Ausstellung in Freiburg Die Geheimoperation der Mönche von St. Blasien

Das Adelheidkreuz wurde vor dem Großherzog gerettet. Foto: Benediktinerstift St. Paul, Kärnten//Axel_Killian

Vor 200 Jahren übernimmt der badische Staat das Kloster in St. Blasien. Die Abtei gilt als sagenhaft reich. Doch die Beamten konfiszieren zwar eine Brauerei, finden aber sonst nicht mehr viel. Jetzt kehren die legendären Schätze erstmals nach Südbaden zurück.

Baden-Württemberg: Eberhard Wein (kew)

Freiburg - Für die badischen Beamten ist das Kloster in Sankt Blasien eine reiche Beute. Nach der Niederlage Österreichs bei Austerlitz wird die gesamte ehemalige Reichsabtei mit ihren Ländereien dem Großherzog in Karlsruhe zugesprochen. Der protestantische Fürst fackelt nicht lange. Am 10. Oktober 1806 verkündet er das Aus für das Kloster, das 900 Jahre den Südschwarzwald geprägt hat, und schickt seine Beamten. Sie sollen inventarisieren, was nicht niet- und nagelfest ist.

 

Höfe, Vieh, Bettzeug, Möbel, Uhren und mehrere Fässer Wein werden versteigert. Das Kupferdach einer Pfarrkirche kommt unter den Hammer. Die Klosterbibliothek, die bedeutendste Wissenschaftssammlung im süddeutschen Raum, wird in die Karlsruher Hofbibliothek gekarrt. Selbst die Rothaus-Brauerei, die heute als Badische Staatsbrauerei dem Land Baden-Württemberg Jahr für Jahr ordentliche Gewinne beschert, reißt sich der Fürst unter den Nagel. Und doch sind die Finanzbeamten nicht zufrieden. Immer wieder kommen aus Karlsruhe bohrende Nachfragen. Kann das wirklich alles sein? Und immer wieder mimt Berthold Rottler, der letzte Abt von Sankt Blasien, den Unwissenden.

Die mächtigste Abtei im Schwarzwald

Dass dem badischen Staat damals einiges entgangen ist, lässt sich jetzt im Augustinermuseum in Freiburg bewundern. Erstmals kehrt der „Schatz der Mönche“, wie die Ausstellung heißt, in die südbadische Heimat zurück. Zu sehen sind prachtvolle mittelalterliche Goldschmiedearbeiten, herausragende Beispiele der Buchmalerei und der Elfenbeinschnitzerei, reich verzierte liturgische Gewänder, barocke Messkelche, Gemälde und Monstranzen. 170 Objekte spiegeln die Bedeutung und den kulturellen Reichtum des Benediktinerklosters wider, das einst die mächtigste Abtei im Schwarzwald war.

Schon auf dem Höhepunkt der Ausstrahlung unter Martin Gerbert, der dem Kloster von 1764 bis 1793 vorstand, wurde für das Ende vorgesorgt. Der aus Horb stammende Abt, der nach einem Brand den beeindruckenden Kuppelbau wie ein Ufo in die Schwarzwaldlandschaft bauen ließ, ahnte im Anbetracht der französischen Revolution die bevorstehende Zeitenwende.

Der Abt ahnt die Gefahr

„Die ganze Welt erhebt sich gegen uns, sie ruft, dass wir im Blick auf den früheren Zeitzustand beseitigt gehören, dass wir dem Staat Schaden zufügen und dass wir für die Bedeutung der Welt unnötig sind“, klagte der persönlich bescheidene Mönch in einem Brief. Als von 1790 an bereits von den Habsburgern regelmäßig Aufstellungen über die Klosterbesitztümer verlangt wurden, unterschlug er deshalb einen Großteil der Schätze, die er selbst reichlich gemehrt hatte. Es sei beim Klosterbrand 1768 vernichtet worden, klagte er – eine Erklärung, die später auch Rottler wiederholte.

Vermutlich begann schon Gerbert damit, die Schätze über die Schweiz in Richtung Österreich zu verschieben, wo die Mönche schließlich in St. Paul in Kärnten eine neue Heimat fanden. Wie dies vonstatten ging, ist bis heute unbekannt. Die Mönche arbeiteten unter höchster Geheimhaltung. In den Korrespondenzen des Klosters findet die Operation in all den Jahren keinerlei Erwähnung.

Der Fürst hat nur Sinn für die Steine

Auch das Adelheidkreuz, das größte erhaltene deutsche Reliquienkreuz des Hochmittelalters, wurde so gerettet. „Wer weiß, was daraus geworden wäre, wenn es der Großherzog in die Finger bekommen hätte“, sagt der Kunsthistoriker Guido Linke, der diese teuerste Ausstellung in der Geschichte der Freiburger Stadtmuseen in Zusammenarbeit mit dem Erzbistum kuratiert hat. 147 Edel- und Halbedelsteine schmücken das aus dem 11. Jahrhundert stammende Exponat. Gut möglich, dass der Herrscher sonst das ein oder andere Steinchen für seine neue Großherzogskrone verwendet hätte. Die im vergangenen Jahr wegen der Coronabeschränkungen verschobene Ausstellung zum 300. Geburtstag von Martin Gerbert ist jetzt zugänglich und wird bis zum 19. September verlängert.

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