Ausstellung in S-Mitte Vom Prachtboulevard zur Stadtautobahn

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In der Casa Schützenplatz gibt es eine Ausstellung mit historischen Postkarten. Sie zeigen die Geschichte des Kernerviertels und seiner Umgebung. Manches hat sich stark verändert.

Michaela Klapka (links) und Claudia Heruday organisieren die Ausstellung mit Postkarten, die Klapka zum Teil selbst gesammtelt hat. . Foto: Cedric Rehman
Michaela Klapka (links) und Claudia Heruday organisieren die Ausstellung mit Postkarten, die Klapka zum Teil selbst gesammtelt hat. . Foto: Cedric Rehman

S-Mitte - Passanten flanieren heute wohl kaum mehr im Sinne des Wortes die Neckarstraße entlang. Auf ihrem Weg kämen sie an Baustellen vorbei, einigen eindrucksvollen Kulturbauten, aber auch Gebäuden, die eher funktional wirken. Autolärm wäre die Geräuschkulisse für den Spaziergang. Denn die Neckarstraße, die Stuttgarts Kulturmeile sein will, wird auch „Stadtautobahn“ genannt.

Michaela Klapka und Claudia Heruday beugen sich in der Casa Schützenplatz über historische Postkarten. Sie zeigen, dass die Neckarstraße einmal für anderes stand als Feinstaubbelastung. Auf den Bildern sind stattliche Wohnhäuser zu sehen. „Die Neckarstraße war in der Vergangenheit ein Prachtboulevard, heute ist sie eine Stadtautobahn“, meint Heruday. Gemeinsam mit Klapka zeichnet sie verantwortlich für eine Ausstellung, die von Freitag an in der Casa Schützenplatz zu sehen ist. Sie zeigt Postkarten und andere bildliche Zeugnisse, die das Kernerviertel und seine nähere Umgebung im Wandel der Zeit zeigen.

Luftangriffe treffen Neckarstraße

Die Abbildungen verdeutlichen, dass die Geschichte Straßen und Viertel in Stuttgart recht unterschiedlich behandelt hat. Klapka und Heruday haben Luftbilder aus dem Jahr 1942 gefunden. Damals wurde Stuttgart aus der Luft fotografiert. Die NS-Machthaber rechneten offenbar damit, dass der Krieg kein Stein auf dem anderen lassen würde. So geschah es während der Luftangriffe 1944. Während die Prachtbauten an der Neckarstraße in Schutt und Asche sanken, wurde das Kernerviertel weniger hart getroffen. „Die gewachsenen Strukturen sind bis heute erhalten geblieben. Es gibt aber weniger Infrastruktur als damals“, sagt Heruday. Fotos belegen, dass für Anwohner früher die meisten Geschäfte des täglichen Bedarfs um die Ecke gegeben hat. Das Viertel sei damals wie heute gemischt gewesen, sagt sie. „Je höher die Wohnhäuser lagen, desto besser situiert waren die Bewohner“, erklärt Heruday.

Eine Kulturmeile habe es in der Hauptstadt des Königreichs Württemberg bereits gegeben. Dahinter lebten im Kernerviertel viele, die im Kulturbetrieb arbeiteten, sagt Klapka. „Auch das ist heute ähnlich, ich denke nur an die Musikstudenten“, meint sie. Klapka und Heruday entwickelten die Ausstellung mit von Klapka gesammelten Postkarten und solchen, die ihnen angeboten worden sind. Sie forschten im Stadtarchiv, da sich bisher kein Historiker mit der Geschichte des Viertels beschäftigt hat. „Wir denken an eine eigene Publikation mit unserem Material, aber im Moment ist das Zukunftsmusik“, sagt Heruday.

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