Ausstellung Schwäbischer Wald Prachtexemplare von Pfifferlingen und Steinpilzen

Die arrangierten Pilze aus dem Schwäbischen Wald, die es in der Schwalbenflughalle zu sehen gibt,   sind allesamt beschriftet Foto: Edgar Layher 9 Bilder
Die arrangierten Pilze aus dem Schwäbischen Wald, die es in der Schwalbenflughalle zu sehen gibt, sind allesamt beschriftet Foto: Edgar Layher

Bei der großen Pilzausstellung des Schwäbischen Waldes gibt es mehr als 150 Arten zu bewundern. Auf den Exkursionen erfahren die Teilnehmer, welche Pilze giftiger sind als gedacht.

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Großerlach - Im Minutentakt tönt es halblaut aus unterschiedlichsten Ecken des Waldstücks bei Großerlach: „Pilz!“ Es ist der von Manfred Hennecke vorgegebene Signalruf, der auf einen näher zu untersuchenden Bodenfund hinweist. Um den Pilzexperten aus Buoch versammeln sich dann zügig die zuvor ausgeschwärmten zwei Dutzend Teilnehmer der Bestimmungstour. Die spannende Frage lautet jetzt: Um was für einen Pilz handelt es sich?

14 000 Pilzarten in Deutschland

Die Antwort darauf ist selbst für Experten wie den 69-Jährigen nicht immer ganz einfach, denn gut 14 000 Pilzarten gibt es in Deutschland, darunter sind etwa 5500 Großpilze, deren Maße also über die Größe einer Linse hinausgehen. Es sind Kennzeichen gefragt, die bei jedem Exemplar einer Art auftreten. Das Netz am Stiel beispielsweise. „Bei Steinpilzen ist es weiß“, zählt Manfred Hennecke ein solches Primärmerkmal auf. Welche Unterart eines Steinpilzes der Sammler dann genau vor sich hat, ist dann oft nicht mehr entscheidend, denn essbar sind sie alle. Ohnehin gibt es unter den Röhrlingen, also Pilzen mit Röhren an der Hutunterseite, keine tödlich giftigen Exemplare.

Vorsicht bei Hutpilzen mit Lamellen

Bei Hutpilzen mit Lamellen sollte man dagegen vorsichtig sein. „Wenn Sie die Lamellenpilze nicht sammeln, dann können Sie nicht sterben“, ruft Manfred Hennecke seinen pilzkundlich oft gut vorgebildeten Begleitern entgegen. Zu den Gewächsen mit Lamellen unter dem Hut gehören giftige Knollenblätterpilze, bei denen höchste Vorsicht angesagt ist. Bereits eine dieser papierdünnen Lamellen im Pilzgericht kann schwere Gesundheitsschäden zur Folge haben.

Erkennbar sind die Knollenblätterpilze an der namensgebenden Knolle. Zur Bestimmung sollte folglich stets der ganze aus der Erde herausgedrehte Pilz herangezogen werden. Sonst könnte man Knollenblätterpilze mit essbaren Champignons verwechseln. Selbst bei denen ist übrigens Vorsicht geboten: „Alle Champignons sind giftig“, sagt Manfred Hennecke. Das gilt nach neuesten Erkenntnissen sogar für rohe Zuchtchampignons. Erhitzen auf 80 Grad Celsius für eine gute Viertelstunde löst das Problem jedoch.

Eine große Vielfalt wird gezeigt

Die rasch ausgebuchten Pilzführungen von Manfred Hennecke waren Teil des Programms bei der fünften Auflage der überaus sehenswerten Pilzausstellung des Schwäbischen Waldes, die am Wochenende in Großerlach-Grab stattfand. Naturparkführer des Schwäbischen Waldes hatten dazu bereits am Samstag rund 150 Pilzarten in der Schwalbenflughalle liebevoll arrangiert. „Die Vielfalt, die wir dieses Jahr gefunden haben, ist bemerkenswert“, sagt Manfred Krautter, der mit mehreren Fachleuten seit Donnerstag auf Sammeltour gegangen war. Im Laufe des Wochenendes kamen dann noch etliche weitere Exemplare dazu. „Für mich ist das Schweinsohr das absolute Highlight“, sagt der habilitierte Geologe aus Plüderhausen, der kürzlich mit dem Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet wurde. Laien mit kulinarisch beeinflusstem Interesse dürften sich eher an Prachtexemplaren von Pfifferlingen und Steinpilzen erfreut haben. Oder an den ebenfalls vertretenen Zuchtpilzen wie Austernseitlingen und Shiitake. Auf speziellen Substraten sind sie leicht zu kultivieren.

Schlechtes Pilzjahr 2021

Das klappt sogar in eher schlechten Pilzjahren wie 2021. Daran schuld ist die Trockenheit, die auch durch die jüngsten Regenfälle nicht ausgeglichen wurde. In einem normalen Jahr wär der Ruf „Pilz!“im Wald bei Großerlach also viel öfter erschallt.

Pilzen auf der Spur

Pilzsammler
Zur Standardausrüstung eines Pilzsammlers gehört ein Korb zum druckfreien und luftigen Transport der Pilze. Benötigt wird außerdem ein spezielles Pilzmesser, das auch einen Pinsel zum Reinigen des Sammelguts beinhaltet. Pilze – genau genommen sind es nur deren Fruchtkörper – werden jedoch nicht abgeschnitten, sondern mit den Fingerspitzen aus dem Erdreich gedreht. Das schont einerseits das Pilzmyzel, dient aber ebenso wie ein Längsschnitt vor allem der genauen Bestimmung. Experten raten von Pilzapps ab und empfehlen stattdessen Bestimmungsbücher.

Pilzschutz
In Naturschutzgebieten und Nationalparks ist das Sammeln von Pilzen verboten. Ansonsten gilt eine Mengenbegrenzung von einem Kilogramm pro Person und Tag. Lediglich Profisammler mit einer Lizenz sind davon ausgenommen. Es gibt einige besonders geschützte Pilzarten, die nicht gesammelt werden dürfen. Das betrifft in Deutschland alle Trüffelarten.

Pilzbuch
Gudrun und Manfred Hennecke haben einen Leitfaden zur systematischen Bestimmung von Speisepilzen veröffentlicht. Er enthält auch zahlreiche Rezepte und ist im Verlag Manfred Hennecke zum Preis von zehn Euro erhältlich.




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