Ausstellung in Ostfildern Neue Ehre für alte Klappstühle

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In der Ausstellung „spirit“ zeigt der Künstler Hartmut Landauer schräge, auffällige, lustige und offensichtlich inspirierende Objekte in der Galerie der Stadt Ostfildern. Diese sind noch bis zum 19. September zu sehen.

In der Ostfilderner Galerie haben zurzeit diverse  DDR-Campingstühle ihren großen Auftritt. Foto: Horst Rudel
In der Ostfilderner Galerie haben zurzeit diverse DDR-Campingstühle ihren großen Auftritt. Foto: Horst Rudel

Ostfildern - Es ist unbestritten, dass Hartmut Landauer wachen Blickes durch die Gegend geht. Sonst hätte der Künstler von seinen diversen Auslandsaufenthalten – unter anderem in Ecuador, Spanien, Mexiko, Südafrika und Japan – nicht jene kuriosen Alltagsgegenstände mitbringen können, die zurzeit und zum ersten Mal überhaupt in der städtischen Galerie im Ostfilderner Stadthaus im Scharnhauser Park präsentiert werden. Dieser reichhaltige Fundus hat den gebürtigen Gemmrigheimer zu seiner Kunst inspiriert, welche die Objekte seiner ethnografischen Sammlung mit persönlichen Erinnerungsstücken kombiniert. Die Ausstellung „spirit“ ist noch bis zum 19. September in der Ostfilderner Galerie zu sehen.

Schnittstelle von Skulptur, Design und Architektur

Am auffälligsten sind Landauers Wandobjekte der Serie „heliotropes“, die er aus Expandern, Gartenschläuchen und DDR-Campingstühlen geschaffen hat. Letztere wirken nun nicht mehr wie die klappbaren Sitzmöbel, die sie einst waren, sondern sie kommen exotisch daher, teils unbekannt. Und sie präsentieren sich als transformierte Wesen an der Schnittstelle von Skulptur, Design und Architektur. Plötzlich erscheinen die deutschen Stühlchen mit ihren bunt gestreiften Bezügen ebenso „merkwürdig“ wie die Besen aus aller Welt. Etwa jener, für dessen Stiel ein ausrangierter Eishockeyschläger hat herhalten müssen.

Kurios sind die Alltagsgegenstände, die Hartmut Landauer zusammengetragen hat. Kreative Lösungen sind darunter, aber auch kunsthandwerklich Profanes und Besonderes: etwa eine kunstvoll geflickte Fischkiste, Taschen aus Getreidesäcken, Voodoo-Pülverchen, selbst gebastelte Messer und Skalpelle oder eine mehrfach in verschiedene Sprachen übersetzte Speisekarte. Da werden dann laut dem am Ende auf deutsch erschienenen Exemplar Speisen präsentiert mit wenig appetitanregenden, wenngleich aber durchaus klangvollen Namen wie „ausgepolsterte Kartuffel“, „gewürzt bringt hervor“ oder „Klettereien von Garnelen“.

Ein Schmunzeln auf dem Gesicht

Hartmut Landauer hat ein Gespür für schräge, auffällige, lustige und offensichtlich inspirierende Dinge. Aus denen heraus entstehen nicht nur seine Skulpturen, sondern unter anderem auch seine großformatigen Bodenarbeiten, Papierintarsien aus Schallplattencovern, Fotografien und aus Bucheinbänden zusammengesetzte Wandarbeiten. In jedem Fall schafft Hartmut Landauer Objekte, die den Betrachter genauer hinsehen lassen, bei ihm Assoziationen wecken und ihm ein Schmunzeln auf das Gesicht zaubern.