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Australien Brisbane: Jung und wild

In Brisbane scheint an 300 Tagen im Jahr die Sonne - reichlich Gelegenheit für Spaziergänge in luftiger Kleidung.  Foto: Lobe
In Brisbane scheint an 300 Tagen im Jahr die Sonne - reichlich Gelegenheit für Spaziergänge in luftiger Kleidung. Foto: Lobe

Brisbane ist die am schnellsten wachsende Stadt Australiens. Das Durchschnittsalter in der Zwei-Millionen-Einwohner-Metropole liegt bei 35 Jahren.

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Brisbane - Der Tag ist kaum angebrochen, da rasen schon die ersten Rennradfahrer über die Straßen von Brisbane. Mittvierziger joggen durch die Hochhausschluchten, andere fahren Inlineskates. Wer wissen will, wie die Stadt tickt, sollte nach Paddington gehen. Paddington ist ein altes Arbeiterviertel und hieß ursprünglich „Trammies Corner“. In dem Viertel lag das Depot der Brisbane Tramway Company. 1962 wurde die Lagerhalle bei einem Brand zerstört. Seitdem hat sich das Viertel zu einem kreativen Modeviertel gewandelt.

Amanda Kruse organisiert Führungen durch Paddington. „Brisbane ist ein Geheimnis selbst für seine Bewohner“, sagt Amanda. Im „Happiness Place“ an der Latrobe Terrace werden knallbunte Einrichtungsgegenstände offeriert. Orange Bilderrahmen, pinke Kerzenständer, hellblaue Stühle. Richtig kitschig. „Wir lieben Farben“, sagt Verkäuferin Stephanie Brooke und lacht. Die junge Frau mit den roten Haaren und dem bunt gemusterten Kleid passt perfekt hierher. Einen Namen hat die Stilrichtung nicht, sie entwickelt sich auch ständig weiter.

„Live, laugh, love“

Die Künstler lassen sich aus den USA, Irland und Deutschland inspirieren. Vor allem nach Berlin zieht es viele junge Australier. In einer riesigen Halle, die wie ein Flugzeughangar anmutet, ist eine Boutique untergebracht. Neben Art-déco-Gegenständen und Shabby Chic stehen Accessoires im Vintage-Stil zum Verkauf. „Live, laugh, love“ steht in einem Atelier an der Wand geschrieben. Es charakterisiert trefflich die Lebenseinstellung der Brisbanites. Paddington ist ein postmaterialistisches Viertel. Man achtet auf gutes Aussehen und Gesundheit.

Im Hana Café wird glutenfreies Essen und organischer Kaffee serviert. Mit seinen hügeligen Straßen und pittoresken Villen erinnert der Stadtteil ein wenig an San Francisco. Die weiß getünchten Holzhäuser sind auf Stelzen gebaut und von einer großzügigen Veranda umgeben. „Damit kann die Luft besser zirkulieren“, erklärt Amanda. Die Queenslander Architektur, so der Fachbegriff, trägt vor allem dem feuchtwarmen Klima Rechnung. Doch jede noch so kluge Bauweise kann den Unbilden der Natur nicht immer standhalten.

Der Zyklon Yasi setzte 2011 große Teile Brisbanes unter Wasser. Es herrschte Ausnahmezustand. Nach drei Monaten waren die Schäden beseitigt. In den Parkanlagen ist der historisch hohe Wasserstand markiert. Der Brisbane River schlängelt sich um die City. Einmal täglich um 10 Uhr legt die „Koala and River Cruise“ vom Steg vor der staatlichen Bibliothek ab, die sich seit der Renovierung zu einem kulturellen Treffpunkt entwickelt hat. Die 75-minütige Flussfahrt führt zum „Lone Pine Koala Sanctuary“, einer der Haupttouristenattraktionen von Brisbane. Der Park war 2011 ebenfalls überflutet und musste eine Zeit lang schließen. Inzwischen wimmelt es wieder von Kängurus und Koalas.

Mehr als 130 Tiere werden von der Station aufgepäppelt. Koala ist ein Aborigine-Wort und bedeutet übersetzt „Trinkt nicht“. Die Beutelbären ernähren sich von Eukalyptusblättern und schlafen 20 Stunden am Tag. Besucher dürfen sogar einen Koala für ein Weilchen knuddeln. Ein Tag in Brisbane ist nicht komplett ohne einen Besuch der Queen Street rund um die Shoppingmalls. Frauen in kurzen Röcken, asiatische Zugezogene und Touristen, Geschäftsleute und vor allem viele junge Leute tummeln sich in der Einkaufsmeile.

Die Noosa Chocolate Factory setzt auf regionale Zutaten

In der Noosa Chocolate Factory, einem schmalen Raum mit hohen Holzwänden, werden diverse Leckereien feilgeboten: Mandeln mit Schokoladenüberguss, selbst gemachte Pralinen, Macadamia-Nüsse. Die Noosa Chocolate Factory ist ein Familienunternehmen und setzt auf regionale Zutaten. Temily Toft arbeitet hier seit kurzem als Verkäuferin. Die 20-jährige Studentin mit den welligen braunen Haaren und dem charmanten Lächeln verdient sich hier ein Zubrot. Sie stammt aus dem kleinen Weiler Yeppoon in Central Queensland und ist zum Ökonomiestudium nach Brisbane gezogen.

Die Metropole an der Ostküste ist die am schnellsten wachsende Stadt Australiens. Unter den zwei Millionen Einwohnern gibt es rund 100 000 Studenten - das Durchschnittsalter ist mit 35 Jahren entsprechend jung (in Deutschland liegt das Durchschnittsalter bei 45 Jahren). Einquartiert sind sie unter anderem in Bungalows am Mangrovenwald des Brisbane River. Es gibt gewiss schlechtere Studienbedingungen. „Es ist sehr entspannend here“, sagt Temily. Es muss wohl auch am Wetter liegen. Die Sonne scheint hier das ganze Jahr, die Tagestemperaturen sinken tagsüber nie unter 20 Grad.

Der Uni-Campus ist von Pinien und Palmen gesäumt. Im angrenzenden City Garden gibt es kostenloses Wifi. Man kann sich kaum vorstellen, wer drinnen in der Bibliothek büffelt. Der typische Student in Brisbane schlurft mit Bermudas, Surfer-Shirt und Havaianas durch die Gegend, als sei er auf den Weg zum Strand - vermutlich ist er das auch.

In den South Bank Parklands, am Ufer des Brisbane River, gibt es einen Stadtstrand. Junge, gut aussehende Leute planschen in einem künstlichen Pool und spielen Volleyball. Es gibt sogar einen Rettungsschwimmerturm à la „Baywatch“. Wenn man durch die Stadt spaziert, könnte man meinen, es handele sich um einen riesigen Freizeitpark. Man kann auf Leihrädern am Fluss entlangradeln, auf einer geführten Tour den Bogen der berühmten Story Bridge erklimmen oder die Stadt gemütlich vom Riesenrad aus überblicken.

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