Ausstellung in Untertürkheim Stein für Stein

Von Mathias Kuhn 

Der Verein Schwabenstein 2x4 stellen in der Untertürkheimer Stadtteilbibliothek Kunstwerke aus. Die Zukunftsstädte, die Nachbildung des griechischen Klosters und ein Porsche wurden aus Lego-Steinchen gebaut.

Lego-Fan Andreas Reikowski vor seiner Wüstenstadt. Foto:  
Lego-Fan Andreas Reikowski vor seiner Wüstenstadt. Foto:  

Untertürkheim - E in orangefarbener Porsche 911, ein buntes Korallenriff, das griechische Kloster Metéora sowie Fantasiestädte der Zukunft – sie alle stehen seit Kurzem in Untertürkheim. Natürlich nicht in Originalgröße, sondern in Miniatur. Der Verein Schwabenstein 2x4 stellt in der Stadtteilbibliothek seine aus Lego-Elementen gefertigten Kunstwerke aus. „Es ist eine Heimkehr. 2017 traten wir hier mit unseren Exponaten erstmals an die Öffentlichkeit. Nun kehren wir mit neuen Objekten zurück“, freut sich Andreas Reikowski, der Schriftführer des Vereins. Der Lego-Fan aus Rohracker reist für die Steine aus Kunststoff mittlerweile durch Deutschland und das benachbarte Ausland – ehrenamtlich. „Wir wollen mit Ausstellungen bei Jung und Alt die Leidenschaft für Lego-Steine wecken und zeigen, welche kreative Kraft in ihnen steckt.“

Die Exponate verfehlen ihre Wirkung nicht. Seit der Eröffnung vor zwei Wochen finden täglich Besucherinnen und Besucher, darunter viele Schulklassen, den Weg ins Obergeschoss der Stadtteilbibliothek. Mit großen Augen bestaunen sie die Landschaften, Städte und Autos. Für Männer steht der orangefarbene Porsche 911 GT3 RS im Mittelpunkt. Rund 800 Arbeitsschritte stecken im Sportwagen. „Den hat Uwe Schäfers in 74 Stunden zusammengebaut. Nach 120 Schritten hat er gemerkt, dass er ein falsches Eckteil verbaut hatte. Er musste fast alles wieder auseinanderbauen und von vorne beginnen“, erzählt Reikowski. Der Flitzer ist heute ein Sammlerobjekt. Er stammt aus einem extra herausgegebenen Bausatz.

Korallen und Lichtschwerter

Es geht aber auch freier: „Das Tolle an den Lego-Elementen ist, dass sie die Fantasie beflügeln und eine enorme Bandbreite besitzen.“ So gibt es eigentlich kein spezielles Set für ein Korallenriff. Aber mit ein bisschen Erfindergeist hat Nicole Kämmerer das farbenfrohe Great Barrier Reef nach Untertürkheim gezaubert. Da werden Ninjago- oder Darth-Vader-Lichtschwerter, technische Elemente sowie Waschanlagenbürsten zu Unterwasserpflanzen und sich in die Höhe windenden Korallen und Haarbürsten der Friends-Serie stellen Schwämme dar. Es wimmelt von Kreaturen, die es zu entdecken gilt: Zwischen Korallen verstecken sich Kraken, Haie und Rochen schwimmen durch die Landschaft und ein Taucher schnorchelt durch die bunte Unterwasserwelt. Die Lego-Expertin hat für ihre Fantasiewelt rund vier Wochen benötigt. „Das Riff zeigt die Farbenpracht der Natur und es beweist zugleich die Vielfalt der Lego-Elemente“ sagt Reikowski.

Er selbst hat sich mehr Fantasielandschaften verschrieben. Seine Zukunftsstädte entstehen im Kopf. Er hat ein Faible für Architektur und richtet seinen Blick oft in die Zukunft. In seinem Microscale-Projekt entführt er die Betrachter in eine Wohnwelt im Jahr 2050. Die Bevölkerung wächst weiter, benötigt Platz, es wird vieles in die Höhe gebaut werden. Der Architektur-Freak aus Rohracker setzt beispielhafte Bautechniken ein. Beim genauen Betrachten erkennt der Besucher das Lego-Museum, Bahnhöfe und das Polizeipräsidium der Zukunft. Faszinierend und beängstigend zugleich.

Wüstenstaub unterm Bett

Nicht anders ergeht es beim Blick auf Reikowskis Tao Punk Desert Hole. Eine Wüsten-Stadt im Maßstab 1 zu 1000, „in die sich Bionicle-Roboter zurückziehen, wenn sie ausruhen wollen.“ Um seiner Landschaft den Flair eines Wüsten-Refugiums zu geben, hat der Rohrackerer das Modell einige Wochen unterm Bett einstauben und danach mit einer Sprühflasche beigefarbene Wasserfarbe aufgetragen. „Not macht erfinderisch, aber dies macht den Reiz aus“, sagt Reikowski. Mit gewöhnlichen Steinen wollen sie Ungewöhnliches auf die Platte bringen. Klötzchen für Klötzchen, Element um Element. „Lego ist kein Kinderspielzeug, sondern es kann Kunst hervorbringen.“

In einer Vitrine der Stadtteilbücherei hat Eva Dittmann aus Untertürkheim die Lego-Geschichte anhand von Bauteilen aus den Jahren 1964 bis 2014 dargestellt. Seit 1934 gibt es Lego. Die ersten Klötzchen aus Kunststoff kamen 1949 auf den Markt. Die klassischen Bausteine mit den Noppen zum Aufeinanderbefestigen traten 1963 ihre weltweite Eroberungstour an. Später versuchten die Firma mit Technikfiguren-Sets wie dem Porsche, Überschallfliegern oder auch puppenähnliche Figuren die Herzen der Kinder und Erwachsenen zu erobern. „Aber die klassischen Bauelemente beflügeln die Ideen der Nutzer immer noch am besten“, sagt Reikowski. 5000 Steine braucht es, um ein UNESCO-Weltkulturerbe nachzubauen. Didi Römer hat einen Teil des – in Wirklichkeit – auf Sandsteinfelsen stehenden Metéora-Klosters geschaffen. Die griechischen Wunderwerke sind oft Kulisse in Kino-Filmen.

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