Ausstellung in Tübingen Als Astrologie und Astronomie noch dasselbe waren

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Im Schlossmuseum Tübingen verdeutlicht eine Ausstellung den Blick der Menschen auf den Sternenhimmel in der vormodernen Zeit zwischen 800 und 1800, als Astronomie und Astrologie noch dasselbe waren.

ana Pacyna gehört zu dem Graduiertenkolleg, das Schau der Sterne erstellt hat.Jana Pacyna  aus dem Graduiertenkolleg erklärt die Exponate der Tübinger Ausstellung „Nach den Sternen greifen“. Foto: Metz
ana Pacyna gehört zu dem Graduiertenkolleg, das Schau der Sterne erstellt hat. Jana Pacyna aus dem Graduiertenkolleg erklärt die Exponate der Tübinger Ausstellung „Nach den Sternen greifen“. Foto: Metz

Tübingen - Nur wenige Menschen lässt der Blick in den Sternenhimmel unbeeindruckt. Trotz aller Erkenntnisse der Naturwissenschaft gelten Horoskope bis heute als Beleg dafür, dass Menschen meinen, ihr Schicksal in den Sternen lesen zu können. Auch Kometen werden oft mit düsteren Voraussagen, in Verbindung gebracht. Eine Ausstellung im Tübinger Schloss regt die Besucher jetzt zum Nachdenken über das Firmament an. Glück oder Unglück – was werden die Sterne bringen?

Die Schau „Nach den Sternen greifen“ widmet sich dem Phänomen speziell in der Vormoderne, also den Jahrhunderten zwischen 800 und 1800. Ein Graduiertenkolleg hat sich mit Astronomie und Astrologie zwischen Religion und Naturkunde befasst und ist dabei auf viele prägnante Exponate gestoßen, die nun zu sehen sind.

In der Abteilung „Die Sterne als Verkünder“ geht es um den Halleyschen Kometen, der alle 75 bis 77 Jahre auf der Erde mit bloßem Auge sichtbar ist. Ein Handschrift um 840 beschreibt das „unheilvolle und betrübliche Wunderzeichen am Himmel“. Im regelmäßigen Turnus brachte der Komet mit diversen Prophezeiungen Angst und Schrecken mit sich, aber mitunter auch Hohn und Spott. So lautet auf einer Postkarte vom 19. Mai 1910 die Überschrift: „Erinnerung an den Weltuntergang“ mit dem Zusatz: „Jetzt ist Alles futsch.“

Alltagsbezogene Vorhersagen und medizinische Empfehlungen

Ein weiterer Bereich zu den Themen „Berechnen, Vorhersagen, Verstehen“ bereitet kalendarische Beobachtungen auf. Diese führten in der Zeit der Vormoderne oft zu alltagsbezogenen Vorhersagen bis zu medizinischen Empfehlungen. „Generell basierte die Medizin der Vormoderne auf der Vorstellung, dass die Sterne des Menschen einen direkten Einfluss auf den Körper und somit auf den Gesundheitszustand des Menschen habe“, halten die Tübinger Forscher fest. Auch heute noch achten manche Menschen bei ihren Handlungen auf den Stand des Mondes.

Ausgestellt ist auch das Tübinger Hausbuch, das um 1470 entstanden ist und in verschiedensten Lebensbereichen Hilfe und Orientierung bietet. Dem Mars etwa wird große Macht über das menschliche Ohr zugeschrieben.

In die Zeit der Vormoderne fällt auch die für viele Zeitgenossen erschütternde Erkenntnis, dass die Erde keine Scheibe ist. Nikolaus Kopernikus (1473–1543) hatte entdeckt, dass sich die Erde rund ist und sich als ein Planet unter vielen um die Sonne dreht. Die heutigen Studenten machten sich dagegen Gedanken, wie die Boulevardpresse zu Kopernikus’ Zeiten getitelt hätte: „Wir sind Fixstern“.

Lange Zeit bildeten astrologische und astronomische Erkenntnisinteressen eine Einheit. Das hat sich grundlegend geändert. Aber eben nicht soweit, dass die Naturwissenschaften die Religion verdrängt haben. „Viele Gelehrte waren Theologen“, erklärt Britta Bußmann, einer der jungen Wissenschaftlerinnen. Auch herausragende Forscher wie Johannes Kepler (1571–1630) oder Isaac Newton (1642– 1727 )waren tief in der Religion verwurzelt.

Die Kabinettausstellung „Nach den Sternen greifen“ist bis zum 23. März im Schlossmuseum zu sehen. Die Öffnungszeiten sind mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr, donnerstags von 10 bis 19 Uhr.