Ausstellung in Waiblingen Sondermarken gegen Rechts

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Zusammen mit der Aktionswoche „Bunt statt Braun“ gegen Rassismus ist im Waiblinger Schwanen die Ausstellung „Lasst die Volksseele kochen“ eröffnet worden.

„Philatelie“ nennt die Künstlerin Margit Stäbler-Nicolai diese Arbeit. Foto: /Gottfried Stoppel
„Philatelie“ nennt die Künstlerin Margit Stäbler-Nicolai diese Arbeit. Foto: /Gottfried Stoppel

Waiblingen - Wer es wirklich zu was gebracht hat, wird auf einer Briefmarke abgebildet. Das trifft nicht nur auf Berühmtheiten aus der Kunstsparte wie Komponisten, Musiker, Maler und Bildhauer oder auf Wissenschaftler und Politiker zu. Sogar populäre Kunstfiguren haben es schon auf Briefumschläge oder in Sammelalben von Philatelisten geschafft. Und nun scheinbar auch Populisten wie der ungarische Staatschef Victor Orban oder der österreichische Ex-Innenminister Heinz-Christian Strache.

Die Offenbarung kommt erst auf den zweiten Blick

Zusammen mit den Konterfeis von AfD-Prominenz wie Björn Höcke, Alexander Gauland, Alice Weidel oder Beatrix von Storch, sind sie in Waiblingen auf fiktiven Briefmarken zu sehen, die akkurat abgestempelt mitsamt Umschlägen in einem überdimensionalen Sammelalbum stecken. Erst auf den zweiten Blick offenbart sich, dass die Briefmarken ausnahmslos Rechtspopulisten aus aller Herren Länder – Geert Wilders und Marine Le Pen sind ebenfalls vertreten – zeigen.

Es ist ein Aha-Erlebnis mit Gänsehauteffekt. „Was wäre wenn?“, denkt sich der Betrachter des Werks „Philatelie“ der Künstlerin Margit Stäbler-Nicolai, das nun im Rahmen der Ausstellung „Lasst die Volksseele kochen“ im Waiblinger Kulturhaus Schwanen zu sehen ist.

„Wenn Hitler Kräuter gehießen hätte“

„Der erste Blick auf ihre Kunst kann täuschen“, heißt es in dem Programmheft zur Aktionswoche „Bunt statt Braun“, zu dem die Ausstellung zählt. In dieser hängen neben Stäbler-Nicolais Arbeiten auch welche der Künstler Otto Beer, Peter Schmidt und Günther Zitzmann.

„Wovon Glatzen träumen“ ist eine kleine Arbeit Günther Zitzmanns, an der man fast vorbei geht. Das Relief zeigt einen Dolch, fast comicartig gestaltet und von daher gleich doppelt verstörend. „Die Melange aus Medien und Gesellschaft sind der Nährboden, aus der ich mir die Kunstwürmer ziehe und im Sinne von Karl Valentin verknote“, wird Zitzmann in der Ankündigung zitiert. Diese Art Valentinschen Humors verleiht den Ausstellungstücken noch mehr Schärfe. „Wie sinnierte dieser so hintersinnig während der dunkelsten Phase unserer Geschichte: ,Wenn Hitler Kräuter gehießen hätte’“.

Ertrunkene unter der „Festung Europa“

„Hauptstraße 362“ heißt das großformatige Bild einer Moschee von Peter Schmidt. Erst auf den zweiten Blick erkennt der Betrachter: der vermeintlich riesige, mit Mosaiken geschmückte Innenraum ist tatsächlich das Foto einer Miniaturmoschee, die Schmidt abgelichtet hat. Das Minimodell ist gleich neben dem Bild aufgestellt, durch eine Lupe kann man hineinschauen und erkennt beim Anblick der Stühle darin: es ist der selbe Innenraum wie auf dem großen Foto.

Ebenfalls von Peter Schmidt ist die „Festung Europa“. Wie die Moschee ein Modellbau, ein turmartiges transparentes Gebilde, mit Menschen auf Treppen, die wie die Besucher einer Party wirken. Alles ist hell, sauber, angenehm. Der Turm sitzt jedoch auf einem düsteren burgartigen Bau, dieser wiederum auf einer Plattform, die im Wasser steht. Dort sieht man die typischen Boote von Menschen, die über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen versuchen. Unter ihnen im Wasser, was zuerst wie bunte Steinchen aussieht, liegen Ertrunkene auf dem Meeresgrund.

Holzarbeit mit Kettensäge

„Zur Eröffnung am Montagabend war hier oben alles voll“, sagt der Schwanenchef Cornelius Wandersleb, der am Dienstag Besuchern von „Bunt statt Braun“ die Ausstellung erläutert. Gleich neben der Treppe erwartet den Besucher ein imposantes Werk Otto Beers, der Holz mit der Kettensäge bearbeitet. Auch hier ist ein Boot dargestellt. „In 8 Monaten über 3000 ertrunkene Flüchtlinge“ steht darauf.