Ausstellung zu Brandanschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte Die Lücke im kollektiven Gedächtnis füllen

Ein Bild, das sich ins Gedächtnis brennt: Thomas Stratmanns „Brandstiftungsarchiv“ in der Weißenhofgalerie in Stuttgart Foto: architekturgalerie am weißenhof/Thomas Fütterer 7 Bilder
Ein Bild, das sich ins Gedächtnis brennt: Thomas Stratmanns „Brandstiftungsarchiv“ in der Weißenhofgalerie in Stuttgart Foto: architekturgalerie am weißenhof/Thomas Fütterer

Die Architekturgalerie am Weißenhof in Stuttgart zeigt „Das Brandstiftungsarchiv“. Thomas Stratmann will mit seiner Installation rechte Gewalt in Deutschland sichtbar machen.

Kultur: Ulla Hanselmann (uh)
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Stuttgart - Mehr als 400 dokumentierte rechtsextremistische Brandanschläge gegen Flüchtlingsunterkünfte seit 1990: Eine beklemmende Zahl, die doch abstrakt bleibt – und so allzu leicht aus dem kollektiven Gedächtnis der Deutschen verschwindet. Mit seinem „Brandstiftungsarchiv“ in der Architekturgalerie am Weißenhof in Stuttgart gibt der Informationsdesigner Thomas Stratmann der Statistik eine frappierend plastische Gestalt. Auf einem mit Jahreszahlen versehenen Podest türmen sich in einander verkeilte verbrannte Häusermodelle – eingestürzte Dächer, verkohlte Fassaden, Schutt und Asche. An jedem Modell hängt ein Zettel mit Ort und Datum des Brandanschlags.

Zwei besonders große Häuser-Haufen

Unübersehbar sind in den Jahren nach der deutschen Wiedervereinigung und zwischen 2012 und 2018 zwei große Häuser-Haufen entstanden. So wird deutlich, dass sich schon vor der Flüchtlingskrise 2015/2016 „etwas zusammengebraut“ habe, sagte Stratmann in einem Hörfunkinterview.

Der Designer entwickelte „The Arson Archive“ im Rahmen seiner Masterarbeit an der niederländischen Design Academy Einhoven; inzwischen lebt er in Amsterdam. Ursprünglich hatte er die maßstabsgetreu angefertigten Häusermodelle in einem Regal angeordnet. Für die Räume der Weißenhofgalerie war das jedoch ungeeignet, so entstand die Idee mit dem Podest.

Eine Lücke in der Erinnerungskultur

Für Thomas Stratmann klafft in der deutschen Erinnerungskultur eine Lücke, weil sie einseitig auf das Gedenken an die Opfer des NS-Regimes ausgerichtet sei, heutige Opfer rechtsextremistischer Gewalt jedoch nicht ausreichend in den Blick nehme. Mit der Installation will er diese Lücke schließen.

Die Schau ist als Wanderausstellung konzipiert, wobei Stuttgart erst die zweite Ausstellungsstation in Deutschland ist, wie der Ko-Kurator Andreas Hardegger von der Architekturgalerie am Weißenhof berichtet. Bei den in der Installation erfassten Anschlägen handle es sich um staatsanwaltlich behandelte Fälle, sagt Hardegger und fügt hinzu: „Die Dunkelziffer ist sehr hoch.“

Weißenhofgalerie

Ausstellung
Die Schau „Das Brandstiftungsarchiv / The Arson Archive“ ist bis 5. Februar in der Architekturgalerie am Weißenhof, Am Weißenhof 30, zu sehen. Öffnungszeiten: Di – Fr 14-18 Uhr, Sa, So, Feiertage 12-18 Uhr, Eintritt frei. Am Samstag, 5. Februar, findet um 18 Uhr eine Finissage mit Thomas Stratmann statt.




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