Nicht einmal zwei Jahre hat es gedauert, bis er den Stern wieder hatte: Im vergangenen März ist Marco Akuzun auch an seiner neuen Wirkungsstätte in Weingarten wieder damit ausgezeichnet worden. Trotzdem zieht es den 42-Jährigen zurück nach Stuttgart. Bis Juni will er im Gourmetlokal Markos und im dazu gehörigen Bistro Kostbar arbeiten und dann umziehen. „Es war eine tolle Chance und es ist ein toller Betrieb“, sagt er, „aber privat sind wir hier nie angekommen.“ Sein Lebensmittelpunkt und sein Freundeskreis befinden sich in Stuttgart, stellte er im Kreis Ravensburg fest. Fast elf Jahre lang war er für den mittlerweile verstorbenen Flughafen-Gastronom Claus Wöllhaf tätig und hatte den Michelin-Stern für dessen Restaurant Top Air gehalten, bis es Ende 2020 in der Corona-Pandemie geschlossen wurde.
Ausstieg aus der Haute Cuisine geplant
Zu früh sollten sich seine früheren Gäste über die Rückkehr aber nicht freuen. Denn Marco Akuzun will nach mehr als 20 Jahren in der Haute Cuisine „raus aus der Gastronomie“ oder zumindest einen Job „mit normalen Arbeitszeiten“, kündigt er an: „Ich will meine Zeit nicht mehr so stark in meinen Beruf stecken.“ Eine Stelle sucht er noch. Seine Frau Nadine, die in Weingarten Restaurantleiterin ist, wechselt nach dem Umzug in eine Zahnarztpraxis. Nebenher wollen die beiden allerdings wenigstens hin und wieder ein paar Gäste glücklich machen – mit einem kleinen Catering-Unternehmen. Akuzuns Kochwelt wird die Firma heißen, über die sich der Sterne-Koch nach Hause holen lässt, um das Abendessen zuzubereiten, einen Kochkurs zu geben, einen Grillevent oder kleine Feiern für bis zu 20 Personen zu veranstalten. „Wir lieben, was wir tun“, sagt er über sich und seine 34-Jährige Frau.
Alles erreicht in der Koch-Karriere
Nicht einmal drei Jahre hat der Ausflug nach Weingarten in die Syrlin Speisewelt gedauert. Fünf Millionen Euro wurden in die Restaurants investiert – mit Hilfe eines stillen Teilhabers. Seine Anteile hat Marco Akuzun an ihn verkauft, seinen Nachfolger will er noch einarbeiten. Die Hoffnung ist, dass der Michelin-Stern auch ohne ihn erhalten bleibt. Für den Umzug in seine alte Heimat am Bodensee sei er die treibende Kraft gewesen, räumt der 42-Jährige ein. Dabei sei ihm schon in den Lockdowns bewusst geworden, dass seine Work-Life-Balance nicht stimmte. „Aber wo Akuzun drauf steht, muss Akuzun drin sein“, erklärt er seine Arbeitseinstellung. Wenn er in der Küche steht, muss er den vollen Einsatz bringen, soll das heißen. Nicht umsonst war das Top Air zum Schluss das vielleicht beste Restaurant in Stuttgart und auch mit dem Markos konnte er schnell wieder an dieses Niveau anknüpfen. „Ich habe mehr erreicht, als ich je gedacht habe“, sagt der Sterne-Koch über seine Karriere. Für Marco Akuzun ist es deshalb erst einmal genug.