Ausstellung über Otto von Habsburg in Gerlingen Vom heimatlosen Thronerben zum glühenden Europäer

Das Stadtmuseum Gerlingen unter der Leitung von Birgit Knolmayer eröffnet eine Sonderausstellung über Otto von Habsburg. Foto: Simon Granville

Eine Sonderausstellung im Gerlinger Stadtmuseum zeigt das bewegte Leben und würdigt das Wirken des Politikers und Publizisten Otto von Habsburg.

Dass der Name Habsburg „unter jeglichen Umständen eine politische Aufgabe“ bedeutet, sagte einst Otto von Habsburg. Und das hat der 1912 geborene älteste Sohn Karls des I., des letzten Kaisers von Österreich und König von Ungarn fast ein Jahrhundert lang gelebt. Er war der letzte Erbe der österreich-ungarischen Monarchie, doch das sollte nicht seine Bestimmung werden. Er wurde zum Politiker und Publizisten, der sich mit Leib und Seele für den Fall des Eisernen Vorhangs und den europäischen Gedanken einsetzte.

 

Eine von Museumsleiterin Birgit Knolmayer organisierte Sonderausstellung im Gerlinger Stadtmuseum in der Weilimdorfer Straße 9-11 widmet sich vom 30. März bis zum 1. Juni dem Leben und Wirken Otto von Habsburgs. Sie findet in Kooperation mit der Otto-von-Habsburg-Stiftung in Budapest, dem Liszt Institut, Ungarisches Kulturzentrum Stuttgart sowie der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn statt. Die 2016 ins Leben gerufene Stiftung verfolgt einen doppelten Auftrag – sie bewahrt und arbeitet das materielle Erbe auf und pflegt außerdem das geistige Vermächtnis ihres Namensgebers.

Schau ist in drei Sektionen aufgeteilt

Die Schau ist in drei Sektionen aufgeteilt. Die erste beschäftigt sich mit dem außergewöhnlichen und bewegten Leben Otto von Habsburgs (20. November 1912 - 4. Juli 2011), der Zeuge und auch Mitgestalter aller großen politischen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts wurde. Es begann mit seiner Geburt als ältester Sohn von acht Kindern des letzten Österreichischen Kaisers und Ungarischen Königs Karl des I., gefolgt vom Exil der Familie, die Österreich aufgrund des Habsburgergesetzes, betreffend die Landesverweisung und die Übernahme des Vermögens des Hauses Habsburg-Lothringen, verlassen und sich später, während der Nazi-Zeit, in der USA aufhalten musste. Einen Neuanfang markierte die Heirat 1951 mit Regina Prinzessin von Sachsen-Meinigen in Nancy in Frankreich, mit der er sich 1954 im oberbayrischen Pöcking niederließ. Dem Paar wurden sieben Kinder geboren. Das Ringen um die österreichische Staatsbürgerschaft dauerte bis 1961 nachdem er auf seine Herrschaftsansprüche und sogar auf seine Zugehörigkeit zur Dynastie verzichtet hatte.

Die zweite Sektion gibt einen Einblick in seine Vision von einem geeinten Europa und dem Fall des Eisernen Vorhangs sowie sein Wirken für Frieden und Völkerverständigung als EU-Politiker und Publizist. Otto von Habsburg war seit 1957 internationaler Vizepräsident der Paneuropäischen Union für ein freies, christliches, soziales und geeintes Europa und seit 1973 Präsident der Organisation. Von 1979 bis 1999 engagierte er sich im Europäischen Parlament als Mitglied der bayerischen CSU-Fraktion für die Etablierung einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik in Europa. Er setzte sich auch für den möglichst raschen Beitritt der Länder Mittel- und Osteuropas ein.

Vizepräsident der Paneuropäischen Union

Die dritte Sektion zeigt Otto von Habsburg in Gerlingen, etwa als Ehrengast auf dem Bundesschwabenball und seinen Besuch in Stadtmuseum. Nicht zuletzt weil Gerlingen die Patenstadt der aus Ungarn vertriebenen Deutschen ist und ihr Schicksal der Schwerpunkt im Museum bildet. „Viele Ungarndeutsche fühlen sich mit Otto von Habsburg verbunden und das ist einer der Gründe, warum die Ausstellung für unser Museum so interessant ist“, sagt die Museumsleiterin Birgit Knolmayer.

Bewusst sei die Schau in dem Raum platziert worden, in dem die Themen „Auswanderung und Mobilität“ vermittelt werden. „Auch Otto von Habsburg wurde aus seiner Heimat vertrieben und musste sich neu orientieren, was ihm erfolgreich gelungen ist, genau wie vielen Ungarndeutschen in Gerlingen“, sagt die Museumsleiterin.

Parallelen zu Gerlinger Ungarndeutschen

Museumsarbeit sei nicht, nur in die Vergangenheit zu blicken. „Es gilt auch die Gegenwart in den Blick zu nehmen und da erscheint Otto von Habsburgs engagiertes Bekenntnis zu Europa gerade in der heutigen Zeit höchst aktuell“, ist Birgit Knolmayer überzeugt. Durch den Ausbruch des Ukrainekrieges habe der Wert eines geeinten Europas an Bedeutung gewonnen. „Die Auseinandersetzung mit den Gedanken Otto von Habsburgs diesbezüglich kann und soll zum Nachdenken und Diskussionen anregen“, sagt die Initiatorin der Ausstellung.

Alles rund um Otto von Habsburg

Eröffnung
Die Vernissage findet am Sonntag, 30. März um 11.15 Uhr im Sitzungssaal des Gerlinger Rathauses statt. Die Begrüßung gestalten Birgit Knolmayer, die Leiterin des Gerlinger Stadtmuseums, Joschi Amet, der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn und der Erste Beigeordnete der Stadt Gerlingen Stefan Altenberger. Zahlreiche Wegbegleiter berichten von ihren Begegnungen mit Otto von Habsburg.

Wegbegleiter
Zahlreiche Wegbegleiter berichten von ihren Begegnungen mit Otto von Habsburg: Über seine Zeit mit Otto von Habsburg spricht Bernd Posselt, der Präsident der Paneuropa-Union Deutschland. Der ehemalige Abgeordnete des Europäischen Parlaments war zuvor enger politischer Mitarbeiter und Pressesprecher Otto von Habsburgs. Rainer Wieland, Vorsitzender des Verbands Region Stuttgart und ehemaliger Vizepräsident des Europäischen Parlaments, spricht über seine Begegnungen mit dem Politiker und Publizisten.

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