Ausstellung in Filderstadt Warum war der Bus auf den Fildern so beliebt, bevor das Auto kam?

Dietmar Stauch hat zahlreiche Exponate für die Ausstellung des Filderstadtmuseums zur Verfügung gestellt. Foto: Torsten Schöll

Vor 100 Jahren war in Filderstadt der Motor der Mobilität noch nicht das Automobil. Eine Ausstellung zeigt jetzt: Ohne Omnibus ging auf den Dörfern nichts.

Kaum zu glauben: Noch im Jahr 1921 besaßen in den fünf Dörfern, die heute Filderstadt bilden, gerade einmal zwei Personen ein Kraftfahrzeug, beides Händler mit Lastwagen. Zeigte sich einmal ein Automobil auf den Straßen, war das zu dieser Zeit noch immer für die einen Anlass zum Staunen, für die anderen ein handfestes Ärgernis: Hochnäsige Städter auf motorisierter Vergnügungstour, die den Straßenstaub aufwirbelten, waren auf den Fildern nicht bei allen gerne gesehen.

 

Nichtsdestotrotz profitierte auch die dörfliche Welt von der neuen Mobilität, wenngleich in Filderstadt erst einmal nicht in Form eines eigenen Autos: Vor genau 100 Jahren erhielten hier gleich vier private Omnibus-Betreiber ihre ersten Konzessionen, um sogenannte „Kraftfahrlinien“ einzuführen: Die Busse dienten vor allem dazu, Arbeiter nach Stuttgart zu transportieren.

Ausstellung in Filderstadt: Briem, Raichle, Stauch fuhren Bus

Die Namen sind zum Teil noch heute bekannt: Das Unternehmen Alfred Briem bediente von 1926 an die Strecke ab Harthausen, Johannes Raichle fuhr von Plattenhardt, die Gebrüder Stauch ab Bonlanden nach Stuttgart. 1927 folgte Gottlob Friedrich Schäfer, der mit seinem Bus von Wolfschlugen über Sielmingen verkehrte.

Das Filderstadtmuseum in Bonlanden nimmt das Jubiläum „100 Jahre Omnibusverkehr“ zum Anlass, ab 22. Mai unter dem Titel „Heilig’s Blechle“ eine spannende Ausstellung zur Mobilitätsgeschichte Filderstadts zu zeigen. Deutlich wird dabei: Ohne öffentliche Verkehrsmittel war die Großstadt nach wie vor weit entfernt: „Dass Arbeiter über die Woche hinweg in Stuttgart bleiben mussten, änderte sich zum ersten Mal mit der Einrichtung der Filderbahn 1897“, erklärt Museumsleiterin Romy Heyner.

Doch von der Bahn, die nur in Bernhausen und Sielmingen hielt, konnten nicht alle profitieren. Für viele war der Weg zu den Bahnhöfen weit. „Wer in Bonlanden oder Harthausen lebte, musste oft mehr als eine bis eineinhalb Stunden gehen, um den Zug zu erreichen“, so Heyner. Zu viel, um jeden Tag nach Stuttgart zu pendeln.

In diese Lücke stießen nach dem Ersten Weltkrieg rasch die genannten privatwirtschaftlich betriebenen „Arbeiterbuslinien“. In Bernhausen sind diese Anfänge untrennbar mit dem Namen Briem verbunden. Hermann Christoph Briem (1870–1930) hatte hier 1895 eine der ersten Sauerkrautfabriken auf den Fildern gegründet. In den 1920-Jahren war dann der Schritt vom Sauerkrauttransport auf Lastwagen zur Personenbeförderung nicht allzu groß. Insofern verwundert es nicht, dass die ersten „Busse“ bei Briem nichts anderes als LKW mit auf der Pritsche montierten Sitzbänken waren. Nicht nur Briem entwickelte sich in der Folge zu einem veritablen Reisebus-Unternehmen.

Ausstellung in Filderstadt: Exponate aus der Familiensammlung

In Bonlanden gingen die Gebrüder Stauch denselben Weg. „Karl Stauch war 1911 vermutlich einer der ersten Filderstädter mit einem Führerschein“, so Heyner, weshalb er bald als sogenannter Herrschaftschauffeur arbeiten konnte. Enkel Dietmar Stauch hat dem Filderstadtmuseum für die Ausstellung zahlreiche Exponate aus der Familiensammlung zur Verfügung gestellt. Auch die Firma Stauch, die ab 1926 den Busverkehr zwischen Bonlanden und Stuttgart betrieb, entwickelte sich im Lauf der Jahrzehnte zu einem florierenden Busunternehmen mit Reisebüro, das bis in die 1970er-Jahre Bestand hatte.

Aus dieser Zeit stammt auch ein riesiger schwarzer Koffer, der in der Ausstellung zu sehen ist: „Darin wurde auf Auslandsreisen das Reisegeld aufbewahrt“, erzählt Dietmar Stauch. Tatsächlich nahm noch in den 50er- und 60er-Jahren zum Beispiel italienisches Bargeld so viel Platz weg, dass der Koffer vollgepackt mit Lira-Scheinen war.

Neben der Geschichte des Personennahverkehrs und des frühen Individualverkehrs nimmt die Schau zudem den Motorsport in Filderstadt in den Blick. Mit ihm untrennbar verbunden ist der Motorsportclub Sielmingen und seine Erfolge vor allem im Moto-Cross.

„Heilig’s Blechle“

Die Ausstellung „Heilig’s Blechle – Mobilität in Filderstadt“ ist im Filderstadtmuseum, Klingenstraße 19, bis 25. Oktober immer sonntags von 13 bis 17 Uhr zu sehen. Eröffnet wird die Ausstellung am Freitag, 22. Mai, um 18 Uhr im Gemeindesaal in Bonlanden, Georgstraße 10-12.

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