Ausstellung in Stuttgart-Weilimdorf Nur die Nummer 47 ist „nix geworden“

Von Susanne Müller-Baji 

Zu seinem 75. Geburtstag stellt Wolfgang Bartsch 75 Zeichnungen im Bezirksrathaus in Stuttgart-Weilimdorf aus.

Wolfgang Bartsch mit seinem  Lieblingsbild in der Ausstellung. Es zeigt  Derrick Jenkins, einen befreundeten Schauspieler. Foto: Susanne Müller-Baji
Wolfgang Bartsch mit seinem Lieblingsbild in der Ausstellung. Es zeigt Derrick Jenkins, einen befreundeten Schauspieler. Foto: Susanne Müller-Baji

Weilimdorf - Fast ausschließlich Bleistift- und Buntstift-Zeichnungen zieren nun die Amtsgänge, einige wirken wie Bestandsaufnahmen: Ein sehr aufgeräumter Werkzeugkasten, Architektur aus der Vogelperspektive. Dazu kommen aber auch durchaus skurrile Motive, eine Ratte wird gekitzelt und der Stuttgarter Hauptbahnhof verschachert. Im Jahr 2014 hat Wolfgang Bartsch schon einmal im Weilimdorfer Bezirksrathaus ausgestellt, jetzt kehrt er mit „75 Jahre, 75 Zeichnungen“ dorthin zurück.

Es fing damit an, dass das Ehepaar Bartsch nach neuen Hobbys suchte: Sie begann, Klavier zu spielen, er griff nach längerer Zeit wieder zum Stift. Schließlich hatte er in jungen Jahren eine Ausbildung zum Technischen Zeichner absolviert, bevor der berufliche Werdegang in eine andere Richtung führte. Wolfgang Bartsch begann also wieder zu zeichnen und zu malen. 45 Jahre und einige Werkschauen ist das jetzt her. Anlässlich seines 75. Geburtstags stellt er nun erneut im Bezirksrathaus aus.

Strenge der technischen Zeichnung ist unübersehbar

Die Strenge der technischen Zeichnung ist unübersehbar geblieben. Sehr narrativ sind hingegen die Inhalte: Liest man sich in die erläuternden Texte ein, erfährt man zum Beispiel, dass auch Ratten kichern, wenn man sie am Bauch kitzelt. Man blickt mittels einer Schnittzeichnung ins Wiener Opernhaus. Und man erfährt von einem Einbruch bei Bartschs: Die beiden entwendeten Lederjacken hat der Zeichner ebenfalls im Bild festgehalten. Man habe mehrfach Versuche unternommen, neue zu kaufen – vergeblich, sagt Wolfgang Bartsch inzwischen fast schon philosophisch: „Vielleicht ist die Zeit vorbei und wir erfreuen uns anderer Dinge.“

Auf ungewöhnliche Weise beschreibt die neue Ausstellung auch den klassischen Weg des Zeichners: Die ältesten Blätter stammen aus dem Jahr 1974 und zeigen anatomische Studien zum Gesichtsausdruck sowie die üblichen Hand-Etüden. Danach folgen einige Aktzeichnungen und schließlich die ersten freien Zeichnungen: Urlaubserinnerungen, Porträts oder auch mal ein Stillleben, als Erinnerung an den Zahnarztbesuch.

Mitglied im Stuttgarter Künstlerbund

Die neueste Arbeit ist von 2019 und zeigt den „Rinderflüsterer“, der sich um faire Nutztierhaltung bemüht. Wolfgang Bartsch zeichnet, was ihn interessiert und was er deshalb im Internet nachliest. Gefesselt ist er auch vom zeichnerischen Entstehungsprozess selbst: „Ich genieße das sehr und bedaure es immer, wenn ich fertig bin“, sagt er. Mutmaßlich aber mit einer Ausnahme: Man muss in der willkürlich durchmischten Hängung der neuen Werkschau ein wenig suchen, bis man auf die Nummer 47 stößt: „Nix geworden“, heißt sie und ist deshalb durchgestrichen. So kann es eben auch gehen.

Während seine Ehefrau Helga das Klavierspiel übrigens bald wieder aufgegeben hat und heute lieber Gitarre und Ukulele spielt, ist er beim Malen und Zeichnen geblieben und voller Pläne. Wolfgang Bartsch erzählt, dass er im vergangenen Jahr Mitglied im Stuttgarter Künstlerbund wurde – kein einfaches Unterfangen für einen Autodidakten. Überdies habe er seither angefangen, zwei- und dreiteilige Arbeiten zu erstellen: „Die sind hier aber noch nicht zu sehen, das ist was für die nächste Ausstellung“, blickt er schon mal in die Zukunft.

Info Die Ausstellung „75 Jahre, 75 Zeichnungen“ im Bezirksrathaus, Löwen-Markt 1, ist bis 4. Juli montags bis mittwochs von 8 bis 16.30 Uhr, donnerstags von 8 bis 18 Uhr und freitags von 8 bis 13 Uhr zu sehen.

Sonderthemen