Marco Blazevic stammt aus Oeffingen und arbeitet als Modedesigner in den Niederlanden. Im Fellbacher Stadtmuseum ist nun ein von ihm kreierter Boxmantel ausgestellt.

Für den aus Oeffingen stammenden Modedesigner Marco Blazevic ist Charlie Graf der Prototyp des „Humble Hustler“, also eines sich nicht immer auf der richtigen Seite des Gesetzes durchs Leben schlagenden, letztlich aber geläuterten Menschen. Als Mischlingskind im Nachkriegsdeutschland wuchs Graf in den Mannheimer Benz-Baracken auf, avancierte als Boxer zum „Ali vom Waldhof“ und schaffte es als Erster, aus dem Gefängnis heraus deutscher Schwergewichtsmeister zu werden. Dieser Werdegang hat Marco Blazevic bei der Arbeit an seiner Abschlussarbeit für die ArtEZ University of Art and Design in Arnheim inspiriert. An der größten niederländischen Ausbildungsstätte für Modedesigner, aber auch für Künstler aus anderen Fachrichtungen hat er 2021 seinen Abschluss gemacht. Inzwischen ist der 24-Jährige längst in der Modewelt angekommen, hat sich über seine Wahlheimat hinaus einen Namen gemacht und entwickelte sein eigenes Label: The Humble Hustle.

Der Boxmantel steht prominent auf einem Podest

Für die derzeit im Fellbacher Stadtmuseum laufende Ausstellung „Neu eingefädelt“ hat er deswegen einen für Charlie Graf kreierten Boxmantel zur Verfügung gestellt, der prominent auf einem kleinen Podest direkt gegenüber dem Eingang steht. Der weiße, aus einem recycelten Hochzeitskleid hergestellte, durch gebrauchte Glasfaserkabel verstärkte und mit 1200 echten Kristallen bestickte Mantel repräsentiert die sich durch Marco Blazevics Kreationen ziehende Grundidee: „Ich versuche Dinge, die nicht aus der Mode kommen, in die Mode zu bringen.“ Das kann auch mal Müll von der Straße sein. Aber auch gebrauchte Kleidung verändert er. Zum Pressetermin erscheint Blazevic in einem Jackett seines Großvaters, das er in einem Lilaton gebatikt und danach an einigen Stellen per Laser farblich erneut verändert hat. Tragespuren gebrauchter Kleidung faszinieren ihn ebenso wie die Geschichte, die ein fleckiges Kleidungsstück erzählen kann. Nicht ohne Grund absolviert Marco Blazevic derzeit berufsbegleitend ein Masterstudium im Fach Soziales Design.

Schon mit sieben Jahren entdeckte der Sohn von Alan Blazevic sein Faible für die Modewelt. In der Schuhmacherei des Vaters lagen Modezeitschriften aus. Am Schmidener Gustav-Stresemann-Gymnasium belegte er konsequenterweise den Leistungskurs im Fach Kunst. Bei einem Urlaub in London mit den Eltern zog es ihn dann zum Somerset House, wo gerade die Fashion Week stattfand. Ohne Eintrittskarte war ein Besuch im Inneren unmöglich, aber vor dem 1796 fertiggestellten klassizistischen Prachtbau erfüllte sich das Klischee vom auf der Straße entdeckten Model. Der Produzent Marq Miller ermöglichte dem damals 15-Jährigen eine Karriere als Fotomodell. Parallel zur mitunter nur noch sporadisch besuchten Schule hatte Marco Blazevic Auftritte in Städten wie London, Paris, Mailand oder Amsterdam. Zugleich lernte er aber auch die Schattenseiten der schönen Modewelt kennen. Machtmissbrauch und Ausbeutung waren in einer Branche, in der sich schon mal tausend Bewerber um einen Auftrag drängeln, nicht selten.

Die Jahre als Model waren nicht glamourös

„Es war keine glamouröse Zeit“, sagt Marco Blazevic rückblickend über die rund fünf Jahre als Model. Sie bot ihm allerdings auch die Möglichkeit, unzählige Kontakte zu knüpfen, und im Gegensatz zu seinen Mitstudenten bekam er eine intensive Innenansicht in die Welt der Mode. Gleich in mehrfacher Hinsicht profitierte er von der Schuhmacherei seines Vaters, mit der er aufwuchs und in der er vor dem Studium auch ein Jahr in Vollzeit mitgearbeitet hat. „Ich glaube, dass meine ganze Kreativität von diesem Ort kommt“, sagt Marco Blazevic, der damals für die Reparatur von Taschen zuständig war, aber auch viel über Schuhe lernte. Für einige seiner Kommilitonen war das eine willkommene Hilfe, denn die kreierten für ihren Studienabschluss Schuhe und waren für die Tipps des Fachmanns dankbar.

Abgesehen von der auffallenden Bekleidung erfüllt der gebürtige Cannstatter kaum ein Klischee der Modewelt. Früher – angeregt durch den sportlichen und im Sport auch ehrenamtlich engagierten Vater – trainierte er Kickboxen und Straßenkampf. In Fellbach lernte er zudem bei Salvatore Mornhinweg Kung-Fu. „In Holland war ich der Männlichste in der Klasse“, sagt er lachend. Inzwischen übernimmt er auch Managementfunktionen in der Firma The Patchwork Family. Dort arbeitet er zusammen mit knapp einem Dutzend kreativer Menschen, auch mit seiner Freundin Meike van Leyveld. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt Marco Blazevic.

Den im Fellbacher Stadtmuseum ausgestellten Mantel hat Charlie Graf übrigens nie getragen. „Er weiß davon gar nichts“, erzählt Marco Blazevic. Noch nicht. Vielleicht schaut er ja demnächst im Fellbacher Stadtmuseum vorbei.

Ausstellung in Fellbach

Neu eingefädelt
Um Handarbeit zwischen Tradition und Slow Fashion geht es in der aktuellen Ausstellung „Neu eingefädelt“, die am Freitagabend im Stadtmuseum Fellbach eröffnet worden ist. Dort ist auch der von dem Oeffinger Modedesigner Marco Blazevic entworfene Boxmantel zu sehen.

Gut aufbereitet
Die Exponate, bei denen die jungen Designerinnen und Designer oft textile Fundstücke verarbeitet haben, sind in dem Fachwerkgebäude an der Hinteren Straße 26 bis Ende April 2023 zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag, 14 bis 18 Uhr, Sonntag, 11 bis 18 Uhr.