Sammlungskuratorin Margrit Röder präsentiert die Ausstellungsstücke zu Carl Eugen, die Sammler Günter Leidner dem Ludwigsburg Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung stellt. Foto: Ludwigsburg Museum
Carl Eugen zählt zu den bedeutendsten Herrschern in der württembergischen Geschichte. Im Ludwigsburg Museum werfen neue Exponate ein Licht auf das Leben des Herzogs.
Kaum jemand hat die württembergische Geschichte so geprägt wie Herzog Carl Eugen. Fast 50 Jahre lang regierte er das Land und hinterließ dabei ein bis heute sichtbares Erbe. Auf ihn gehen etwa die Hohe Karlsschule und die Württembergische Landesbibliothek zurück. Und er ließ zahlreiche Schlösser bauen: Neben dem Neuen Schloss in Stuttgart und Schloss Solitude zählt dazu auch Schloss Monrepos.
Doch nicht nur wegen des Schlossbaus hat Carl Eugen große Bedeutung für Ludwigsburg. Er war es, der den Hof 1764 von Stuttgart für einige Jahre zurück nach Ludwigsburg verlegte und der Stadt noch einmal zu Prestige verhalf. Seit Kurzem kann das Ludwigsburg Museum nun neue Ausstellungsstücke zu dem bedeutenden Herzog präsentieren, die der Sammler Günter Leidner dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung stellt.
Regierungsantritt mit 15 Jahren
Carl Eugen wurde 1728 in Brüssel als Sohn Carl Alexanders von Württemberg-Winnental geboren, einer Seitenlinie des Hauses Württemberg. Ursprünglich hatte Carl Eugen also gar keine Aussicht auf die Regentschaft. Doch dann starb zunächst der einzige Sohn des regierenden Herzogs Eberhard Ludwig, kurz darauf der Herzog selbst. Damit wurde Carl Eugens Vater zum Herzog von Württemberg.
Als dieser 1737 ebenfalls starb, wurde Carl Eugen zum neuen Herzog. Zu dieser Zeit war er allerdings gerade einmal neun Jahre alt, weshalb ein Administrator eingesetzt wurde, der die Regierungsgeschäfte für den minderjährigen Herzog übernahm. Nach einem dreijährigen Aufenthalt am Hof des preußischen Königs Friedrich II., der auch als Friedrich der Große bekannt ist, wurde Carl Eugen 1744 schließlich vorzeitig für volljährig erklärt und übernahm offiziell die Regierungsgeschäfte.
Siegel als Ausdruck von Macht
Bei einem der neuen Ausstellungsstücke handelt es sich um einen Petschaft, eine Art Stempelwerkzeug, mit dem offizielle Dokumente gesiegelt werden konnten. Carl Friedrich von Württemberg-Oels, der von 1738 bis zum Amtsantritt Carl Eugens Administrator war, hatte den Petschaft in Auftrag gegeben.
„Offensichtlich hat er sich sofort um ein Statussymbol für seinen Schreibtisch gekümmert. Denn mit dem Petschaft ließ sich der Akt des Urkundens eindrucksvoll in Szene setzen“, sagt Sammlungskuratorin Margrit Röder. Das Siegelrelief zeigt das württembergische Wappen sowie einen umlaufenden Text mit Namen und Amtsbezeichnung von Carl Friedrich.
Der Petschaft des Herzog-Administrators Carl Friedrich ist kunstvoll verziert. Foto: Ludwigsburg Museum
Das Besondere an dem Petschaft ist aber der Griff aus Gold, der kunstvoll mit einem spielenden Putto und Nymphen verziert ist. Ein Ausdruck von Macht für Carl Friedrich, der ein entfernt Verwandter von Carl Eugen war. „Wäre es nur um den Abdruck von Wappen und Namenszug gegangen, hätte es auch ein einfacher Siegelstempel aus Eisen getan“, sagt Röder.
Leidenschaftlicher Jäger
In der Zeit des Absolutismus war die Jagd dem Adel vorbehalten. Auch Carl Eugen war ein leidenschaftlicher Jäger und veranstaltete große Jagdfeste. „Bei der Jagd konnten das adlige Jagdprivileg und der absolutistische Machtanspruch des Herzogs für jeden sichtbar demonstriert werden“, erklärt Röder.
Das Ludwigsburg Museum kann nun das persönliche Jagdgewehr Carl Eugens präsentieren. Dabei handelt es sich um eine Steinschloss-Büchsflinte, die zwei verschiedene Läufe hat und damit sowohl für die Jagd auf Großwild als auch auf Niederwild eingesetzt werden konnte.
Das Jagdgewehr von Carl Eugen ist mit seinem Monogramm, den zwei ineinander verschlungenen Cs, gekennzeichnet. Foto: Ludwigsburg Museum
Die Jagd nahm bei Carl Eugen einen großen Stellenwert ein. Ab 1763 ließ er Schloss Solitude inmitten eines Jagdreviers bauen und veranstaltete dort aufwendig angelegte Jagden. Für die Durchführung beschäftigte er eigenes Personal – ein teures Vergnügen. Und nicht das einzige, das sich Carl Eugen leistete.
Zahlreiche Mätressen
Der verschwenderische Lebensstil des Herzogs führte zu einem Konflikt mit den Landständen, der Interessenvertretung der Stände gegenüber dem Fürsten. Der Konflikt endete mit der Zurückverlegung der Residenz nach Ludwigsburg. Erst 1770 wurde ein Vertrag mit den Landständen geschlossen, der den Herzog zum Sparen zwang. Carl Eugen entwickelte daraufhin ein neues Selbstverständnis als aufgeklärter Fürst und Förderer von Bildung und Wissenschaft – wohl auch unter dem Einfluss seiner zweiten Frau Franziska von Hohenheim, zuvor eine seiner zahlreichen Mätressen.
Die Porträtbüste von Carl Eugen ist vom Hofbildhauer Pierre François Lejeune angefertigt worden. Foto: Ludwigsburg Museum
Neu im Bestand des Ludwigsburg Museum ist auch eine Porträtbüste aus Gips, die um 1775 vom Hofbildhauer Pierre François Lejeune angefertigt wurde. Der Künstler verzichtet auf jegliche Standeskennzeichen und konzentriert sich stattdessen auf die Wiedergabe des äußeren Erscheinungsbildes. „Er formuliert damit das neue Ideal eines aufgeklärten Landesfürsten, der keiner Herrschaftsinsignien bedarf“, sagt Röder.
Carl Eugen starb 1793 im Schloss Hohenheim und wurde in der Gruft des Ludwigsburger Residenzschlosses beigesetzt. In Erinnerung bleiben wird er für seine kostspieligen Feste, seine zahlreichen Mätressen (die Zahl seiner leiblichen Kinder schwankt, dürfte sich aber im mittleren zweistelligen Bereich bewegen) – und vor allem für seine Tätigkeit als Bauherr.