie eine Stoffskulptur geschaffen. Flankiert wird die Arbeit von einem Video mit einem texanischen Grenzbeamten. Zwei Räume nebenan zeigt der Künstler Mikhail Karikis Arbeiten mit englischen Jugendlichen, die mit bunten Masken in geometrischen Formen illegale Raves in Wäldern veranstalten und sich so Räume erobern. In einem Video porträtiert er rappende Kinder, die von einer perspektivlosen Zukunft in ehemaligen Industriezonen Englands und von Kindheiten vor Spielekonsolen erzählen. In der oberen Etage der Villa Merkel präsentiert etwa die aus Südtirol stammende und in Stuttgart lebende Künstlerin Gabriela Oberkofler wie man von Pflanzen Gemeinschaft lernen kann. Auf großformatigen Bildern schildert sie in feinster kleinteiliger Darstellung, wie verschiedene Pflanzen zusammenleben und sich gegenseitig bereichern können. Der Bezug zum Zusammenleben verschiedener Menschen ist ihrer Arbeit immanent. „Genau darum geht es, sich an der Natur ein Vorbild nehmen, sich anpassen und neu ausloten, davon können wir Menschen lernen“, so die Künstlerin.

Gemeinschaftsgarten und seltene Einblicke

Die Idee bleibt nicht auf der Leinwand, sondern wandert nach draußen. „Wir werden häufiger mit dem Vorwurf konfrontiert, elitär und abgehoben zu sein. Dem wollen wir mit dieser Ausstellung etwas entgegensetzen“, so Baur. Vor dem Bahnwärterhäuschen hat Oberkofler einen Gemeinschaftsgarten angelegt. „Man kann etwa eine Pflanze bringen und jemand anderes kümmert sich darum. Wir sind gespannt, wie dieses Projekt hier angenommen wird“, so die 43-Jährige. Ein begehbares Haus in Form eines Eis in Iglu-Optik empfängt die Besucher am Teich vor dem Landratsamt. Hier präsentiert der Künstler Rob Voerman unter anderem eine Währung, die auf einem ökologischen Wert beruht. Auf dem Weg zu den Eisenbahnwerkstätten kann man darüber nachdenken, bevor man dort etwa in die Kunst von Tabita Rezaire aus Französisch-Guayana eintaucht. Sie beschäftig sich in bunten Installationen mit der westlichen Prägung des Internets und untersucht Machtstrukturen.

Durch die verschiedenen Orte der Schau wird die Vielfältigkeit der Ausstellung noch deutlicher, die intensive Auseinandersetzung mit den Kunstwerken und ihrer Umgebung möglich.

Good Space
Die Schau wird am 2. Juni um 11 Uhr in der Villa Merkel in den Pulverwiesen in Esslingen eröffnet. www.villa-merkel.de