Auswilderung im Südwesten Wie sich Luchs-Zwillinge auf die Freiheit vorbereiten

Ein junger Luchs (Symbolbild). Foto: dpa/Soeren Stache

In Baden-Württemberg sollen Luchse wieder heimisch werden. Nun bereiten sich in Karlsruhe die Zwillinge Max und Moritz auf ein Leben in freier Wildbahn vor. Vor allem eine Fähigkeit müssen sie dafür lernen.

„Wann hat man schon mal die Gelegenheit, einen Luchs zu streicheln?“, schwärmt der Minister für den Ländlichen Raum, Peter Hauk, beim Vorort-Termin im Karlsruher Zoo. Nach einer Betäubung liegt ein junger Luchs sediert vor ihm, wenig später geht es für die zehn Monate alten Zwillinge Max und Moritz vom Luchsgehege im Zoo in den nahe gelegenen Karlsruher Oberwald. Die beiden Kuder, wie man männliche Luchse nennt, werden auf die Auswilderung vorbereitet.

 

Vergangenes Jahr im Sommer war es im Zoologischen Stadtgarten von Karlsruhe eine kleine Sensation: in dem 2021 neu angelegten Luchsgehege am Lauterberg, einer Erhebung kaum 100 Meter vom Hauptbahnhof entfernt, gab es Nachwuchs. Fast acht Wochen lang blieb dieser, kurios genug, unbemerkt. Das genaue Geburtsdatum der Luchs-Zwillinge, die im eingezäunten Außengelände des Zoos zur Welt kamen, kann nur geschätzt werden, ein Zoosprecher spricht von „irgendwann im Juli“.

Eigentlich galten Luchse seit Mitte des 19. Jahrhundert im Südwesten als ausgestorben. Vereinzelte Luchse waren zuletzt aus dem Schweizer Jura „eingewandert“. Auch Minister Hauk hat längst erkannt, dass eine Bestandsstützung nur mit aktiver Wiederansiedlung funktionieren kann. Seit Ende 2023 gibt es Versuche der Auswilderung im Schwarzwald. Drei Luchse wurden seither ausgesetzt: zuletzt Kuder Reinhold und Weibchen Verena.

Auf 5000 Quadratmetern sollen sich Luchse auf die Natur vorbereiten

Ein wichtiger Baustein für das auf mehrere Jahre angelegte Projekt: in diesem Winter entstand im Karlsruher Oberwald ein so genanntes „Koordinationsgehege“, eine rund 5000 Quadratmeter große eingezäunte Fläche, abgeschirmt von Begegnungen mit Menschen. Dort sollen Max und Moritz, die mittlerweile rund zehn Monate alten Jungtiere, auf die Auswilderung in die freie Natur vorbereitet werden. Seit März gibt es weitere „Mitbewohner“: zwei junge Luchse aus Zoos in Chemnitz und Nürnberg waren in das weitläufige Gehege gezogen, im Mai soll ein Luchs aus England dazu kommen.

Minister Peter Hauk hat für Max die Patenschaft übernommen. Für den Landwirtschafts- und Forstminister ist erklärtes Ziel, den Luchs als heimische Art wieder in freier Natur zu etablieren. „Luchse sind ein Sympathieträger, mit diesen kann man Menschen für die Natur begeistern“, sagt er. Bei der öffentlichen Meinung sind derweil Unterschiede zum Wolf erkennbar, der ohne Zutun vermehrt im Südwesten auftaucht. Auch Karlsruhes Zoo-Direktor arbeitet mit an dem Ziel, Europas größte Raubtierkatze nach 200 Jahren wieder heimisch zu machen.

Die Stützung des Bestandes im Südwesten ist zudem Teil der Koalitionsvereinbarung von Grünen und CDU. In einem vier Jahre währenden Projekt sollen bis 2027 bis zu zehn, insbesondere weibliche Luchse bevorzugt im Schwarzwald ausgewildert werden. Da gab es auch Rückschläge: das erste Tier, die im Herbst 2023 ausgewilderte Finja, war nach wenigen Monaten an einer Virusinfektion verendet. Auch Gefahren im Straßenverkehr lauern.

Deshalb sollen die ab Mai dann fünf Luchse in der „WG“ im Waldgebiet bei Karlsruhe natürliche Scheu erlernen. „Am besten ist, ein Luchs haut ab, sobald er einen Menschen sieht“, sagt Zoo-Chef Mathias Reinschmidt. Da war schon das Luchsgehege am Lauterberg eine gute Schule. Bester Beweis im vorigen Jahr: die zunächst unerkannt gebliebene Geburt der Brüder Max und Moritz.

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