Ausstellung zum Lutherjahr 2017 Martin Luther, ein schwieriger Jubilar

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Am 31. Oktober 2016 findet der Auftakt zum 500. Jahrestag des Beginns der Reformation statt. Auch der Staat beteiligt sich mit drei nationalen Sonderausstellungen am Lutherjahr.

Ferdinand Pauwels, „Luthers Thesenanschlag“, 1872 Foto: Wartburg-Stiftung Eisenach
Ferdinand Pauwels, „Luthers Thesenanschlag“, 1872 Foto: Wartburg-Stiftung Eisenach

Stuttgart - Deutschland läuft sich warm für das Reformationsjubiläum 2017. Vor fünfhundert Jahren, am 31. Oktober 1517, hat Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche angeschlagen und damit eine Revolution angezettelt. Die Welt, wie sie bis dahin geordnet war, geriet aus den Fugen. Der Augustinermönch, in den Augen Roms ein Würstchen aus dem fernen Kursachsen, hatte es gewagt, sich mit Papst und Kaiser anzulegen – und sich standhaft geweigert, seine frechen Anschuldigungen zu widerrufen. Im Gegensatz zu anderen Ketzern landete der aufrührerische Gottesmann aber nicht auf dem Scheiterhaufen, sondern wurde zum Begründer der Reformation und – in deren Folge – der evange­lischen Kirche.

Ob dieser Thesenanschlag wirklich so stattgefunden hat, wie der Mythos besagt, wird von manchen Forschern inzwischen bezweifelt. Luther selbst erwähnt ihn nirgends. Und so theatralisch, wie es beispielsweise der Maler Ferdinand Pauwels Ende des 19. Jahrhunderts dargestellt hat, lief die Sache vermutlich auch nicht ab. Auf dem Gemälde, das heute auf der Wartburg hängt, wendet sich Luther, den Hammer noch in der erhobenen Hand, in Prophetenpose zu einigen besorgt dreinschauenden Bürgern um.

Luther wollte eigentlich nur eine „Disputation“ unter Theologen in Gang bringen

In irgendeiner Form, so nimmt die Wissenschaft an, wird der Doctor Theologiae seine Fundamentalkritik an der Papst­kirche und ihrem Ablasshandel aber schon an der Kirchenpforte angebracht haben, nicht nur weil die Aktion von Weggefährten wie Philipp Melanchthon bestätigt wurde, sondern weil auch andere damals die Kirchentür als „Verstärker“ benutzten, wie der Autor Willi Winkler über den Vorgang schreibt, und weil es, etwa nach Meinung des Luther-Biografen Joachim Köhler, keinen besseren Ort gab, den Vatikan anzugreifen, als die Schlosskirche, „ein Reliquienzentrum, das Rom unterstellt war“. Nur dass die Hammerschläge eben nicht wie Donnerhall durch Wittenberg und bis nach Italien dröhnten.

Der Doktor hatte seine Thesen auf ­Latein abgefasst und wollte damit eigentlich nur eine „Disputation“ unter Theologen in Gang bringen. Bis die Welt (und er selbst) begriff, welch einen Umsturz diese Plakatierung einleitete, verging eine Weile, in der sich seine Attacke gegen die Papstkirche wie ein Lauffeuer verbreitete. Die junge Technik des Buchdrucks machte es möglich – und dass seine Thesen rasch ins Deutsche übersetzt wurden. Nicht zu vergessen die Bildkampagne des Malerunternehmers Lucas Cranach, der in Wittenberg nur ein paar Schritte weiter wohnte und mit seinen propagandistischen Porträts aus dem Aufwiegler einen Star machte.

Ein Hammer wirbt für drei Ausstellungen zur Reformation

Dennoch: Der Thesenanschlag, „das war der Moment, in dem die mittelalterliche Welt explodierte“, schreibt der Journalist und Sachbuchautor Willi Winkler in seiner soeben erschienenen Luther-Biografie. Wohl wahr! Ein Hammer ist deshalb auch das Werbesymbol für drei nationale Sonderausstellungen, die im nächsten Jahr „Die volle Wucht der Reformation“ vor Augen führen sollen – neben einer schier unüberseh­baren Vielzahl von Veranstaltungen im ganzen Land.

Selten zuvor hat der Staat ein Jubiläum so hoch gehängt wie dieses. Per Kabinettsbeschluss – was bei einem Gedenkjahr wahrlich nicht alle Tage vorkommt – wurde die Kulturstaatsministerin beauftragt, die Aktivitäten der Bundes­regierung zum Jubiläum zu koordinieren. 41 Millionen Euro lässt sich die Republik das Ereignis kosten, die vielen Fördermillionen nicht einge­rech­net­, die in die Denkmalpflege geflossen sind, um die Luther-Stätten auf Hochglanz zu bringen. Man rechnet mit Hundert­tausenden von Besuchern. Besonders die Kernländer der Reformation, Sachsen-Anhalt und Thüringen, sind entschlossen, das Jubeljahr auch zu ihrem touristischen Nutz und Frommen zu vermarkten.