Gegensätze ziehen sich an: Die Berliner Künstlerinnen Isabelle Borges und Joanna Buchowska machen erstmals eine gemeinsame Ausstellung – und zwar in Waiblingen.
Joanna Buchowska mag Experimente. Und so war die Künstlerin zwar erstaunt, aber offen für den Vorschlag, den Nadine Müller und Hendrik Schulze Kalthoff machten. Die Betreiber der Galerie Neuer Kunstverlag in Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) wollten Buchowskas Werke nämlich in einer Ausstellung mit denen von Isabelle Borges präsentieren. „Ich dachte: ,Wir beide zusammen? Oha’“, erzählt Joanna Buchowska, „unsere Arbeiten sind doch so unterschiedlich.“
Genau das sei reizvoll, sagt Nadine Müller: „Die beiden sind sehr unterschiedlich, aber ergänzen sich gut.“ Bis zum 30. Januar läuft nun also die Ausstellung mit Gemälden, Collagen und Objekten in den Räumen beim Waiblinger Hochwachtturm.
Sie bringt zwei Künstlerinnen, die seit fast 30 Jahren in Berlin leben und sich privat gut kennen, künstlerisch bisher aber nie gemeinsame Sache gemacht haben, erstmals in einer Doppelausstellung im Südwesten zusammen. Joanna Buchowska kommt ursprünglich aus Polen, landete eher zufällig wegen eines Jobs in Berlin – und blieb. Isabelle Borges stammt aus Brasilien, lebte zunächst in der Domstadt Köln und ließ sich 1997 in der deutschen Hauptstadt an der Spree nieder.
Für beide Frauen stand früh fest, dass sie Künstlerinnen werden wollen. Die Rückendeckung ihrer Eltern hatten sie, legten los – und mischen seit Jahren erfolgreich in der Kunstszene mit. Beide sind lange Zeit der Ölmalerei treu geblieben, bevor sie andere Wege einschlugen. „Ich habe viele großformatige Ölbilder gemalt, aber 2014 war das vorbei“, erzählt Isabelle Borges. Das als Verdünnungsmittel genutzte Terpentin verursachte bei ihr ständige, starke Kopfschmerzen. „Deshalb habe ich angefangen, mit Acrylfarben zu arbeiten.“
Die Wahrnehmung von Raum ist stets ein wichtiges Thema in Isabelle Borges’ Arbeiten. In ihren Gemälden entsteht er durch das Wechselspiel von farbigen Flächen mit bis zu 20 übereinander liegenden Schichten und unterschiedlich breiten, farbigen Linien. Als Inspirationsquelle für die Formen und Strukturen dient Isabelle Borges ein Badesee bei Berlin. Vor Jahren hat sie ihn entdeckt und sich, sagt sie, in ihn verliebt. „Ich habe eine private Beziehung zu diesem Ort.“ Unzählige Schwarz-Weiß-Fotos hat sie von dem Gewässer schon geschossen und die Formen aus der Natur in ihren Gemälden wieder aufgegriffen.
Fantastische Landschaften aus Farbe und Papier
Auch Joanna Buchowska hat viele Jahre in Öl gemalt. Zur Vorbereitung ihrer Bilder fertigte sie zunächst kleine, collageartige Skizzen an. „Ich wurde oft angesprochen, wieso ich den Collagen nicht mehr Platz gebe.“ Irgendwann tat sie das – und arbeitet heute fast nur noch mit Papier, Acrylfarben und Stiften. Raum und Tiefe sind Themen, die Joanna Buchowska faszinieren. In ihren Collagen schafft sie mit gemalten Bereichen, die sie mit aufgeklebten Ausrissen aus Zeitschriften und Seidenpapier kombiniert, ganz eigene, fantastische Landschaften.
Sie wirken, als könne man sie betreten und durch Türen oder über dreidimensional wirkende Treppen gehen. Die architektonischen Elemente kombiniert Joanna Buchowska mit figurativen. Die Dargestellten sind in manchen Bereichen sehr detailliert ausgearbeitet, andererseits verhüllt die Künstlerin ihre Köpfe. Geschichten zu Ende zu erzählen, sei nicht ihre Intention, sagt Joanna Buchowska: „Das Ende darf sich der Betrachter selbst ausdenken.“
Die Ausstellung läuft bis zum 30. Januar in der Galerie Neuer Kunstverlag, Beim Hochwachtturm 2, in Waiblingen. Die Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, samstags nach Vereinbarung.