Ausstellung zu Tiny Houses in Weinstadt Wohnungen auf kleinstem Raum

Von Luitgard Schaber 

Eine ganz eigene Antwort auf Wohnraummangel bieten Tiny-Houses mit Konzepten des Wohnens auf engstem Raum. Einige Beispiele dafür stehen in einem Steinbruch bei Weinstadt-Endersbach.

Das Spiegelhaus erscheint im Inneren überraschend geräumig. Foto: © C) Gottfried Stoppel
Das Spiegelhaus erscheint im Inneren überraschend geräumig. Foto: © C) Gottfried Stoppel

Gartenschau - So geräumig habe ich mir das nicht vorgestellt – dieser Gedanke durchzuckt einen unwillkürlich, wenn einem Michael Kupka in das Spiegelhaus eintreten lässt. Es ist das erste von sieben Tiny-Houses und Micro-Living-Lösungen, das für die Ausstellung zur Remstal-Gartenschau im Steinbruch bei Weinstadt-Endersbach aufgestellt worden war. Dabei misst die Grundfläche des Minihauses nur wenige Quadratmeter. Es ist mit einem kleinen Bad mit Dusche und Toilette, einer kleinen Küchenzeile, einem Bett, einem schmalen Schrank und einer Sitzgelegenheit ausgestattet. Viel mehr würde auch nicht hineinpassen.

Ein Gefühl von Weite

Trotzdem hat der Besucher beim Aufenthalt ein Gefühl von Weite. Der Grund sind die fehlenden Wände im herkömmlichen Sinne. Denn von der Außenwelt trennen den Bewohner lediglich verspiegelte Glasfronten. So kann er nahezu rundherum das Panorama des Steinbruchs genießen.

„Die Idee ist, im Garten zu wohnen“, erklärt Kupka das Prinzip des Spiegelhauses. Die Idee stamme von Architekten aus Estland. Die zwei Brüder seien viel unterwegs gewesen, wobei sie in der Natur sein wollten, ohne auf den Luxus eines Hotelzimmers verzichten zu müssen, erläutert der Gartenbautechniker, der mit seiner Firma in Waiblingen den Vertrieb des von dem estnische Architekturbüro Cubus O entwickelten und in Karlsruhe fertig gebauten Tiny-Houses für die Region übernommen hat. Für wohlige Wärme im Winter sorge in dem Nullenergiehaus eine Infrarotheizung unter dem Boden, die per Solaranlage auf dem Dach oder mit Strom betrieben werden könne. Für drückend heiße Sommertage lasse sich eine Klimaanlage anschließen. Und ein 3000-Grad-Brenner sorge dafür, dass Fäkalien in der Toilette zu Asche verbrannt würden.

Flexibilität ist gefragt

„Die Haftung an Grund und Boden nimmt dramatisch ab“, meint Kupka. Warum auch sich über Jahrzehnte für immer teurer werdende Bauflächen verschulden, wenn man ohnehin wesentlich öfter als früher den Job wechsle und dafür umziehe, so Kupka weiter über Leben und Wohnen der Zukunft. Gefragt sei das Spiegelhaus aber auch bei Senioren, die ihre Häuser ihren erwachsenen Kindern überlassen, derweil sie mit Wohnmobilen die Welt bereisen und nur hin und wieder eine feste Basis in der Heimat brauchten. Eine solche biete das Spiegelhaus. Aber auch für Firmen, die ihre Mitarbeiter auf Geschäftsreisen schickten, könnten Tiny-Houses Alternativen zu teuren Hotelzimmern darstellen. Kupkas Vision: ein Remstalhotel mit Spiegelhäusern, die über das Tal verteilt in Weinbergen stehen. Dazu will er auf Weingüter zugehen.

Doch etwas im Spiegelhaus ist gewöhnungsbedürftig: das Gefühl, durch die vollverglasten Wänd beobachtet zu werden angesichts die intensiven Blicke von Vorbeigehenden draußen. Wer sich dann daran erinnert, dass Passanten den Bewohner innen gar nicht sehen können und lediglich ihr eigenes Spiegelbild anschauen, nimmt die vermeintlichen Voyeure eher amüsiert zur Kenntnis. Von dem geschützten Beobachtungsposten lassen sich jetzt kurz vor Ausstellungseröffnung allerdings noch viele weitere interessante Dinge verfolgen. Etwa wie nebenan ein weiteres Tiny-House eingerichtet wird, das in einem alten Schiffscontainer eingebaut ist, derweil die erste Micro-Living-Lösung, ein Holzaufbau auf einem Lastwagentrailer, angefahren wird.

Eine Konstruktion stammt aus Weinstadt

Unter den Konstruktion, die noch kommen, wird auch eine aus Weinstadt sein. Der Zimmermeister und CDU-Stadtrat Friedrich Dippon hat sie entwickelt, zusammen mit dem Fellbacher Architekturprofessor Fritz Barth, der eine Honorarprofessur für Baugestaltung an der Bauhaus-Universität innehat. Doch egal wie sie gestaltet sind, eines sei für die Minihäuser allesamt nötig, meint Kupka: „Tolerante Gemeinderäte.“ Denn ohne Baugenehmigung, wobei Natur- und Landschaftsschutz berücksichtigt werden müssen, geht es auch bei ihnen nicht.

Die Tiny-House- und Micro-Living-Ausstellung auf dem Steinbruchgelände am Ende der Birkelstraße in Endersbach ist während der gesamten Remstal-Gartenschau zu sehen. Besichtigungen innen: mittwochs, samstags sowie sonn- und feiertags von 10 bis 18 Uhr.