Ausstellungseröffnung in Marbach Viel Prominenz zu Ehren von Franz Kafka

Zu Gast im Deutschen Literaturarchiv (von links): Regisseur David Schalko, Autor Daniel Kehlmann, Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Kulturstaatsministerin Claudia Roth, die Direktorin des Deutschen Literaturarchivs Sandra Richter und Ron Prosor, der Botschafter Israels Foto: Andreas Essig/essigfoto.de

In der Ausstellung „Kafkas Echo“ zeigt das Deutsche Literaturarchiv in Marbach mehr als 100 Exponate: Manuskripte, Briefe, Fotos und Erinnerungsstücke des früh verstorbenen Schriftstellers. Viele Prominente kamen zu Eröffnung am Sonntag.

Großer Bahnhof für die vielen Gäste des Deutschen Literaturarchivs (DLA), darunter der Autor Daniel Kehlmann und Regisseur David Schalko, deren Kafka-Miniserie im Februar 2024 bei der Berlinale vorgestellt wurde. Beide kamen sie am Sonntag nach Marbach auf die Schillerhöhe, wo die Ausstellung „Kafkas Echo“ von Claudia Roth, Staatsministerin für Kultur und Medien und Ministerpräsident Winfried Kretschmann eröffnet wurde.

 

Ein solches Ereignis setzt in heutiger Zeit eine fast einschüchternde Polizeipräsenz voraus, die im Umfeld des DLA für Sicherheit sorgte. Denn eingeladen waren nicht allein die eben Genannten: viele Gäste, so auch weitere Politikerinnen und Politiker des Landes und Marbachs Bürgermeister Jan Trost waren anwesend. Ebenso der Botschafter des Staates Israel in Deutschland, Ron Prosor, der Grußworte überbrachte.

Aus Anlass von Kafkas 100. Todestag haben sich jene drei Einrichtungen, die weltweit die größten Kafka-Bestände verwahren, erfolgreich zusammengetan und die Marbacher Ausstellung reich bestückt. Neben dem DLA ist das die National Library of Israel sowie die Bodleian Libraries Oxford. Für Claudia Roth ist dies der Beleg „einer beispiellosen Kooperation, deren Partner zusammen und nicht im Konkurrenzkampf gegeneinander gehandelt haben“, wie sie kurze Zeit später betonte. Mit launigen Worten begrüßt wurden die Gäste von Kai Uwe Peter, dem Präsidenten der Deutschen Schillergesellschaft. Dieser mutmaßte, dass Kafka wohl etwas überrascht gewesen wäre, hätte er das große Interesse an der Ausstellungseröffnung, die übrigens live gestreamt wurde, miterlebt.

Das sagte Ministerpräsident Kretschmann über Kafka

Ministerpräsident Kretschmann bezeichnete in seiner Rede den Titel „Kafkas Echo“ als janusköpfig. Der Autor selbst habe ein Echo vorgegeben und zwar aus einer Welt heraus, die sich mächtig im Umbruch befunden habe. Kretschmann bezeichnete dieses als Resonanz, die weit über einen bloßen Widerhall hinausgehe. „Die ganze Welt findet sich in Kafka wieder – und so findet sich auch sein Werk in der ganzen Welt wieder“, markierte Kretschmann die Bedeutung des 1924 verstorbenen Schriftstellers, dem er „eine Vorahnung“ des wenige Jahre nach seinem Tod um sich greifenden Grauens attestierte. Ein Grauen, das sich durch Willkür und Terror der totalitären Nazi-Schreckensherrschaft breitmachte. Kretschmann streifte die gegenwärtigen Entwicklungen, die die Demokratie bedrohten und mahnte an: „Unser Echo muss mehr sein, als bloßer Widerhall. Eine klare Stimme für Demokratie, Freiheit und für den eigentlichen Sinn von Politik“.

„Franz Kafka lebt!“ Mit dieser Überzeugung trat Claudia Roth vor das Mikrofon und führte aus, weshalb Kafka zum berühmtesten Autor des 20. Jahrhunderts aufgestiegen sei: „Weil jede Generation Kafka als ihren Zeitgenossen willkommen heißt“. Die Staatsministerin sieht in Kafka einen „Zauberer, der die Herrlichkeit des Lebens beim richtigen Namen am richtigen Ort gerufen hat“. Ron Prosor nutzte für den Beginn seiner Rede den Humor: Er schilderte eine „kafkaeske Begebenheit“, die dazu geführt habe, dass bedeutende Dokumente – von Kriminellen gestohlen – dem Marbacher Archiv 2013 zum Kauf angeboten wurden. Diese jedoch wurden der israelischen Nationalbibliothek ausgehändigt. Unikate, die jetzt erneut in Marbach eintrafen, um als Exponate in der Ausstellung gezeigt zu werden. Tomáš Kafka ist Botschafter der Tschechischen Republik in Berlin und wurde der Veranstaltung per Video zugeschaltet. Die Tatsache, dass er denselben Nachnamen trägt, wie der Autor, mache sein Leben viel leichter, teilte er amüsiert mit. Eine Art Echo, die als „Wertschätzung Kafkas auf mich übertragen werde“.

Interview-Runde mit den Machern der Kafka-Miniserie

Hochinteressant und mit augenzwinkernden Momenten bestückt, zeigte sich das Interview, das Sandra Richter, die Direktorin des DLA mit Daniel Kehlmann und David Schalko führte. Die Antworten auf die Frage: „Was hat euch so fasziniert an Kafka, dass ihr eine Serie über ihn gedreht habt?“ brachte eine rege Unterhaltung in Gang, die deutlich machte, dass das Kafka-Jahr ein Glücksfall für die beiden Filmleute ist: der finanziellen Unterstützung wegen. Mit Film-Einspielungen wurde Besuchern, die die Serie noch nicht gesehen hatten, ein Gesprächs-Zugang geschaffen. Der machte nachvollziehbar, weshalb Joel Basman (selbst jüdische Vorfahren und Kafka äußerlich ähnlich) in der Rolle „die ideale Besetzung für Franz Kafka “ gewesen sei. „Basman hat sich so verwandelt, dass er seinen Kafka in sich gefunden hat“, sagte Schalko. Er und Kehlmann sprachen zudem in den höchsten Tönen über Rainer Stach, dessen Kafka-Biografie als Grundlage der Miniserie dient. Stach hatte Veto-Recht und fungierte als Berater. Ein wichtiger Hinweis auf die Authentizität des Films. „Viele meinen, dass wir die skurrilen Dinge frei erfunden hätten. Doch je skurriler, desto sicherer kann man sein, dass es real war“, betonte Kehlmann, der das Drehbuch geschrieben hat.

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