Ausstellung in Korntal-Münchingen Der Wolf ist im Strohgäu – schon wieder

Die Leiterin des Münchinger Heimatmuseums, Sabine Rathgeb, hat den Wolf ins Strohgäu geholt. Klicken Sie sich durch die Bildergalerie. Foto: Simon Granville 8 Bilder
Die Leiterin des Münchinger Heimatmuseums, Sabine Rathgeb, hat den Wolf ins Strohgäu geholt. Klicken Sie sich durch die Bildergalerie. Foto: Simon Granville

Im Heimatmuseum Münchingen steht der Urahn des Hundes im Mittelpunkt. Es waren die Welpen des Raubtieres, die ihren Anteil daran hatten.

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Korntal-Münchingen - Lange bevor Anfang 2018 im Korntal-Münchinger Stadtteil Kallenberg ein Wolf gesichtet wurde, wollte Sabine Rathgeb das Tier mit einer Ausstellung ins Strohgäu, konkret ins Münchinger Heimatmuseum holen. Das Thema passe in unsere Region, sagt die Leiterin – „im Grunde passt es überall hin“. Und ist topaktuell: Am 10. Oktober ist bei Weinsberg (Kreis Heilbronn) ein Wildtier in eine Fotofalle gelaufen, das Experten als Wolf identifiziert haben.

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Mittlerweile ist der Urahn des Hundes auch in Münchingen angekommen, über den die Besucherinnen und Besucher eine Menge erfahren: Wie begegneten sich Mensch und Wolf erstmals? Wie entstanden die ersten zahmen Wölfe und später die ersten Hunde? Wie unterscheiden sie sich? Die Ausstellung „Die Zähmung des Wolfes. Eine archäologische Spurensuche“ kommt ursprünglich aus dem Keltenmuseum Hochdorf/Enz. Sabine Rathgeb hat die Schau ergänzt: Mit Exponaten, die vor allem auch Kinder spannend finden dürften, darunter ein um das Jahr 1990 präparierter Europäischer Wolf. Damit sie nicht nur Knochen zeige – die Funde sind viele Tausend Jahre alt – sondern den Wolf auch am Stück, sagt die Museumsleiterin und lacht. Diese Leihgabe ist aus dem Stuttgarter Naturkundemuseum.

Wolf war dem Menschen sehr ähnlich

Wer sich die Ausstellung anschaut, läuft wie durch eine Höhle. Aus guten Grund ist die Architektur so angelegt, sagt Sabine Rathgeb: Die ersten Begegnungen zwischen Wölfen und Menschen gab es in der Eiszeit, als unsere Vorfahren noch in Höhlen wohnten. „Der Wolf war in der Evolution äußerst erfolgreich und dem Menschen sehr ähnlich. Er lebte in allen Klimazonen und auf allen Kontinenten“, sagt die Museumsleiterin. Ihre Gemeinsamkeiten machten sie aber auch zu Konkurrenten: Neben einem ausgeprägten Sozialverhalten, beim Wolf wichtig für die Domestizierung, jagte das Raubtier eine ähnliche Beute, etwa Rinder in großen Herden.

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Dass Wölfe und Menschen zusammenlebten, beweisen Funde wie ein mehr als 10.000 Jahre alter Wolfsschädel aus einer besiedelten Höhle. In der Brillenhöhle bei Blaubeuren, die vor 40.000 bis 12.000 Jahren bewohnt war, lagen 68 Wolfsknochen, auch von Wolfswelpen. Wolfsjunge lassen sich besonders leicht aufziehen und zähmen.

Dem Hund wurden Eck- und Schneidezähne ausgeschlagen

Mit der Zeit, der gezielten Zucht, der Domestikation – Vorgänge, die dazu führen, dass sich Wildtiere zu Haustieren entwickeln – veränderte der Wolf sein Aussehen. Der Haushund war geboren. Gerade der Schädel hilft dabei, Wolf von Hund zu unterscheiden: „Der Hund hat etwa ein Drittel weniger Hirnmasse als der Wolf“, sagt Sabine Rathgeb. Er hat auch einen kürzeren Kiefer, eine kürzere Schnauze, kleinere, stumpfere Zähne. Der Schädel des Wolfs ist lang gezogen und flach. Doch bei aller Veränderung: „Im Hund steckt etwas vom Wolf. Das vergisst man oft.“

Der Hund ist das älteste Haustier und der älteste Begleiter der Menschen. Als sie sesshaft wurden, bekam er weitere Aufgaben: „Er sollte sich um die Weidetiere kümmern“, sagt Sabine Rathgeb. Dabei waren die Menschen ziemlich grausam: Sie kürzten den Hunden die Eck- und Schneidezähne, damit sie jene nicht angriffen – oder schlugen sie ihnen gleich ganz aus. Generell hätten die Menschen nicht nur eine enge Beziehung zu Hunden gehabt, sie gar als Grabbeigabe verwendet. „Hunde wurden von den Menschen auch ausgenutzt“, sagt die Museumsleiterin: Sie zogen ihnen zum Beispiel das Fell ab und aßen ihr Fleisch.

Viele Stars auf vier Pfoten

Anders als in der Neuzeit der Wolf, sagt Sabine Rathgeb, habe der Hund meist ein positives Image. Er werde als treuer Freund des Menschen geschätzt und als Star gefeiert – in Geschichten, Büchern, Filmen, Comics. Pluto, Lassie, Loriots Mops, um nur einige zu nennen. Sie und weitere hat die Museumsleiterin an die Wand gehängt, auch sind Bücher und Spielzeug mit dem „tierischen Freund und Sympathieträger“ zu sehen.

Und wer ist Sabine Rathgebs persönlicher Star auf vier Pfoten? Sie sagt, der Wolf fasziniere sie mehr. „Er muss in einer für ihn lebensfeindlichen Umgebung überleben. Das beeindruckt mich – und auch, dass er fast ausgerottet war, es aber trotzdem geschafft hat, sich hier anzusiedeln.“ Der Hund habe durch die Zucht viel von seinen natürlichen Instinkten verloren.

Die Vernissage ist an diesem Freitag, 19 Uhr, im Widdumhof. Für die Führung um 20.30 Uhr gibt es noch Plätze. Eine Anmeldung ist erwünscht auf www.korntal-muenchingen.de, „Kultur und Bildung“ und „Heimatmuseum“. Dort ist auch der Flyer samt Begleitprogramm.




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