Ausstellung in Ludwigsburg Sex, Stars und große Oper

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Das Museum MIK in Ludwigsburg beleuchtet in einer Sonderausstellung den Aufstieg der Stadt zu einer europäischen Musikmetropole des 18. Jahrhunderts.

Nichts für Frauen: zu den Exponaten der Ludwigsburger Ausstellung gehört dieses Kostüm eines  Balletttänzers im 18. Jahrhundert. Foto: factum/Granville
Nichts für Frauen: zu den Exponaten der Ludwigsburger Ausstellung gehört dieses Kostüm eines Balletttänzers im 18. Jahrhundert. Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - Das Urteil von Wilhelmine von Brandenburg-Bayreuth ist vernichtend gewesen: „Meine Ohren sind noch krank von der schlechten Musik“, schrieb die Schwester von Friedrich dem Großen, nachdem sie erstmals einer Oper am württembergischen Hof gelauscht hatte. „Nie zuvor habe ich schlechtere Sänger gehört.“ Die harschen Worte verfehlten ihre Wirkung nicht. Schon kurze Zeit später begann Wilhelmines Schwiegersohn Carl Eugen von Württemberg sein wohl ehrgeizigstes Projekt – den Umbau seiner Residenzen, zunächst Stuttgart und später Ludwigsburg – zu europäischen Musikmetropolen. Der absolutistische Herzog setzte all seine Überzeugungskraft ein, und das hieß: horrende Gagen, um die Stars der Szene ins Land zu locken. „Er hat das brillant gemacht“, sagt Alke Hollwedel, die Leiterin des Ludwigsburg-Museums.

„Applaus! Von Opern und Seifenopern zur Zeit Carl Eugens“ heißt die Ausstellung, die am Donnerstag im MIK eröffnet wurde. Anhand von Grafiken, Partituren, Programmheften, Kurzfilmen und Kostümen blickt die Schau zurück auf das 18. Jahrhundert und die Protagonisten: allen voran auf Niccolò Jommelli, mit dem der Aufstieg Ludwigsburgs untrennbar verbunden ist.

Herzog Carl Eugen scheute keine Kosten

Der Neapolitaner hatte sich mit seinen Opern längst einen Namen gemacht, unter anderem für den Papst und den kaiserlichen Hof in Wien gearbeitet, als ihn Carl Eugen 1753 mit reichlich Gulden nach Württemberg lockte. Gemeinsam mit dem ebenfalls berühmten Choreografen Jean-Georges Noverre verschmolz Jommelli Ballett und Oper zu einem Gesamtkunstwerk. 1764 wurde die Residenz von Stuttgart nach Ludwigsburg verlegt, und sofort ließ der Herzog im dortigen Schlossgarten ein Opernhaus errichten; prachtvoll ausgestattet zwar, aber mit Wänden aus Holz. „Es musste eben schnell gehen“, erzählt Margrit Röder, die Kuratorin der Ausstellung.

Auf einer Grafik ist das Gebäude, das nach Carl Eugens Tod schnell verfiel, zu sehen. Auch die wichtigsten Musiker werden gezeigt, ebenso das schon im 16. Jahrhundert errichte Lusthaus in Stuttgart oder eine Ansicht von Venedig, wo sich Carl Eugen mit seinen Künstlern inspirieren ließ. Auf Texten an den Vitrinen erfahren die Besucher Interessantes und Skurriles über das wilde Leben am Hof. Etwa, dass der Herzog mit fast allen Tänzerinnen „sehr persönlichen Umgang“ pflegte. Weniger amüsant ist, dass er eine Primadonna acht Jahre lang auf dem Hohenasperg schmoren ließ, weil sie offenbar seiner Ehefrau von den sexuellen Eskapaden berichtet hatte.

Nach 16 Jahren wurde Jommelli entlassen

Auch Jommelli hatte es nicht immer leicht. Zwei Opern pro Jahr musste er abliefern, ein ziemliches strammes Arbeitsprogramm. Aber es lohnte sich. 1760 hielt sich der Schriftsteller und Abenteurer Giacomo Casanova in Württemberg auf, und sein Fazit klang gänzlich anders als das von Wilhelmine wenige Jahre zuvor: Der Hof des Herzogs sei der glänzendste von ganz Europa, staunte er.

Für Jommelli aber nahm die Geschichte kein gutes Ende. Nach 16 Jahren kam es zum Bruch mit dem Herzog, die Hintergründe sind unklar. Zurück in seiner Heimat Italien konnte er an seine Erfolge nicht mehr anknüpfen – sein bombastischer Stil, mit dem er in Württemberg die Zuhörer verzückt hatte, war dort schon längst nicht mehr gefragt.




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