Ausverkaufte Halle in Sindelfingen Hazel Brugger über Angela Merkel: „Wie ne kleine Oma ohne Enkel“

Hazel Brugger kann fast alles – am Montag hat sie eine Kostprobe davon in der Sindelfinger Stadthalle abgegeben. Foto: dpa/Hannes P Albert

Sie macht Comedy, sie moderierte den ESC, sie backt Pizza und sie traf Angela Merkel: Die Stadthalle war ausverkauft am Montagabend.

Zuletzt steht Hazel Brugger auf der Bühne der Sindelfinger Stadthalle, spricht über Backrezepte, und es ist Comedy. Sie hat ihr Programm beendet und hat ihre Zuschauer gebeten: „Gibt‘s Fragen an dieser Stelle?“ Es gibt sie, zögerlich kommen sie ans Tageslicht – das Sindelfinger Publikum möchte zum Beispiel wissen, wann die Teilnehmer der RTL-Reality-Show „Last One Laughing“ denn die Toilette benutzen dürften. Hazel Brugger, junge Mutter seinerzeit, gesteht sogar, dass sie zweimal in einer Drehpause der Show Milch abpumpte – „sonst wäre mein Busen explodiert!“ Sie denkt kurz nach und stellt sich vor, welch einen Showeffekt das gehabt hätte: „Buaam! Supergeil!“

 

Geheimes und mysteriöses Vergnügen von Hazel Brugger

Und ebenso plaudert sie lange über den Pizzateig. Hazel Brugger lebt in Hessen, gemeinsam mit ihrem Mann Thomas Spitzer, geboren in Freiburg, und ihren beiden Töchtern. Sie habe ihrem Mann einen Pizzaofen geschenkt, ihm aber nicht verraten, wie der Ofen bedient wird, denn backen will sie ausschließlich selber, als introvertierte Persönlichkeit das Schieben und Stochern im Pizzaloch auskosten, ein geheimes, mysteriöses Vergnügen, das sie sonst niemandem gönnt.

Und da es eine Zuschauerin gibt, die das wissen möchte, erzählt sie von ihrem Pizzateig. Sie spricht von Hefe und Glutenin: „Gluteinin ist die Seele des Teiges. Wenn die fehlt, kannst du nicht irgendwas nehmen, das wäre ja, wie wenn eine Frau mit einer fürchterlichen Persönlichkeit ein schönes Make-up trägt. Geh weg!“ Dann kommt Hazel Brugger vom Pizzateig auf die Zimtschnecke und sagt: „Das ist im Prinzip ein Briocheteig mit Ei“ – die Sindelfinger Stadthalle schüttelt sich vor Lachen.

Professionell bis zur Atempause: Hazel Brugger ist ein Profi

Hazel Brugger ist eine schmale, blonde Frau, die in dunkler Alltagskleidung über die Bühne spaziert. Ihr Mikrofon, samt Kabel, ist leuchtend rot. Ihr Stil ist lapidar, sehr launisch, trocken, manchmal versehen mit einer Spur charmanter Bosheit, einer Prise Aggression. Tatsächlich ist ihr Auftritt, so zurückgenommen, beliebig er auch wirkt, ausgefeilt aufs Sorgfältigste. Da sitzt jede Nuance, so unauffällig sie auch ist, jede Satzmelodie, die absinkt, jedes schräge Bild, das sich im unentwegten Plaudern versteckt, jedes Bisschen angetäuschter Naivität – Hazel Brugger wischt über all das weg mit coolem Understatement, so, wie sie Gesichter auf ihrem Smartphone wegwischt.

Und alldieweil plaudert sie vor allem über ihr eigenes Leben, ihre Kinder, die Renovierung der Bäder in ihrem Haus, ihren Mann. Er ist ebenfalls Comedian. Dass man sich in solcher Familie gegenseitig bescherzt, scheint üblich zu sein, im besten Einvernehmen. „Es ist cool, wenn man Witze übereinander machen kann“, sagt Hazel Brugger. „Er schaut einfach aus wie eine Kartoffel mit zwei Beinen.“ Brugger, unterwegs auf großer Tour im In- und Ausland, vor ausverkauftem Haus in Sindelfingen, hat offenbar den größeren Erfolg auf ihrer Seite: „Mein Mann kann sich glücklich schätzen“, sagt sie. „Die Witze, die ich über seinen kleinen Penis mache sind es, die ihm am Ende des Tages den Sportwagen finanzieren.“

Hazel Brugger ist in der Schweiz geboren, lebt aber mit ihrem Freiburger Mann Thomas und ihren Kindern in Hessen. Foto: Noëlle Guidon

Hazel Brugger wuchs in der Schweiz auf. Dort gelten andere Gesetze, dort müsste sie sehr viel weniger Steuern bezahlen. Aber das will sie nicht. „Ich sehe das als Charity, dass ich in Deutschland wohne. Ich denke jeden Tag, an dem ich durch Deutschland laufe: Ah! Dafür hab ich bezahlt!“ Steuerrechtliche Dinge, Prozentrechnen überhaupt, führt sie sich gerne am Beispiel einer Pizza vor Augen. „Die Deutschen sind ein bisschen crazy“, sagt sie. „Ich mag das.“

Ehe Hazel Brugger nach Sindelfingen kam, hat sie natürlich gegoogelt. „Wofür ist Sindelfingen bekannt? Da kam einfach nichts.“ Aber sie hat entdeckt: Im Foyer der Stadthalle Sindelfingen hängt ein Ölbild, das die Stadthalle Sindelfingen zeigt. So etwas sah sie noch nie, sie staunt. Sie hat außerdem einen Spaziergang durch Sindelfingen unternommen und dort weitere Absonderlichkeiten entdeckt.

Wofür ist Sindelfingen bekannt? „Einfach nichts“, sagt Hazel Brugger

Sie steht vor einem monumentalen Hintergrundbild, Wolken, die sich über einer Küstenlandschaft im Sonnenschein türmen. Ihr aktuelles Programm hat sie „Good Evening Europe“ genannt, weil dies die Worte waren, mit denen sie ihre Moderation des European Song Contest 2025 eröffnete. Köstlich allein ist schon ihr Bericht darüber, wie sie einmal mit der „Deutschesten der Deutschen“ abhing – „Ich hab Angela Merkel kennengelernt.“ Die Komödiantin scheint die Altkanzlerin ins Herz geschlossen zu haben: „Angela Merkel sieht genau so aus, wie man sie sich vorstellt: Wie ne kleine Oma ohne Enkel.“ Dem aktuellen Kanzler stellt sie eine kritische Prognose: „Noch zwei Jahre Krise und Friedrich Merz muss jede seiner Reden mit einem Panflötensolo beginnen.“

Hazel Brugger verrät ihren Zuschauern fast alles über sich, nur nicht, mit welchem Tempo sie beim Joggen unterwegs ist. „Das sollte Privatsache sein.“ Katzen hält sie sich nicht. „Die sind mir zu weird“ – aber eine Schildkröte wird gerade angeschafft, denn Schildkröten sind unkaputtbar. Als eine Zuschauerin gesteht, dass sie jede fremde Katze knuddeln müsse, schießt Hazel Brugger einen so unschuldigen wie messerscharfen Blick ab: „Du bist also Harvey Weinstein mit Katzen? Du musst sie einfach kuscheln?“

Weitere Themen